Projektnummer 26
ZÜÜSLA

Verfasser: ARGE becker und dom, FL-9490 Vaduz
Projektmitarbeiter: Lisa Ellinger, Daniel Dom, Jürgen Becker

Subunternehmer Landschaftsplaner: Teamgmi, FL-9494 Schaan & Xylo AG, FL-9494 Schaan

STÄDTEBAU UND ARCHITEKTUR

Im Bereich des nordwestlichen Siedlungskörpers von Vaduz entsteht ein neues Feuerwehrdepot. Inmitten der heterogen baulichen Umgebungsstrukturen von Infrastrukturbauten sowie Dienstleistungs- und Gewerbeanlagen aus gross- und kleinvolumigen Bebauungen entwickelt sich das Projekt als ruhige und identitätsstiftende Struktur. Prägnant und selbstbewusst, stark und eigenständig, zurückhaltend und selbstverständlich integriert sich das neue Feuerwhrdepot in seine Umgebung. Präzise gesetzte Eingriffe klären die Situation. Das Gebäude vermittelt zwischen den unterschiedlichen Massstäben des Ortes, hat gleichzeitig eine angemessene Strahlkraft und bildet einen neuen, unverwechselbaren Ort. Der Baukörper weist eine grosszügige Form auf – eine offene Struktur, welche nutzungsneutral und flexibel bespielt werden kann.

Das prägende Gebäudevolulmen führt die Geometrie der bestehenden Gewerbeareals in einer selbstverständlichen Art und Weise weiter. Der südliche Kopfbau der Feuerwehr liegt städtebaulich vorgesetzt an der Schaanerstrasse und nimmt die bestehenden Gebäudefluchten auf. Südwestlich entsteht Platz für den Turm, welcher als neu gesetzter Markstein steht, sowie ein Übungsplatz und die Parkierung der Einsatzkräfte.

Die Fahrzeughalle und ihr Vordach werden nördlich durch den Samaritertrakt gefasst. Daraus resultiert ein grosszüger teilüberdachter Vorplatz. Dem Konzept liegt ein klares Gerüst zugrunde, welches mit einem regelmäßigen Konstruktionsrhythmus eine hohe Flexibilität ermöglicht, sowie zukunftstauglich und einfach erweiterbar ist. Unterstützt werden diese Qualitäten durch ein nachhaltiges und authentisches Konstruktions- und Materialkonzept.

AUFSTOCKUNG UND ERWEITERUNG

Das modular stringente Gebäudekonzept ermöglicht eine geschossunabhängige Erweiterung und Aufstockung im südlichen Teil des Feuerwehrareals. Dadurch kann bei Bedarf das Angebot der Räumlichkeiten für die Feuerwehr erweitert werden. Statik und Gebäudekonstruktion sind so ausgelegt, dass bis zur maximalen Gebäudehöhe von 22.00 Metern erweitert werden könnte. Somit lässt sich dieser Bereich problemlos Aufstocken und Unterkellern. Eine Aufstockung im Bereich der Fahrzeughalle ist durch das integrierte Photovoltaik Dach nicht möglich und im Projekt auch nicht vorgesehen

KONSTRUKTION / STATISCHES KONZEPT

Beim Feuerwehrdepot wird Holz als Naturprodukt und heimischer, nachhaltiger Rohstoff eingesetzt. Beim Feuerwehr- und Samariterhaus werden die Geschossdecken als effiziente Hybrid Elemente ausgeführt. Die sichtbaren Holzträger übernehmen die Zugkräfte, während die Betonverbundschicht im Druckbereich den Schall- und Brandschutz gewärhleistet. Zwischen den Holzträgern und in den Doppelböden ist Raum für Installationen und Raumakustik.

Die Fassade wird als sichtbares Fassadentragwerk ausgeführt. Die Diagonalen übernehmen dabei die Lastabtragung in vertikaler und horizontaler Richtung und wirken als Windverband. Die aufgebrachten Glaselemente übernehmen die Funktionen des Witterungs- und Brandschutzes und dienen gleichzeitig als Absturzsicherung.

Die Doppelfassade dient der passiven Sonnenenergie Nutzung und erhöht den Schallschutz, der Sonnenschutz ist als Screen integriert. Die Vorhangfassaden sind brandschutztechnisch horizontal als Hohlraum pro Geschoss unterteilt. Das Tragwerk bei der Feuerwehrhalle ist mittels liegender, sichtbarer Fachwerkbinder aufgebaut. Die vorgefertigten rautenförmigen Träger bilden räumlich und statisch ein Rohrprofil, welches die Lasten des Dachaufbaus übernimmt. Das entwickelte Konzept erlaubt ein grosses Stützenraster, womit die Nutzung möglichst frei bleibt. Der Dachaufbau ist von der Tragkonstruktion losgelöst, wodurch dieser mit vorgefertigten Dachelementen unabhängig gestaltet werden kann. Die Lastabtragung der Dachkonstruktion erfolgt über Holzstützen und Aussenwandscheiben.

ENERGIE UND GEBÄUDETECHNIK

Haustechnik: Die Zuluftverteilung erfolgt im Installationshohlraum unter dem Unterlagsboden und wird über Quellluftauslässe im Bodenbereich in die Schulungs-, Büro- und Aufenthaltsbereiche des Gebäudes eingebracht. Die eingebrachte Zuluft strömt von dort über Überströmöffnungen in die zentralen Gangbereiche über. Die Abluft wird in den angrenzenden Sanitärbereichen abgeführt. Die Fahrzeughalle wird auf natürliche Weise be- und entlüftet. Die Heizwärme- und Brauchwarmwasserbereitstellung für die Verwaltungs- und Schulungsbereich des Feuerwehrdepots und das Samarariterdepot erfolgt über eine Luft-Wärmepumpe. Die Südost-orientierte Häflte des Sheddachs der Fahrzeughalle besteht vollständig aus integrierten, solarthermischen Modulen mit einem Anstellwinkel von 15°. Die damit erzeugte, thermische Energie wird im Winter in die aktivierte Bodenplatte der Fahrzeughalle geführt. Da die Halle nur auf mindestens 7 °C temperiert werden muss, wird keine zusätzliche Wärme von der Luft-Wärmepumpe benötigt. Im Sommer wird die solarthermische Energie für die Brauchwarmwasserbereitung verwendet.

Die Wärmeabgabe im Verwaltungs- und Schulungsbereich des Feuerwehrdepots und dem Samariterdepot erfolgt über Bodenheizung. Die Temperierung der Fahrzeughalle erfolgt über die aktivierte Bodenplatte.

Dachlandschaft: Die Nordwest-orientierte Hälfte des Sheddachs der Fahrzeughalle besteht vollständig aus integrierten PV-Modulen. Die Module haben einen Anstellwinkel von 15°. Da neben dem Strombedarf der Wärmepumpe der Grossteil des Strombedarfs in den Abendstunden anfällt (Beleuchtung der Schulungsräume und der Fahrzeughalle), wird ein Batteriespeicher eingesetzt. Da das Dach der Fahrzeughalle mit integrierten Solarthermie- und PV-Modulen belegt ist, werden die beiden Dächer des Feuerwehr- und des Samariterhauses mit einer Dachbegrünung umgesetzt.

Thermische Gebäudehülle: Das Feuerwehrdepot ist kompakt ausgeführt, wodurch es eine hoch wärmegedämmte Gebäudehülle einfach umgesetzt werden kann. Der Verglasungsanteil ist nach Wärmeschutz, sommerlicher Überhitzung und Tageslichtnutzung optimiert. Für die Fenster kommt eine 3-Scheiben-Verglasung zum Einsatz. Ein optimaler Wärmeschutz und in weiterer Folge hächste Energieeffizienz sind somit gewährleistet. Ein optimierter Verglasungsanteil kombiniert mit aussenliegender Sonnenschutzelementen vermeidet eine sommerliche Überhitzung und bietet eine gute Tageslichtqualität. Die Textilscreens sind durch die vorgesetzte Glasfassade von der Windeinwirkung geschützt.

Lichtkonzept: Beim Feuerwehr- und dem Samariterdepot werden mechanisch gesteuerte, lichtdurchlässige Textilscreens eingesetzt. Die Fenster sind raumhoch und gewährleisten eine Belichtung bis tief in den Raum. Im Sheddach der Fahrzeughalle befinden sich in regelmässigen Abständen über die gesamte Hallenlänge abwechselnd Nordwest- und Südost-orientierte Fensterbänder. Die Deckenfalttore sind transparent. Kunstlicht wird behutsam in die Architektur integriert und unterstützt die hohe Aufenthaltsqualität der Innenräume. Lichtbänder werden in die sichtbaren Deckenträger integriert.

ORGANISATION

Die Architektur legt grössten Wert auf optimale Nutzungsmöglichkeit, kurze und klare Wegführungen sowie ansprechende Belichtung und Orientierung der Funktionsbereiche. Damit wird die Dynamik der multifunktionalen Nutzung unterstützt. Das Konzept beitet optimale räumliche und technische Rahmenbedingungen um vielfältige Nutzungen längerfristig zu ermöglichen (Noteinsatz, Bereitschaftsdienst, Schulung, Feierlichkeit). Das Projekt ermöglicht eine gleichzeitige Nutzung der Räumlichkeiten ohne Konflikte in den Betriebsabläufen zu generieren. Synergien, wie Schulungsräume, werden dort genutzt wo sie vorteilhaft zusammengeführt werden können. Konsequenterweise sieht die Erschliessung des Gebäudes eine simultane Beispielung der Räumlichkeiten von Wasserwerk, Feuerwehr und Samariter vor. Es entsteht eine uneingeschränkte Nutzbarkeit und Bespielung des Vorplatzes ohne jegliche Beeinträchtigung.

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