Projektnummer 10
ZINNOBER

Ortsbau

Die Parzelle für das neue Feuerwehrdepot Vaduz im nordwestlichen Gemeindegebiet befindet sich in der Zone für öffentliche Bauten. Den nördlichen Abschluss bildet der Baukörper des Wasserwerks Vaduz, gegenüber an dersüdlichen Parzellengrenze reihen sich Gewerbebauten verschiedener Grösse entlang der Schaanerstrasse, welche den ostseitigen Abschluss formuliert. Gegen Westen fliesst der Kanal entlang der Grundstücksgrenze und es öffnet sich eine weitläufige Natur- und Landwirtschaftsfläche mit herrlichem Ausblick auf die Schweizer Berge.

Der neue längliche Baukörper orientiert sich entlang der Schaanerstrasse und dem Kanal und schliesst die Lücke zwischen Wasserwerk und Gewerbezone. Strassenseitig ist die Fahrzeughalle mit Vorplatz angeordnet. Die nebeneinander angeordneten Stellplätze  erlauben ein direktes Ausfahren auf die Schaanerstrasse in Richtung Einsatzort. Den nördlichen Abschluss des Gebäudes bildet der nach vorne versetzte Schlauch- und Übungsturm, als markante Landmarke. Im Anschluss an den Schlauchturm befindet sich die gemeinsam genutzte Einfahrt für Depot und Wasserwerk. Die Parkierung wird im süd westlichen Teil des Grundstücks, entlang dem Kanal erstellt und mit einer Einbahnstrasse erschlossen. An der südlichen Parzellengrenze befindet sich die Parkplatzausfahrt, sowie der Einstellplatz für das Samariterfahrzeug. Zwischen Ausfahrt Parkierung und Vorplatz Fahrzeughalle wird ein Baumhain erstellt, welcher ein Platz zum Verweilen sein soll. Der Baumhain mit Tischgruppen, Feuerstelle und Brunnen soll als Aufenthaltsmöglichkeit für Feuerwehr und Samariter dienen, kann aber auch von der Öffentlichkeit genutzt werden.

Die Eingänge ins Gebäude sind westseitig, nahe den Parkplätzen angeordnet. Von einem gemeinsam genutzten überdachten Vorplatz gelangt man über die verschiedenen Eingänge in das Gebäude. Haupt-, Neben- und Alarmeingänge der Feuerwehr sind einsatzbedingt gut gelegen und es können über kurze Wege wichtige Räume wie Garderobe und Einsatzzentrale erreicht werden. In der allgemeinen Erschliessung führt eine grosszügige Treppe ins Obergeschoss zu den Theorie- und Mehrzweckräumen.

Konstruktion / Material

Das neue Feuerwehrdepot Vaduz wird als Beton-Holz-Hybridbau erstellt. Das statisch wirksame Tragsystem ist eine sichtbare Betonkonstruktion. Als Fassade werden vorgefertigte Holzelemente  verwendet, welche mit einer horizontalen Weisstannenlattung verkleidet werden. Aus gestalterischen Gründen und auch als Holzschutz wird die Holzfassade mit einer dünnschichtigen, offenporigen, biozidfreien Mineralfarbe (Steintünchung), in einem erdigen Rotton gestrichen. Ein Betonsockel bildet den Übergang zwischen Boden und Fassade und schützt das Holz vor Spritzwasser.

Im Inneren gibt es zwei verschiedene Haltungen: Funktionale Räume werden einfach und schlicht gehalten. Decken bleiben in Sichtbeton, Böden in Hartbeton oder wo nötig mit fugenlosem Belag, Wände in Sichtbeton Typ 2 oder als sichtbare Holzelemente der Aussenwand. Aufenthalts- / Büroräume sollen warm, angenehm und einladend wirken. Parkettböden, Wände und Decken mit Holzverkleidung sollen den Nutzern und Besuchern ein behagliches Gefühl geben.

Ökologie

Eine einfache und klar strukturierte Betonkonstruktion mit dem hohen Vorfertigungsrad der Fassadenelemente und den lokalen Baustoffen halten die graue Energie möglichst gering.

Das Holz für die gesamte Fassadenkonstruktion wird aus dem Vaduzer Wald entnommen oder Stammt aus dem regionalen Holzkreislauf.

Für die Energieerzeugung dient eine grosszügige Photovoltaikanlage auf dem Dach mit 1270 Modulen, welche 380 kWp erzeugt. Der erzeugte Strom wird für die Grundwasserwärmepumpenheizung, die Komfortlüftung und die restlichen Elektroinstallationen genutzt. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist.

Als Sonnenschutz dienen windstabile Vertikalstoren vor den Fenstern. Unterstützend als sommerlicher Sonnenschutz werden Bäume entlang des Kanals zwischen den Parkplätzen gepflanzt.

Erweiterung

Das gerasterte Betontragsystem kann mit vier zusätzlichen Geschossen erweitert werden und garantiert eine einfache vertikale Lastabtragung. In der Fahrzeughalle müsste eine zusätzliche Stützenreihe erstellt werden, was die Einstellplätze aber nicht beeinträchtigt.

Erschlossen werden die neuen oberen Geschosse über die beiden öffentlichen Treppenhäuser mit Lift. Beide Erschliessungen können unabhängig von Feuerwehr und Samariter genutzt werden. Die beiden Treppenhäuser an der Nordfassade dienen als Fluchttreppen.

Einsatz

Die Feuerwehrmannschaft erreicht das Depot über die nördliche Einfahrt und gelangt über die Einbahneinfahrt zur Parkierung entlang des Kanals. Die erste Person welche das Gebäude betritt, öffnet per Knopfdruck die Alarmzugänge für nachfolgende Kameraden/Kameradinnen und besetzt die Einsatzzentrale zur Einsatzkoordination. Die sehr kurzen Wege von Parkplatz über Garderobe zum Einsatzfahrzeug ermöglichen ein möglichst schnelles Ausrücken. Die Parkierung hinter dem Gebäude und der übersichtliche Vorplatz garantieren eine kollisionsfreie Einsatzfahrt.

Rückkehr Nach dem Einsatz kehrt die Mannschaft im Feuerwehrfahrzeug über die nördliche Einfahrt zum Depot zurück. Die Mannschaft verlässt das Fahrzeug im überdachten Vorbereich der Waschbox und gelangt über den separaten Eingang in den Schwarzbereich mit Anlieferung und Nassbereich. Nach der Grobreinigung begeben sich die Feuerwehrleute in die Garderobe um zu duschen und sich umzuziehen. Der Fahrer fährt  mit dem verschmutzten Fahrzeug in das Lager um das Fahrzeug zu retablieren und die Treibstoffe aufzufüllen, anschliessend fährt er weiter in die Waschbox für die Fahrzeugreinigung. Nicht verschmutzte Einsatzfahrzeuge können auch direkt durch die Fahrzeughalle fahren um zu dem vorgesehen Stellplatz zu gelangen.

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