Projektnummer 28
wachsam

Verfasser: Anja Sturzenegger Architektur GmbH, CH-7000 Chur
Projektmitarbeiter: Anja Sturzenengger, MSc Arch SIA | Michaela Zberg, Architektin BSc | Daniel Stokic, Architekt BSc

Situation

Das neue Feuerwehrdepot wird im nördlichen Bereich der Parzelle zum Wasserwerk hin positioniert. Zugunsten von grosszügigen Aussenflächen sowie optimalen internen Abläufen werden die Fahrzeuggassen parallel zur Schaanerstrasse, hintereinander angeordnet. Südlich des Gebäudes liegt der Parkplatzbereich mit dem Haupteingang. Deren Erschliessung erfolgt durch eine separate Ein- und Ausfahrt, unabhängig von den Vorplätzen der Fahrzeughalle sowie der zentralen Hallen-Ausfahrt. Nach dem Einsatz gelangen die Fahrzeuge über die Zufahrt des Parkplatzes, am Haupteingang vorbei zwischen Binnenkanal und Gebäude zur gedeckten Anlieferungsstelle. Hier erfolgt die Abgabe und Grobreinigung der Schläuche, Atem- und persönlicher Schutzausrüstung bevor das Fahrzeug über den Vorplatz Nord in die Waschbox gelangt. Die bestehende Ausfahrt beim Wasserwerk bleibt unverändert. Die Fahrzeuge zum Vorplatz Nord könnten die Ausfahrt nutzen, sollte dies in den Abläufen beim Ausrücken sinnvoll sein.

Organisation

Die Hallen werden parallel zur Schaanerstrasse in einer U-Form zum mehrgeschossigen Gebäudetrakt hin angeordnet. Es sind drei Gespanne zu je 6 Fahrgassen. 12 Gassen sind hintereinander angeordnet, 6 frontal gegenüber dazu. Die drei Gespanne werden mit einem grossen Vordach über den Vorplatz von 17m hinaus, zu einer grossen Halle verschmolzen. Die grosse überdachte Vorplatzhalle mit Tageslicht von oben bildet das Herz der Anlage. Dadurch resultiert mehr temperiertes& Volumen und es kann gleichzeitig auf 12 kosten- und unterhaltsaufwändige Tore verzichtet werden. Die grossen Fensterfronten, welche die Halle von Osten her beleuchten, sind thermisch wirksamer und können von aussen beschattet werden. Ein Überhitzen der Halle wird verhindert und die Fahrzeuge sind von den UV- Strahlen geschützt. Eine grosse, offene und transparente Anlage entsteht. In der Verlängerung der Haupthalle liegt die Einsatzzentrale, von welcher aus alle 16 Fahrgassen sowie Vorplätze und Einsatz-Ausfahrt ersichtlich sind. Die laterale Gliederung der Fahrgassen ermöglicht durch seine kompakte Konzeption optimale Übersicht und kurze interne Distanzen. Die Hauptnebenräume wie Garderobe, Werkstatt, Reinigungs- und Wartungsbereiche sind direkt von der Halle aus erreichbar. Die internen Abläufe sind in einem Fluss, wodurch Kollisionen verhindert werden und ein möglichst speditiver Ablauf gewährleistet ist. Vom Eingangsbereich, wo erste Informationen bereits im Foyer auf dem Infoboard zu entnehmen sind, gelangen die Feuerwehrleute direkt via Garderoben auf die gegenüberliegenden Seiten raus auf die geschützten Verkehrszonen; vorbei an der Einsatz- Führungs- und Kommandozentrale, wo weitere Instruktionen erfolgen.

Über den zurückversetzten Laufbereich gelingt die Einsatzmannschaft rückwärtig in die einzelnen Fahrgassen. Ein queren der Vorplatzbereiche wo die Fahrzeuge ausrücken ist zu keinem Zeitpunkt notwendig. Die Schwarz- Weiss- Trennung kann in allen Zonen konsequent eingehalten werden, die Abläufe in den einzelnen Teilbereichen sind optimal und mit hoher Flexibilität gehalten.

Die Schulungs- und Aufenthaltsräume sind im Obergeschoss angeordnet. Die Treppen und der Personenlift wurden so konzipiert, dass mit dem Schliessen von wenigen Türen (Gangbereich, Garderobe und Lager) das komplette Feuerwehrdepot abgeriegelt und von dem, auch öffentlich genutzten, Schulungsbereich abgetrennt ist. Die Haupträume im OG sind nach Südwesten zum Binnenkanal hin ausgerichtet. Zwischen den zwei grossen Schulungsräumen von der Feuerwehr und den Samaritern, liegt der Aufenthaltsraum mit Küche. In dessen Verlängerung wurde zentral der grosszügige Vorbereich angeordnet. Dieser prominente Bereich mit Blick in die Halle lädt zum Aufenthalt ein und ist ideal für Apéros und andere Anlässe. Auch im Schulungsbereich wurde grossen Wert auf Flexibilität in der Nutzung und Abläufe gelegt. Über eine Treppe und/oder den Warenlift gelangt man ins Dachgeschoss. Hier liegen eine grosszügige, teils gedeckte Dachterrasse, sowie Lager- und Technikräume. Die Räume im Dachgeschoss wurden so konzipiert, dass eine Aufstockung sinnvoll und ohne grosse Rückbauten möglich ist. Der Technikraum liegt über der Waschbox und den installationsintensiven Betriebsräumen. Im Bereich der Rückwand Waschbox erfolgt die vertikale Erschliessung der verschiedenen Geschosse.

Konstruktion

Das Gebäude wird in einer nachhaltigen, zweischaligen Konstruktion erstellt. Aussenflächen und Innenflächen der Hallen in Sichtbeton, alle weiteren Räume in KS Sicht. Die unterschiedlichen Nutzungen werden thermisch klar getrennt, auch im Innern des Gebäudes. Durch den hohen Tor-/Fensteranteil und die Vormauerung wird der Anteil/Kosten von zweischaligem Beton reduziert. Die Decken der Bereiche wie Garderobe, Atemschutz, Waschen werden abgehängt und dienen als Installationsebenen.

Tragstruktur Fahrzeughalle

Das Dachtragwerk der Halle besteht aus Deckenplatten mit Zwillingsunterzügen. Sie funktionieren als Plattenbalken und ermöglichen dadurch die Hallentiefe mit relativ geringer Bauhöhe stützenfrei zu überspannen. Zwischen den Trägern (bzw. ohne Verlust an Lichterhöhe) liegt die Beleuchtung. Das Dachtragwerk ist auf Stützen gelagert, welche die Lasten über die Bodenplatte und die darunterliegenden Bankette in den Baugrund führen. Die Stützen sind von der geforderten Fahrgassenlänge von 12.50m 1.20m zurückversetzt. Dies reduziert die Spannweite und gewährt dem Schiebefalttor zum Wasserwerk hin innenliegend einen geschützten Platz. In der mittigen Haupthalle vergrössert diese Massnahme zusätzlich den Ein- Ausfahrtsraum von 17.00 m auf 19.40 m und lässt ein früheres Einschlagen der Fahrzeuge zu. Das Vordach zum Wasserwerk hin ist thermisch getrennt auf den äusseren Stützen abgestellt und wird über die sich nach vorne verjüngenden Unterzügen nach hinten in die Hauptträger der Halle gebunden. Die Haupthalle wird mit 1.60m hohen und 30cm breiten Trägern über dem Hallendach überspannt und kommen auf den darunterliegenden Stützen zu liegen. Die Überhöhe der Träger bildet zugleich den Mittelsteg der Belichtungskörper, welche die mittige Haupthalle mit indirektem Tageslicht versorgen und Lösungsmöglichkeiten bieten.

Haustechnik

Das Gebäude wird gemäss den energetischen Normen komplett wärmegedämmt. Die Energieversorgung erfolgt voraussichtlich durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe (Vorgabe Programm). Durch den zentralen Technikraum im Dachgeschoss können Zu- und Abluft über Lüftungsgitter an den Aussenwänden gelöst werden. Eine Aussenaufstellung sowie jegliche Lärmemission kann verhindert werden. Mit dem bereits vorhandenen Dachgeschoss ist die Zugänglichkeit der Dachfläche und der Technikräume über eine Treppe und/oder Warenlift bereits vorhanden. Die beheizten Räume werden mit Bodenheizung und Raumthermostaten ausgestattet, die Wärmeverteilung in der Halle erfolgt über Deckenstrahlplatten oder Luftheizungsapparate. Es wird eine weitere Lüftungsanlage mit Zu- und Abluftsystem vorgesehen um die gefangenen Räume zu belüften. Die Luft wird im Technikraum in einem Monoblocgerät aufbereitet. Als Unterstützung für die Heizung und die Warmwasseraufbereitung können im Dachbereich Sonnenkollektoren vorgesehen werden. Eine PV Anlage für den Eigengebrauch und/oder zur Netzeinspeisung kann auf den grossen, jederzeit zugänglichen Flächen, problemlos gesetzt werden.

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