Projektnummer 15
Tulipalo

Verfasser: Mozzatti Schlumpf Architekten AG, CH-6340 Baar
Projektmitarbeiter: Daniel Gabriel, Nuot Roner / Marco Mozzatti

Situation

Das neue Feuerwehrhaus liegt an der Schaanerstrasse, an der Peripherie der Stadt, am Übergang zur Landwirtschaftszone Im Norden die gewachsene Stadtstruktur und im Süden die typische Feldstruktur der Landwirtschaft und das gefasst von mächtigen Felsen, prägen das Ortsbild. Die zweigeschossige Fahrzeughalle auf der Ostseite, mit ihrem markanten Dach, in Kombination mit dem Schlauchturm und die eingeschossigen Räume auf der Westseite, verankern das Gebäude horizontal in seiner Umgebung. Als weiteres Puzzleteil schliesst der Bau die Lücke auf der Südseite der Schaanerstrasse, in dem Gebäudefluchten der Nachbarsgebäude übernommen werden. Das neue Gebäude präsentiert sich mit grosszügigen Öffnungen zur Schaanerstrasse sowie präzis gesetzten Öffnungen zur Landwirtschaftszone hin.

Umgebung

Die Positionierung des Neubaus in der nordwestlichen Grundstückecke erlaubt eine optimale Wegtrennung von eindrückenden Privat- und ausrückenden Feuerwehrfahrzeugen. Die Zu- und Ausfahrt zum Wasserwerk bleibt bestehen, damit der Vorplatz der Feuerwehr nicht tangiert wird.

Die Ausfahrt der Fahrzeuge erfolgt über den grosszügigen, asphaltierten Vorplatz, der ein problemloses Rangieren von grossen Feuerwehrfahrzeugen ermöglicht. Nach der Ausfahrt und anschliessender Rechts- bzw. Linkskurve gelangen die Fahrzeuge direkt auf die Schaanerstrasse.

Feuerwehrleute, die mit ihren Privatfahrzeugen einrücken, fahren über die Schaanerstrasse direkt zu Parkplätzen auf der Südseite der Parzelle. Von dort gelangen sie direkt zu den Eingängen der Garderoben. Der grosszügige Parkplatz gewährleistet im Ernstfall eine schnelle und sichere Parkierung.

Besucher betreten das Foyer entweder über den Haupteingang an der Ostseite oder über den Nebeneingang an der Westseite.

Gebäude

Die Basis für den Entwurf bilden die direkte Organisation der Einsatz- und Betriebswege, effiziente Tragkonstruktion und die ortsbauliche Setzung. Mit dem identitätsstiftenden Schlauchturm, dem mächtigen Vordach und dem Absatz hin zur Landwirtschaftszone reagiert das Gebäude auf den Kontext und wiederspiegelt die Grundrissgliederung. Die zweigeschossige Fahrzeughalle mit dem Vordach orientiert zur Schaanerstrasse. Die dienenden Räume, wie Werkstatt, Garderoben, Nasszellen und Archiv befinden sich im südwestlichen eingeschossigen Gebäudetrakt und bedienen die stützenfreie Fahrzeughalle. Die Aufenthaltsräume und Küche sind ebenfalls im eigeschossigen Gebäudetrakt untergebracht, geniessen aber, im Gegensatz zu den anderen Räumen, den Blick in die Bergwelt. Im Bereich des Haupteingangs ist die Kommandozentrale angeordnet, mit freier Sicht in die Fahrzeughalle und Vorplatz. In der nordöstlichen Ecke sind der Schlauchturm, Material AS, Material PSA und Material SP platziert. Um saubere und richtlinienkonforme Schwarz-Weiss-Trennung Abläufe zu ermöglichen, sind diese Räume als Enfilade miteinander verbunden.

Die Ausbildungs- und Mehrzweckräume im Obergeschoss sind ebenfalls über das Foyer erschlossen und unabhängig vom Feuerwehrbetrieb extern oder intern nutzbar. Übungen, die als Gruppenarbeiten aus dem Rapportraum geführt werden, können dadurch mit effizi8enten Wegen in den Ausbildungsräumen abgehalten werden. Diese können mit mobilen Trennwänden, je nach Bedarf, zusammen genutzt werden. Eine Vorzone verbindet alle Räume im Obergeschoss und erlaubt dadurch eine flexible Nutzung der Ausbildungs- und Mehrzweckräume in unterschiedliche Konstellationen.

Erweiterung

Im Hinblick auf eine zukünftige Erweiterung, kann der eingeschossige Gebäudetrakt aufgestockt werden. Mit wenig Aufwand kann die Fassade und das Tragsystem erweitert werden. Die Entfluchtung dieser Räume würde über eine neue Treppe passieren. Eine Erweiterung und Aufstockung der Schulungsräume ist ebenfalls möglich.

Tragwerk

Stützen, tragende Wände und Bodenplatten sind aus Ortbeton, was eine robuste Fundation und einfache Grundwasserabdichtung gewährleistet. Die Fahrzeughalle wird als ein von Betonträgern überspanntes Hallentragwerk mit am Rande stehenden Betonstützen konzipiert. Die lichte Raumhöhe beträgt min. 5.20 m und das Achsmass 4.50 m. Die Aussteifung für die horizontale Kräfte erfolgt über die Aussenwände.

Die grosszügig lichte Raumhöhe und gut dimensionierten Träger ermöglichen eine intelligente Verteilung der technischen Installationen.

Fassade- Materialkonzept

Eine Kupferfassade aus vertikalen, gekantetem Lochblech umhüllt da neue Feuerwehrgebäude wie ein semitransparenter Schleier. Unterbrochen wird die je nach Licht und Wetter unterschiedlich schimmernde Hülle durch Fensterbänder und präzis gesetzte Öffnungen- Erstere sorgen für einen gleichmässigen und blendfreien Tageslichteinfall, während letztere Ausblicke in die Landschaft gewähren. Die Metalltorfassade besteht aus einzelnen, gegen aussen öffnenden Falttoren. Diese können je nach Bedarf geöffnet werden. Sie sind deshalb bezüglich Öffnungsgeschwindigkeit und Gebäudeklima sinnvoller als Tore, die mehrere Stellplätze zusammenfassen.

Die Betonträger in der Fahrzeughalle rhythmisieren den Raum Die Falttore auf der Ostseite und die Fenster auf der Westseite unterstützen dabei diesen Eindruck.

Wirtschaftlichkeit

Da Projekt ist durch sein kompaktes Bauvolumen flächeneffizient. Die innere Organisation des Gebäudes bietet dank der Direkterschliessung über die Halle eine hohe Flächeneffizient an.

Die Auswahl robuster und rezyklierbarer Materialien, wie z.B. Beton, Lochblech, sowie die einfache Rückbaubarkeit der Leichtbauweise garantieren Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Flexibilität. Die Tageslichtverhältnisse sind optimal und ermöglichen den reduzierten Einsatz von Kunstlicht.

Gebäudetechnik

Das Haustechnikkonzept ist ausgelegt, um eine möglichst einfache und effiziente Abwicklung zu garantieren. Die Dachflächen werden mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet, so dass ein wesentlicher Teil des Eigenverbrauchs gedeckt werden kann. Für die Überwachung, Regulierung und Steuerung der Anlagen (HLKS) wird ein Gebäudeautomationssystem eingesetzt. Die HLK-Konzepte beruhen auf der sanften Klimatechnik, d.h. die Lüftungsanlagen dienen in erster Linie der Hygiene, während der Leistungs- und Energietransport wo immer möglich mit Wassersystemen erfolgt. Die Gebäudetechnikzentrale wurde so angeordnet, dass eine direkte Erschliessung der Verbraucher möglich ist. Die Wärmeerzeugung erfolgt mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, für das Brauchwasser wird eine separate Luft-Wasser-Wärmepumpe vorgeschlagen. Die Wärme- und Kälteabgabe erfolgt über eine Bauteilaktivierung. Zusätzlich werden in den Büros und Mehrzweckräumen aktivierbare Deckensysteme eingesetzt, welche ein rasches Reagieren auf Temperaturveränderungen im Raum mit der Überlegung der Speichermassen erlauben.

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