Projektnummer 01
THE BASE (3. Rang)

Verfasser: ArchitekturAtelier, FL-9490 Vaduz
Projektmitarbeiter: Martin Ott, Claudia Salzgeber, Alexander Gstöhl

Subunternehmer Landschaftsplaner: Pirmin Jung Schweiz AG (Bauingenieur), CH-7320 Sargans

AUSGANGSLAGE UND STÄDTEBAU

Nebst den Aufgaben als Gemeindefeuerwehr nimmt die freiwillige Feuerwehr Vaduz die zusätzlichen Aufgaben als Stützpunktfeuerwehr des Fürstentums Liechtenstein wahr. Das bestehende Gebäude ist in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen einer modernen Einsatzzentrale. Der geplante Neubau auf der Parzelle 1708, nur unweit von dem bestehenden Standort entfernt bietet durch das ebene und grosszügige Grundstück besten Voraussetzungen für ein neues Feuerwehr- und Samariterdepot. Eine optimale Erschliessung und Erreichbarkeit, auch während der Hauptverkehrszeiten, sowie genügend Freiflächen für die hohe Anzahl an geforderten Parkplätzen und die Nähe zum bestehenden Wasser- und Abwasserwerk sind gute Gründe, warum man sich für diesen Standort entschieden hat. Die Körnung der umliegenden Gebäude, wie der nord-östlich gelegenen Tennishalle Vaduz, dem nördlichen Wasser- und Abwasserwerk, sowie der restlichen Industrie- und Bürobauten entlang der Schaanerstrasse ist grob und wird nur vereinzelt von kleineren Gebäudevolumen durchmischt.

Straßenbegleitende höhere Punktbauten wie das Telekom Gebäude sowie lange Industriehallen vergangener Zeiten (Technopark) bestimmen das Erscheinungsbild.

KONZEPT

Der Entwurf wird neben den Raumprogrammen der zwei Bauherrschaften, der Feuerwehr und den Samaritern, vor allem von den unterschiedlichen Funktionsbereichen bestimmt. Eine kompakte Bauweise und die gezielte Zusammenfassung und Anordnung von beheizten, niedrig temperierten, sowie unbeheizten Temperaturzonen im Gebäude waren wichtige Faktoren für das Konzept. Gleichzeitig wurde auf eine betriebliche und funktionale Zuordnung der Räume geachtet.

Vier Teilbereiche, in ihrem Ausstattungsgrad und Raumhöhe unterschiedlich, werden so platziert, dass der Wunsch nach Eigenständigkeit der Feuerwehr und der Samariter gewährleistet bleibt und wo es funktional, ökologisch und wirtschaftlich Sinn ist zusammengeführt um Synergien bestmöglich nutzen zu können. Ziel war es stets die klaren Strukturen vom neuen Depot für den Ernstfall hin zu optimieren.

Die Funktionsbereiche sind wie folgt verteilt: Im ERDGESCHOSS befinden sich die überhohe Einstellhalle, der Garderobentrakt mit allen Umkleideräumlichkeiten und den Nasszellen beider Parteien, der Reinigungs- und Wartungsflügel der Feuerwehr mit direkt angrenzender und durchfahrbarer Waschbox und sämtlichen Lagerräumlichkeiten in unmittelbarer Nähe bei den Fahrzeugen.

Im OBERGESCHOSS sind neben der Einsatzzentrale, dem Führungs- und Pikettraum, auch alle Schulungs- und Aufenthaltsbereiche, die Küche, die Jugendfeuerwehr und der Pikettdienst untergebracht.

ERDGESCHOSS

Der Hauptzugang erfolgt vom süd-westlichen gelegenen Parkplatz über einen zentralen Haupteingang mit gedecktem Vorplatz. Sämtliche Garderoben sind direkt daran angeschlossen und führen fliessend und direkt per Einbahnregel in die Einstellhalle. Die Umkleiden der Feuerwehr und der Samariter sind ihrer Nutzung entsprecht zwar nebeneinander positioniert aber es wurde zugleich auf eine klare Zuordnung und Gliederung geachtet damit sie optimal und getrennt von einander funktionieren. Die grosse und stützenfrei geplante Einstellhalle ist nördlich situiert. Die gleichwertigen Stellplätze der Einsatzfahrzeuge befinden sich vorderster Stelle. Die Anhänger sind an der westlichen Hallenseite platziert und können auf kurzen Wegen durch eigene Garagentore aus dem Gebäude oder auch direkt zu den Einsatzfahrzeugen geschoben werden. Das zentral in der Halle gelegene Modul- und Palettenlager ermöglicht eine einfache und schnelle Be- und Entladung der Fahrzeuge.

Direkt darüber sind auf einer Zwischendecke das Allgemeine Lager und das Vereinslager untergebracht, welche mittels dem Warenaufzug bedient werden können. Sämtliche Reinigungs-, Wartungs- und Lagerräumlichkeiten, nach dem Schwarz Weiss Prinzip komplementieren das Erdgeschoss und sind östlich zur Einfahrt hin zugeordnet. Nach jedem Einsatz können die Fahrzeuge und die Ausrüstung in der Waschbox und den angrenzenden Räumlichkeiten für Atemschutz, Persönliche Schutzausrüstung und Schlauchpflege gereinigt, instandgesetzt, gelagert oder gleich wieder in den Fahrzeugen aufgefüllt werden. Wichtig war uns hier eine Durchfahrtsmöglichkeit bei der Waschbox und einem gedeckten Vorplatz zu achten, damit sämtliche Fahrzeuge schnell gereinigt und versorgt werden können. Die richtige und effiziente Platzierung der Lagerräume, der Werkstatt und dem Materialwart mit kurzen und möglichst breiten Wegen zur Einstellhalle ist ebenso ein wichtiger Bestandteil dieses Wettbewerbsbeitrags.

Durch die Beziehung vom Reinigungs- und Wartungstrakt zu den Umkleiden ist ein Kleidertausch nach dem Einsatz schnell und einfach möglich. Über den breiten Haupterschliessungsgang zwischen Einstellhalle und dem gedeckten Vorplatz können alle Räumlichkeiten der Feuerwehr erreicht werden. Neben dem südlichen Haupteingang gibt es noch einen östlich gelegenen Nebeneingang für die Feuerwehr und für Anlieferungszwecke gewisser Lieferanten. Direkt anschliessend ist das zweite fluchtwegrelevante Treppenhaus, welches aber auch als interne Verbindung zu der Einsatzzentrale und dem Aufenthaltsbereich der Feuerwehr genutzt werden kann. Somit kann die Feuerwehr ungestört ihrem Dienst nachgehen, wenn parallel dazu die Schulungsräumlichkeiten genutzt werden. Die Einstellhalle und Garderoben der Samariter sind ebenfalls über den Haupteingang oder über einen Nebenzugang erreichbar und verfügen über eine interne einläufige Treppen ins Obergeschoss zu ihrem Aufenthaltsbereich.

OBERGESCHOSS

Im Obergeschoss sind neben der Einsatzzentrale, dem Führungs- und Pikettraum, auch alle Schulungs- und Aufenthaltsbereiche, die Küche, die Jugendfeuerwehr und der Pikettdienst untergebracht. Die Erschliessung erfolgt ebenfalls über das Haupttreppenhaus. Ein zentraler Lichthof im Inneren des breiten Gebäudes belichtet alle umliegenden Räumlichkeiten und das zentrale gemeinschaftlich genutztes Foyer und gliedert das Obergeschoss in einen Schulungstrakt und Einsatzzentrale mit Aufenthaltsbereich der Feuerwehr. Zudem fungiert er als wichtiger Erholungsraum nach einem Einsatz oder als aussenliegender Pausenraum für alle Nutzer. Er ist mit einzelnen Pflanzentrögen und Sitzmöglichkeiten bestückt und ermöglicht auch die Belichtung der Wartungsräume im Erdgeschoss. Die süd-westlich situierten Schulungs- bzw. Sitzungsräume können mittels mobiler Trennwände in unterschiedliche Raumgrößen aufgeteilt werden. Die Einsatzzentrale, der Führungsraum und das Kommandobüro sind ihrer Zuordnung entsprechend mit freiem Blick in die Einstellhalle und dem Vorplatz situiert. Die direkte Anbindung der Küche mit Ausgabetheke zum Foyer und dem Aufenthaltsraum im Rücken ermöglicht eine gemeinschaftliche Nutzung und schafft Synergien. Sämtliche Räumlichkeiten der Samariter wurden weitestgehend über ihren Räumlichkeiten im Erdgeschoss platziert und mit einer internen Treppen verbunden.

Alle Nutzungsbereiche können autonom betrieben werden und sind nur über den gemeinschaftlich genutzten Schulungstrakt und das zentrale Treppenhaus miteinander verbunden. Wichtig war uns stets, dass die Räumlichkeiten der Samariter trotz ihrem geringeren Ausmass zum Raumprogramm der Feuerwehr gleichwertig gestaltet sind. Südlich vom Foyer um ein halbes Geschoss angehoben sind der Pikett- und Jungfeuerwehrraum sowie der Hauswart positioniert. Die Erschliessung im Obergeschoss sind differenziert gestaltet und weiten sich fliessend zu Vorzonen und Wartebereichen auf.

SCHLAUCHTURM

Der Schlauchturm befindet sind ostseitig des Gebäudes in direkter Anbindung an die Waschbox und dem Vorplatz und beeinflusst auf Grund der Lage und der Höhe massgebend das Erscheinungsbild vom neuen Feuerwehrdepot mit. Er dient nicht nur der Trocknung der Ausrüstung, sondern bildet gemeinsam mit dem Vorplatz eine wichtige Einheit für Übungszwecke. Nachdem die Wärmeerzeugung gemäss Wettbewerbsprogramm mittels Luftwärmepumpe erfolgen soll, haben wir ein Teil der Technik diesem Turm angegliedert, was betreffend der Zu- und Ablauftkanälen und Platzierung der Monoblockanlagen Vorteile bringt.

UMGEBUNG UND VERKEHRSKONZEPT

Durch die kompakte Bauweise ist es möglich die bestehende Einzäunung des Wasser- und Abwasserwerks erhalten zu können. Sollte eine gemeinsame Einfassung bevorzugt werden, ist dies natürlich machbar und leicht realisierbar. Eine separate Ein- und Ausfahrt sowie der um das Gebäude geführte Einbahnverkehr sorgt für eine sichere Verkehrsabwicklung. Durch die gezielte Trennung von den Bereichen der Einsatzfahrzeugen und den Parkplätzen vor und hinter dem Gebäude ist ein Ausrücken der Feuerwehr im Einsatz unbehindert möglich. Die geforderten 70 Parkplätzen sind grösstenteils auf der südlich gelegenen Parzelle 1715 und zu dem entlang vom Binnenkanal platziert. Dadurch kann der Vorplatz entlang der Schaanerstrasse grundsätzlich ohne Einzäunung auskommen was wir als sehr erachtenswert im Sinne des Strassenbildes empfinden. Die angedachten Schrankanlagen sollen ein unerlaubtes Parken auf den 70 Parkplätzen verhindern und unbefugte Zufahrten zum Betriebsareal verhindern. Die Zugänglichkeit zum Hauptsammelkanal der Schmutzwasserentwässerung bleibt durch die umlaufenden Verkehrsflächen und dem notwendigen gesetzlichen Gewässerabstand von 5.00m zum oberen Böschungsrand komplett erhalten.

MATERIALISIERUNG

Bei der Materialisierung wurde auf nachhaltige und ökologische Baumaterialien mit einem tiefen Anteil an grauer Energie geachtet. Holz als nachwachsender Rohstoff wird nicht nur dekorativ oder als Verkleidung verwendet, sondern auch als konstruktives Baumaterial (siehe statisches Konzept Hybridbau). Auf eine Verkleidung wird weitestgehend verzichtet und die Konstruktion des Hybridbaus (Balkenlage oder Kassettendecke) in den Schulungs- und Aufenthaltsräumen sichtbar gelassen. Das neue Feuerwehrdepot soll vor allem auch durch seine Zweckmässigkeit bestechen. Im Erdgeschoss sind weitgehend fugenlose Bodenbeläge vorgesehen, welche robust und leicht zu reinigen sind. Sämtliche Nasszellen sind als Plattenbelag angedacht und in der Einstellhalle wird ein Epoxidharz-Beschichtung als zweckmässig erachtet. In den Schulungs-, Aufenthalts- und Büroräumen im Obergeschoss sorgt ein robuster Industrieparkett mit der offenen Balkendecke in Holz für ein angenehmes warmes Raumempfinden. Im Treppenhaus und im Foyer rundet ein einfach geschliffener Unterlagsboden das natürliche Erscheinungsbild ab. Die statisch konstruktiv erforderlichen Wandscheiben in Stahlbeton bleibt unbehandelt und sichtbar. Das äussere Erscheinungsbild ist eine Kombination aus Beton und schwarz gestrichenem Holzschirm. Grosse lichtdurchlässige Garagentore und ein Lichtkuppeln sorgen für eine ausreichend natürliche Belichtung der Einstellhalle. Die Gestaltung des Innenhofs steht im starken Kontrast zu den umlaufenden Räumlichkeiten und soll den Benutzern des Gebäude den entsprechenden Frei- und Pausenraum bieten. Eine abwechslungsreiche Bepflanzung soll über das Jahr hinweg immer wieder für Akzente sorgen. Hochstämmige Laubbäume im Aussenbereich zwischen den Parkplatzfeldern sollen den Parkplatz auflockern und als Schattenspender an heissen Sommertagen dienen.

ENERGIE- UND HAUSTECHNIK

Die kompakte Bauweise und die gezielte Zusammenfassung und Anordnung von beheizten, niedrig temperierten, sowie unbeheizten Temperaturzonen im Gebäude tragen wesentlich zur Energieeffizienz bei. Die Einstellhallen der Feuerwehr und der Samariter sind zusammengefasst und angrenzend platziert, was die thermischen Klimazonen entsprechend zu einer klaren Gliederung ermöglicht. Die Garderoben mit Nasszellen und Technikräume wurden auch nebeneinander positioniert und kurze Leitungswege und ein effizientes Haustechnikkonzept zu erreichen. Als Energieträger für die Wärmenutzung und Warmwasseraufbereitung ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe vorgesehen. Eine Photovoltaik Anlage auf dem Dach für gebäudeinterne elektrische Verbraucher rundet das Haustechnikkonzept ab. Auf eine gute Zugänglichkeit der Technikräume und Steigzone wurde geachtet damit spätere Adaptionen und Aufstockung leicht möglich sind.

STATISCHES KONZEPT

Um dem Wunsch nach einem ökologischen, nachhaltigem und zeitgemässen Gebäude Rechnung zu tragen haben wir uns bei der statischen Konstruktion des neuen Feuerwehrdepot für einen Hybridbau entschieden. Durch das gezielte Setzen von Lift- und Treppenkernen die über sämtliche Geschosse laufen, ist die gesetzlich vorgeschriebene Bauwerksklasse III gut zu erreichen (siehe schematische Darstellungen). Die massiven Stahlbeton Kerne sowie die vorfabrizierten Holzbalkendecke bleiben in ihrer Materialisierung sichtbar und sorgen für ein angenehmes Raumgefühl. Beleuchtung, akustische Massnahmen oder Lüftungsleitung können einfach direkt zwischen der offenen Balkenlage integriert werden. Die Einstellhalle mit einer Breite von 29m und dem auskragenden Dach Richtung wird in der Mitte von einer Galerie für Lagerzwecke (Allgemeines und Vereinslager) unterbrochen, welche als statischer Tisch ausgebildet wird. Dadurch bewegen sich die maximalen Spannweiten der Vollholzträger bei ungefähr 14m. Auch die der Schulungs- und Aufenthaltsräume mit 7-9m ist ideal für eine vorfabrizierte Holzbalkendecke mit sichtbaren Balkenlage.

Eine mögliche Aufstockung über die ganze überbaute Gebäudefläche ist auf Grund der sauberen und einfachen vertikalen Lastableitung grundsätzlich möglich, jedoch sind wir der Meinung das es eine sinnvolle Option wäre diese auf die grau dargestellte Fläche über den Schulungsbereichen und Büroräumlichkeiten mit einer Fläche von 1360m2 zu belassen. Durch die zwei durchlaufenden Treppenhäuser und Aufzugsschächte wäre hiermit auch der Brandschutz gelöst. Der Baugrund besteht aus tragfähigem Rheinschotter. Auf Grund der zu erwartenden Lasten ist eine Flachfundation angedacht.

SCHLUSSWORT

Das hier präsentierte Projekt „The Base“ soll den notwendigen baulichen Rahmen schaffen, in dem wir uns in Zukunft bewegen werden und der Feuerwehr Vaduz und den Samariter eine Plattform bieten, um den bevorstehenden Anforderungen gerecht werden zu können. Das hier dargestellte Projekt stellt einen funktionalen, ökologischen, nachhaltigen und kostengünstigen Lösungsvorschlag für die Energiestadt Vaduz dar.

01