Projektnummer 09
tatütata

Verfasser: Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH, AT-6900 Bregenz
Projektmitarbeiter: Kemal Cansiz, Andreas Cukrowicz, Anton Nachbaur-Sturm

Bauingenieur: Conzett Bronzini Partner AG, CH-7000 Chur

Leitidee.

Inmitten des Spannungsfeldes von linearen und parallel geschichteten Umgebungsstrukturen aus Strasse und Binnenkanal undden heterogen geformten Gewerbebauten entwickelt sich unser Projekt als ruhige  und identitätsstiftende Struktur. Prägnant und selbstbewusst, stark und eigenständig, zurückhaltend und selbstverständlich integriert sich das neue Feuerwehrdepot in seine Umgebung. Rhythmus, Körnung und Massstäblichkeit der bestehenden Gewerbebauten entlang der Schaanerstrasse werden übernommen und in eine Baufigur übergeleitet, welche zeichenhaft ihren Abschluss im Element des Schlauchturmes findet. Die neue Einsatzzentrale ergänzt die Bestandssituation als ordnendes Passstück, sie hat eine angemessene Strahlkraft und bildet einen neuen unverwechselbaren Ort. Die Positionierung des neuen Volumens erfolgt nach dem Prinzip der parallelen Schichtung in der Abfolge von Strasse, Vorplatz, Einstellhalle, Parkplatz und Binnenkanal, seine Organisation erfolgt deckungsgleich nach dem Prinzip der Ablaufoptimierung im Einsatzfall. Die Figur aus Einstellhalle und zwei flankierenden Nebentrakten umschliesst U-förmig eine halboffene Hofsituation, bildet mit der räumlichen Definition des Vorplatzes auch die eindeutige Abgrenzung des Feuerwehrbereiches. Die Grundstruktur des Neubaus ist als grosszügige Form gedacht, als einfaches und klares Gerüst, als offene Struktur, welche mit einem regelmässigen Konstruktionsrhythmus eine hohe Flexibilität ermöglicht und zukunftstauglich macht.

Organisation.

Die gesamte Organisation des Hauses dient der Optimierung der betrieblichen Abläufe im Einsatzfall. Dieses Konzept wird unterstützt durch die klare und übersichtliche Anordnung sämtlicher auptfunktionen auf einer einzigen Ebene. Der Alarmzugang erfolgt direkt über den rückseitigen Parkplatz in die Mannschaftsbereiche mit Garderoben und Sanitärzonen. Im Übergang zur Einstellhalle befinden sich die Einsatzzentrale mit Sichtbezug auf Vorplatz, Strasse und Halle sowie die Vertikalerschliessung zu den Schulungsund Aufenthaltsbereichen im Obergeschoss und den Lager- und Nebenraumbereichen im Untergeschoss. Die Garagenplätze mit zugeordneten Nebenflächen (Anhänger, Werkstätten) sind als grosser durchgehender Hallenraum konzipiert. Maximale Flexibilität und Bewegungsfreiheit garantieren optimale betriebliche Bedingungen auch in der Zukunft. Der Waschplatz mit Durchfahrtsmöglichkeit bildet den Übergang zur Schlauchpflege, eine überdachte Manipulationszone fungiert als perfekter Verteilerbereich. Die Ausfahrt der Einsatzfahrzeuge erfolgt zentral über den Vorplatz, die Verkehrsführung der Personenwagen erfolgt konfliktfrei ausserhalb der Gebäudefigur und kann wahlweise im Gegenverkehr oder im Einbahnverkehr organisiert werden. Das Samariterdepot wird als autarke Einheit im Kopfbereich des südöstlichen Nebentraktes organisiert. Das Konzept ermöglicht eine problemlose Aufstockung der Einstellhalle.

Konstruktion.

Das Tragwerk besteht aus Beton, Stützen und Träger können gut vorfabriziert werden, die weitgespannten Dachträger erhalten eine Spannbettvorspannung. Die betonierte Aussenschale wird innen gedämmt, die inneren tragenden Teile werden vor den Fassaden auf Stützen gestellt, vorfabrizierte Betonelemente bilden bündig zwischen den Stützen die innere Raumschale. Die Konstruktion ist wirtschaftlich und robust. Die Erdbebensicherheit kann mit dem klassischen 3-Scheiben-Prinzip gewährleistet werden, indem dreiFassaden grosse geschlossene Flächen aufweisen. Sie werden durch die steife Dachscheibe untereinander verbunden. Die Steifigkeitder Dachscheibe ist durch den flächigen  Überbeton gewährleistet. Die Verbindung der Dachscheibe mit den aussteifenden Fassaden wird mit Verzahnungen ohne Wärmebrücken ausgebildet. Die Stützen des Dachs können ohne wesentlichen Mehraufwand auf die Lasten einer künftigen Aufstockung dimensioniert werden. Hingegen macht es wenig Sinn, die Dachträger auf noch nicht genau bekannte künftige Wandlasten zu bemessen. Stattdessen wird das Dach für die Einwirkungen der ersten Nutzungsphase konstruiert (extensive Begrünung, Schnee, PV-Anlage). Damit kann es auch bei einer Aufstockung die Lasten eines Gewerbebetriebs aufnehmen, ohne dass dazu Umbauten notwendig wären. Die weiteren Geschosse der Aufstockung müssen dann entweder gleich weit gespannt wie das heutige Dach konstruiert werden (übereinanderliegende Hallen) oder die Ausbildung erfolgt selbsttragend mit einem System von Wandscheiben zwischen den bestehenden Stützen, was bei einem mehrgeschossigen Gebäude gut möglich ist.

Material und Erschliessung.

Der Neubau des Feuerwehrdepots wird in massiver Bauweise erstellt. Sein Erscheinungsbild ist zurückhaltend und selbstverständlich,durch die Einfärbung der Betonteile entsteht trotz der technischen  Umgebung eine poetische und atmosphärische Stimmung mit einzigartiger und identitätsstiftender Wirkung. Die Aufenthalts- und Schulungsbereiche werden in Holz ausgestattet, die Werkstättenund Garagenbereiche in einer robusten und dauerhaften Kombination aus Recyclingbeton und Stahl in homogener Farbgebung. Eine Schicht aus perforiertem Trapezblech im Bereich von sekundären Fassadenöffnungen (z.B. bei den Schulungsräumen, Aufenthaltsbereichen, Werkstätten) bildet bei hervorragender Durchsicht einen festen Sonnenschutz mit ruhigem homogenem Erscheinungsbild und steht im spannungsvollen Wechsel zur harten Gebäudeschale.

Nachhaltigkeit und Gebäudetechnik.

Wesentlicher Faktor für die Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Betrieb ist die kompakte Form des Baukörpers. Das Konzept beinhaltet die kompakte Zusammenfassung aller konditionierten Räume im südöstlichen Nebentrakt mit klarer Schnittstelle zu den Garagenund Werkstattbereichen mit reduzierteren Anforderungen. Eine hochwertige Dämmung aller Bauteile sowie eine Minimierung der thermischen Gebäudehülle garantieren niedrige Betriebskosten. Der Einsatz von ökologischen und robusten Materialien garantiert eine langfristige Werthaltigkeit, eine Langlebigkeit und schafft einen positiven Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Eine ressourcenschonende Bauweise ermöglicht das Schliessen der Stoffkreisläufe. Ein ständiges Hinterfragen und eine kritische Sicht aufscheinbar Bewährtes entwickelt neue Wege und neue Möglichkeiten. Die kompakte Bauform mit nachhaltigen, sehr gut gedämmten Bauelementen (Nebentrakt) ermöglicht einen tiefen Primärenergiehaushalt für Strom, Wärme und auch geringe CO2-Emissionen in Erstellung und Betrieb. Eine natürliche Lüftung kann in einer Low-Tech Lösung mit guter Zugänglichkeit und variablem Ansatz vommanuellen bis zum automatisierten Betrieb gewährleistet werden. Ausgeglichene und angemessene Raumklimata ohne mechanische Kühlung benötigen ausreichend speicherwirksame Masse. Mechanische Lüftungen mit hochwertigen Wärmerückgewinnungen werden nur in Schulungsräumen, in den Garderoben mit Duschen sowie in den Sanitärbereichen eingesetzt. Das Konzept erfüllt die Nachhaltigkeitsanforderungen in allen Bereichen, durch das durchgehende statische System ist eine hohe Wirtschaftlichkeit gewährleistet. Sämtliche Materialien können nach Ablauf der Lebensdauer getrennt und wieder in die Prozesse integriert werden.

Wirtschaftlichkeit.

Erstellungskosten. Wesentlicher Faktor für die Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Betrieb ist die kompakte Form des Baukörpers. Die klare und einfache Geometrie entwickelt neben einfachsten Tragwerken wirtschaftlich optimierte Konstruktions- und Fundierungslösungen. Betriebskosten. Bei allen Bauvorhaben mindestens ebenso gewichtig wie die Erstellungskosten zu bewerten sind die Kosten für den laufenden Betrieb. Die wesentlichen Faktoren für ein effizientes und wirtschaftliches Energie- und Haustechnikkonzept werden durch eine klare Gebäudelogistik sowie eine intelligente Materialisierung der einzelnen Bauteile gebildet. Durch das vorgeschlagene Konzept können sowohl die technische Gebäudeausrüstung und in der Folge auch die Betriebskosten absolut minimiert werden.

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