Projektnummer 27
TATÜ TATA 2

Verfasser: Kaundbe Architekten AG, FL-9494 Schaan
Projektmitarbeiter: Thomas Keller, Mirko Schneeweiss, Bettina Schabus, Arlinda Osmani

Architektur

Das neue Feuerwehrdepot Vaduz besteht aus einem klaren rechteckigen Volumen, welches durch die präzise Lineatur elegant gegliedert wird. Das zweigeschossige Gebäude ist von der Schaanerstrasse zurückversetzt, um für den Einsatzbetrieb genügend Platz zu schaffen.

Trotz der benötigten Gebäudegrösse nimmt sich der Neubau durch den Abstand zur Strasse zurück und fügt sich durch die Zweigeschossigkeit dezent in die Umgebung ein.

Der markante Schlauchturm ist das gut sichtbare Erkennungsmerkmal des Feuerwehrdepots, welcher sich durch die Position an der Hinterseite des Gebäudes jedoch nicht unnötig aufdrängt. Auf allen Gebäudeseiten verfügt das Feuerwehrdepot über wettergeschützte, gedeckte Zugänge.

Der Sockel sowie die Tragstruktur des Gebäudes besteht aus Beton, welches über die nötige Robustheit verfügt.

Die Fassade wird mittels durchgehender Lisenen aus vorvergrautem einheimischen Fichtenholz gegliedert, welche die lineare Struktur aufgreifen und weiterführen. Als Kontrast zum Sockel sorgen die feinen Linien, mit denen das Gebäude eingehüllt wird für eine angenehme Leichtigkeit.

Das Flachdach bietet die Möglichkeit einen späteren Aufstockung, bei der das Treppenhaus mit Personenlift sowie der Schlauchturm mit Warenlift und zusätzlichem Treppenhaus problemlos nach oben erweitert werden kann. Dadurch, dass beim Feuerwehrdepot auf ein Untergeschoss verzichtet wird, kann für günstige Baukosten und eine rasche Bauzeit gesorgt werden. Zudem können Eingriffe in den Grundwasserfluss vermieden werden.

Nutzungsverteilung und Betriebskonzept

Das grosszügige, zentrale Treppenhaus mit Haupteingang im Nord-Osten des Gebäudes fungiert gleichsam als Schaltfläche. Von hier aus werden sämtliche Nutzungsbereiche unabhängig voneinander erschlossen und können ebenso voneinander abgetrennt werden. Die klare Ausrichtung sorgt für reibungslose Abläufe und kurze Verbindungswege. Jeder Bereich kann unabhängig voneinander erreicht und die Zugänglichkeit einfach gesteuert werden- So werden beispielsweise externe Nutzer direkt ins obere Geschoss geleitet, während bei einem Eisnatz die internen Bereiche wie Einsatzzentrale, Garderoben und Einstellhalle im Erdgeschoss auf kürzestem Wege erreicht werden können.

Das Herzstück des Gebäudes bildet die Einstellhalle, die direkt an den grossen Vorplatz an der Schaanerstrasse anschliesst und eine einfache Ausfahrt auf die Strasse ermöglicht. Um die Halle sind auf zwei Geschossen alle weiteren Räumlichkeiten angeordnet, was direkte Zugänge, reibungslose Abläufe und Blickverbindungen gewährleistet.

Mit einer Raumhöhe von 6.50 m verbindet die Einstellhalle die beiden Geschosse miteinander und bringt eine luftige Grosszügigkeit in das Gebäude. Direkt an die Fahrzeughalle ist die Werkstatt angegliedert, darüber befinden sich Lagerflächen, welche direkt von der Halle und vom Obergeschoss aus erreicht werden können. Alle betriebsnotwendigen Räume, die im Fall eines Einsatzes benötigt werden, sind im Erdgeschoss situiert.

Die Einsatzzentrale erhält unmittelbar beim Eingang einen prominenten und strategisch wichtigen Standort. Sowohl der Vorplatz als auch die Einstellhalle können von der Einsatzzentrale mühelos überblickt werden.

Im hinteren Gebäudeteil finden Garderoben, Lager, Wasch- und Trockenräume ihren Platz und sind direkt mit der Fahrzeughalle verbunden. Die Positionierung ermöglicht eine Anlieferung von der Hinterseite des Gebäudes und die optimale Anordnung der notwendigen Schmutz- und Reinbereiche.

Im süd-westlichen Gebäudeteil erhalten die Samariter auf zwei Geschossen die benötigten Flächen. Die unabhängige Nutzung dieses Bereichs ist duch einen separaten Zugang von aussen und eine interne Treppe gewährleistet. Während ebenerdig die Fahrzeuge und Garderoben untergebracht sind, befindet sich im Obergeschoss der Aufenthaltsraum mit Blick in die Fahrzeughalle. Die Schulungsräume von Feuerwehr und Samariter im Obergeschoss werden direkt über das zentrale Haupttreppenhaus erschlossen. Während vom Erschliessungsgang die gesamte Einstellhalle überblickt werden kann, sind die Schulungsräume auf die freie Natur ausgerichtet und bieten einen freien Blick auf den Binnenkanal.

Die Orientierung nach Süd-Westen sorgt für eine optimale Belichtung .Durch die öffenbare Trennwand bieten die beiden Schulungsräume auch Platz für eine grössere Anzahl an Personen. Der Aufenthaltsbereich der Feuerwehr ist an der Gebäudeecke situiert und besticht durch den Überblick auf Vorplatz und Fahrzeughalle.

Tragwerk

Die Tragstruktur des Feuerwehrdepots besteht aus Stahlbeton. Vorfabrizierte Stützen, Unterzüge und Deckenelemente, welche überbetoniert werden und die Deckenschalung ersetzen, verkürzen die Bauzeit und benötigen weniger Arbeitsschritte in grosser Höhe. Das gesamte Tragwerk sowie die aussteifenden Kerne von Treppenhaus und Schlauchturm sind in ihrer Dimensionierung bereits für eine spätere Aufstockung ausgelegt. Ebenso werden die Anforderungen an Brandschutz und eine erdbebensichere Ausführung, beispielsweise durch aussteifende Stahlbetonwände und durchlaufende Deckenscheiben erfüllt.

Verkehrskonzept

Rund um das Feuerwehrdepot ist die Zufahrt für verschiedene Zwecke und Nutzer möglich. Der weitläufige Garagenvorplatz bleibt den Feuerwehrfahrzeugen vorbehalten, um jederzeit die Zu- und Wegfahrt zu gewährleisten und ausrückende Einsatzfahrzeuge nicht zu behindern. Das gesamte Areal ist innerhalb des Planungsperimeters umfahrbar.

Neben dem Gebäude, direkt beim Haupteingang befinden sich die internen Parkplätze welche von Feuerwehr, Samaritern und dem Wasserwerk genutzt werden können. Die Parkplätze, mit einer für Schatten und Begrünung sorgenden Baumreihe, gliedern die Fläche und stellen gleichzeitig ein verbindendes Element für Feuerwehrdepot und Wasserwerk dar. Dieser Bereich kann durch Tore geschlossen werden, um jederzeit ausreichend freie Parkflächen für die Einsatzkräfte zur Verfügung zu haben. Die Zufahrt für LKW, Feuerwehr- und Samariterfahrzeuge erfolgt rund um das Wasserwerk bis zu Rückseite des Feuerwehrdepots, wo sich Anlieferung, Waschplatz und Übungsplatz befinden.

Durch das Einbahnsystem sind die gesamten Flächen des Areals verkehrstechnisch jederzeit einwandfrei geregelt und bietet zudem ausreichend Wendeflächen für den alltäglichen Betrieb. Der an der Fassade positionierte Schlauchturm und der grosse Vorplatz vor der Waschbox ermöglichen durch die rückseitige Positionierung im hinteren und seitlichen Bereich der Parzelle verschiedenste Möglichkeiten für ungestörte Übungen.

Material, Ökologie

Während Stahlbeton aufgrund seiner robusten und statischen Eigenschaften für Tragwerk und Sockel eingesetzt wird, begründet sich die Wahl des Fassadenmaterials unter anderem durch ökologische Aspekte. Die Verwendung von Holz, einem nachhaltigen und regional verfügbaren Rohstoff verbessert die CO2-Bilanz und benötigt weniger graue Energie.

Als vorfabrizierte Elemente gestaltet sich die Montage schnell und sauber, was die Bauzeit deutlich verringert. Durch das vorvergraute Holz behält die Fassade lange ihr ansprechendes Aussehen, altert gut, ist pflegeleicht und reduziert den Unterhalt auf ein Minimum. Für aussenliegenden Sonnenschutz sind langlebige und robuste Ganzmetallstoren angedacht. Auch die Materialien im Inneren des Feuerwehrdepots spiegeln die Elemente der Fassade wider. Neben strapazierfähigen und beständigen Oberflächen, hauptsächlich im Erdgeschoss, finden sich in den Aufenthalts- und Schulungsräumen auch natürliche und nachhaltige Materialien wie Holz.

Energie- und Gebäudetechnik

Das extensiv begrünte Dach verfügt über eine ausreichend gross dimensionierte Photovoltaikanlage, welche auch die gebäudeinterne Stromversorgung abdeckt.

Über den Schlauchturm gelangt man für Wartung und Revision problemlos zur Anlage. Für die Wärmeerzeugung und Warmwasseraufbereitung ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe vorgesehen, die in Kombination mit dem kompakten Volumen des Gebäudes eine effiziente Beheizung ermöglicht. Ebenso können die hohen Anforderungen an Energieeffizienz, Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllt werden. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt über thermoaktive Bauteilsysteme, durch welche die Gebäudemasse als thermischer Energiespeicher verwendet werden kann. Die niedrigen Betriebstemperaturen sind optimal hinsichtlich der Leistungseffizienz von Wärmepumpen und somit sehr wirtschaftlich. Die Einstellhalle wird im Gegensatz zu allen anderen Räumen mit kurzfristig wirksamen Deckenheizlüftern temperiert. Die kompakte Anordnung der Räume um die Einstellhalle sorgt für eine Reduzierung der Gebäudehülle. So können die winterlichen Wärmeverluste verringert werden. Gleichzeitig fungiert die Einstellhalle als energetische Pufferzone zwischen Aussenraum und beheizten Innenräumen, was sowohl im Winter zur Minimierung des Heizwärmebedarfs als auch im Sommer zum Schutz vor sommerlicher Überhitzung von Vorteil ist.

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