Projektnummer 07
ruckzuck (5. Rang)

Verfasser: Architekt Matthias Bär ZT GmbH, AT-6850 Dornbirn
Projektmitarbeiter: Matthias Bär, Claudia Bär

Subunternehmer: Spektrum Bauphysik & Bauökologie, AT-6850 Dornbirn & merz kley partner GmbH, AT-6850 Dornbirn

Städtebau

ein kohärentes und beruhigendes „Landmark“

Der ortsbauliche Kontext zeigt sich durch den Zonenplan klar gegliedert. In der nördlichen Wohnzonezwischen der Schaanerstrasse und der Landstrasse erstreckt sich ein kleinteiliges Siedlungsband aus Einfamilienhäusern. Die Büro- und Gewerbezone südlich der Schaanerstrasse ist hingegen von grösseren Solitären geprägt. Diese sind jeweils konsequent parallel/orthogonal zur Strassenachse angelegt. Deren Fassaden zeigen sich wie in Gewerbe-zonen üblich eher ohne Kohärenz.

Das neue Feuerwehrdepot fügt sich, in seiner Parallelität zur Schaanerstrasse, homogen in die bestehende Bebauungsstruktur der Gewerbezone ein. Die klare monolithische und ruhige Gestaltung des Baukörpers soll als „Landmark“ die Identität und Lesbarkeit der Gewerbezone verbessern und beruhigen.

Architektur

fein differenzierter Monolith

„Licht und Körper“

Das Gebäude ist als einfacher Monolith in Sichtbeton gestaltet. Die skulpturale Grundform wird über wenige Öffnungen fein differenziert. In Eingangs- oder Einfahrtbereichen entstehen durch Ausnehmungen die gewünschten Vordachbereiche. Diese „Vertiefungen“ betonen die monolithische Wirkung des Gebäudes. Auch der hohe Schlauchturm bildet an der Vorderseite des Gebäudes einen markanten und identitätsstiftenden Teil der Kubatur.

Im Bereich des Haupteingangs an der Südostseite „stülpt“ sich der Monolith in den Innenraum. Die architektonische Grundidee wird über die Materialität und die ebenfalls monolithische Ausformulierung in den atmosphärischen zentralen Innenraum weitergeführt. Die entstehenden Licht- und Schattenverläufe bzw. die diffusen Streiflichtsituationen an den Oberflächen des Baukörpers (im Innen- und Aussenraum) schärfen die gestalterische Idee.

funktionale, synergetische Gestaltung

Das neue Gebäude ist als „Werkstatt“ für Feuerwehr und Samariter vor allem funktional gestaltet. Dennoch wird auch grossen Wert auf eine zeitgemässe räumliche Gestaltung (Übersicht, Kommunikation, Offenheit) „ohne Enge, Sackgassen, lange Korridore“ gelegt. So entwickeln sich alle Funktionen und Bereiche im Innenraum um einen massstäblichen zentralen Raum (Atrium/ Galerie). Alle möglichen funktionalen bzw. räumlichen Synergien werden dadurch nutzbar. Im attraktiven Obergeschoss weitet sich diese zentrale Zone zu einer übersichtlichen Galerie.

Dieser helle Raum dient als zentraler Verteiler im Gebäude. Dennoch sind klare separate (Schliess-) Bereiche für die Feuerwehr und die Samariter ausgebildet, wo durch eine unabhängige Nutzung ermöglicht wird. Der gesamte Bereich der Feuerwehr ist über ein internes Treppenhaus autonom/unabhängig und direkt erschliessbar (Verbindung zur Einsatzzentrale).

Materialisierung

einfache, solide Oberflächen

Die Materialisierung des Gebäudes erfolgt durchwegs in massiven/soliden, rohen und somit unempfindlichen Materialien. Diese „wartungsfreien“ Oberflächen lassen einen kostengünstigen Unterhalt erwarten.

Grundsätzlich soll die Oberflächenqualität einen „Werkstattcharakter“ vermitteln. Diese etwas roheren Oberflächen werden durch eine sorgfältige und feine Planung der Materialfügungen und -übergänge aufgewertet. Die solide Materialisierung erlaubt auch bei intensiver Beanspruchung einen schönen Alterungsprozess. Zudem sind sämtliche Wände als Montagegrund verfügbar.

Die Fassade für das wichtige Not-Infrastrukturgebäude soll unempfindlich und wartungslos in Sichtbeton ausgeführt werden. Auch die innenliegenden Bereiche mit hoher Beanspruchung und Frequentierung verfügen umlaufend über robuste und feuchteunempfindliche Betonoberflächen.

Die Dämmung der Fassaden ist entweder innenliegend oder optional in Isolations- bzw. Dämmbeton möglich. Dies kann ggf. im Planungsverlauf evaluiert (Kosten, Ökologie, Nutzen) werden.

Alle Aufenthalts- und Schulungsräume sind in massivem Holz (Wandtäfer, Dielenböden und Akustiklattendecken) angedacht. Dadurch steigt in diesen Bereichen die Aufenthaltsqualität. Zudem wird eine gute Lernatmosphäre erzeugt.

Die Einstellhalle kann ggf. kostengünstig ohne Bodenplatte und somit unempfindlich gegen Chloride (Salzeintrag im Winter) ausgeführt werden. Denkbar ist ein Bodenbelag in unbewehrtem Beton oder Asphalt.

Organisation

kurze Wege und kompakte Anordnung

Im Lageplan zeigt sich die grosse Ausdehnung des neuen Gebäudes (108×35m, entspricht der Länge eines Fuss-ballfeldes). Aus diesem Grund wurde vor allem auf eine kompakte Organisation (Abwicklung Material AS/PSA/SP, Fahrwege Einsatzfahrzeuge, Laufwege im Einsatzfall) mit kurzen Wegen geachtet.

Materialabwicklung (AS/PSA/SP) in Schleifen

Die Übergabe, Reinigung, Lagerung und Wiederbestückung des Materials (Atemschutz, Schutzausrüstung, Schläuche) erfolgt kompakt in der zentralen Gebäudeschnittstelle zwischen Einstellhalle, Waschbox und Garde-robe. Dadurch werden die Weglängen minimiert und die Arbeit erleichtert. Die Übergabe des Materials erfolgt bei der Einfahrt zur Einstellhalle oder über das in der Waschbox befindliche Fahrzeug. Die Abwicklung des Materials erfolgt in linearen Schleifen. Die Endstation bilden dann die Lagerräume bzw. die Garderoben und die Fahrzeug-halle zur Wiederbestückung.

kurze, übersichtliche Fahrwege/Laufwege

Sämtliche Verkehrswege wurden kreuzungsfrei und möglichst kurz gestaltet. Im Einsatzfall erfolgt die Anfahrt kreuzungsfrei über die separate südliche Einfahrt zum kompakt organisierten südlichen Parkplatz nahe des Haup-teingangs. Der Laufweg erfolgt direkt, über die Garderoben, zu den Fahrzeugen.

Die Einsatzfahrzeuge können dann über den breiten Vorplatz unmittelbar in die Schaanerstrasse einfahren. Die Rückkehr erfolgt per Einbahnregelung über das südliche Tor direkt in die Waschbox oder in die Einstellhalle.

Ökologie

regenerative und recycelte Baustoffe

Bei der Planung des Gebäudes werden eine hohe ökologische und energetische Qualität sowie eine niedrige Er-richtungsenergie angestrebt. Die Wahl mineralischer Grundmaterialien führt zu einem sanften und behaglichen Raumklima mit hohen Speicherkapazitäten für die Luftfeuchtigkeit und Wärmeregulierung. Die technische Ausrüstung wird nach den heutigen Ansprüchen in Hinblick auf Energieverbrauch, Lüftung und Schallschutz ausgelegt. Zur Wärmeerzeugung wird ein regeneratives System (z. Bsp. Erdsonden-Wärmepumpe) vorgeschlagen. Über eine, aufgrund der Nutzungszeiten auch hygienisch sinnvolle Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung werden die Aufenthaltsräume des Gebäudes energetisch nachhaltig ausgestattet. Eine entsprechend dimensionierte Photovoltaikanlage am Dach des Gebäudes ermöglicht eine Direktversorgung der gebäudeinternen elektrischen Verbraucher.

Für die Ortbetonbauteile wird gemäss den aktuellen Entwicklungen („Beton Konkret“ Zürich, „neue KGA Richtlinien“ Vorarlberg) der Einsatz von Beton aus Recycling-Granulat angestrebt. Das Tragwerk wird hierzu in Primär-bauteile mit höchster Festigkeitsanforderung und Sekundarbauteile mit geringerer Festigkeit gegliedert. Auch im Zementbereich werden durch den Einsatz des Zementtyps CEM III/B Treibhausgase reduziert.

Die einfache Bauweise des Bodens der Einstellhalle (siehe Beschreibung Material bzw. Konstruktion) ohne Abdichtung ist ressourcenschonend bzw. nachhaltig.

kompakte und geordnete Hülle

Wesentlich für ein energieeffizientes aber auch kostengünstiges Gebäude dieser Art ist der einfache Verlauf der thermischen Hülle. Das Gebäude ist in zwei klar getrennte Bereiche gegliedert:

(1) Den Bereich der Einstellhalle im Norden (frostfreie 5° Zone).

(2) Den Aufenthaltsbereich (Schulung, Aufenthalt, Werkstätten, Nebenräume) im Süden (vollkonditionierte 20°Zone).

Die Vollkonditionierte Zone verfügt aufgrund ihrer nahezu quadratischen Grundform (34.7 × 36m) über ein ideales A/V Verhältnis.

Konstruktion

robuste, effiziente Bauweise

Auch die Konzeption des Tragwerks unterscheidet in die zwei genannten Bereiche (Bereich der Einstellhalle sowie den Aufenthaltsbereich).

Der Aufenthaltsbereich wird flach gegründet und bildet den statischen Anker des Gebäudes. Das Erd- und Ober-geschoss dieses Bereichs sind ebenfalls in Ortbetonweise konstruiert. Strukturell handelt es sich um Flachdecken, die durch Stützen und Scheiben getragen und ausgesteift werden. Aufgrund der vorhandenen Innenwände kann die Lastabtragung der Sichtbetonfassade eigenständig/ entkoppelt erfolgen. Dadurch kann der Einsatz von Isolieranschlüssen minimiert sowie die gewählte Bauweise (Beton mit Innendämmmung) optimiert werden.

Im Bereich der Einstellhalle der Feuerwehr erfolgt die Lastabtragung über Stützen und Einzelfundamente, d.h. ohne einer Bodenplatte aus Beton. Dadurch kann der Belag in konventionellem Strassenaufbau (ohne Abdichtung/ Chloridschutz) in Asphalt oder unbewehrtem Beton ausgeführt werden. Das ist in der Herstellung wirtschaftlich (keine teuren Beschichtungen zum Schutz des Betons) und günstig im Unterhalt. Das effiziente Dachtragwerk der Einstellhalle mit Stützenspannweiten von bis zu 13 m wird primär durch vorfabrizierte Halbfertigteilträger gebildet. Die Träger mit einer Höhe von ca. 150cm werden im Achsabstand von 450cm verlegt und fungieren als Auflager für die Halbfertigteil-Deckenelemente. Diese sekundären Flächentragwerke können unterstellungsfrei die Lasten des Aufbetons ableiten und werden schliesslich als zusammenhängende Dachscheibe ausgebildet.

In einem potenziellen Planungsverlauf sollte auch eine Lösung mit Leimbindern und Brettsperrholzdecken offen-gestellt bzw. untersucht werden.

Mit der beschriebenen robusten Bauweise kann jedenfalls optimal auf die vielfältigen Anforderungen aus dem Betrieb (Akustik, Feuchte, Brandschutz, Manipulation, …) reagiert werden. Die Bauweise ist konventionell, wirtschaftlich und kann durch lokale Unternehmen ausgeführt werden.

Durch die gewählte massive Bauweise können beide Bereiche des Gebäudes relativ einfach aufgestockt werden (siehe Schema „Aufstockung“).

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