Projektnummer 06
MONT ROSS

Verfasser: VENTIRAARCHITEKTEN GmbH, CH-9444 Diepoldsau
Projektmitarbeiter: Felicitas Wolf, Peter Muxel Architekt ZT

Subunternehmer: CDS Bauingenieure AG, CH-9435 Heerbrugg
Subunternehmer: Media 5 GmbH, CH-9444 Diepoldsau

Ortsbauliche Lösung

Das neue Feuerwehrdepot Vaduz liegt am nordwestlichen Ortsrand von Vaduz an der Grenze zur landwirtschaftlich genutzten Grünfläche. Das Areal ist von meist gewerblich genutzten Bauten umfasst. Der nordöstliche Bereich desPerimeters ist von der Schaanerstrasse begrenzt, der südwestliche durch den offen verlaufenden Binnenkanal. Ein langgestreckter Baukörper reagiert auf die inhomogene Situation mit einer ruhigen und zurückhaltenden Baukörperkonfiguration und passt sich volumetrisch an die angrenzenden grossformatigen Gewerbebauten an. Die Form des Baukörpers folgt in erster Linie der Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit. Diese beiden Hauptrichtungsgeber sollen in einen klaren, ansprechenden und logischen Baukörper übersetzt werden.

Trotz des grossen Volumens des Neubaukörper entsteht im Zusammenspiel mit den verwendeten Materialien und den wenigen Freiraumelementen ein angepasstes Ensemble. Dem Betrieb folgend, wird die Anlage in klardefinierte Räume aufgeteilt. Eine grosszügig asphaltierte Fläche im Anschluss an den Strassenraum umspannt den Baukörper. Zum Binnenkanal sorgen Pflanzflächen füreine räumliche  Zonierung. Mit Wildstauden, Sträuchern und mehrstämmigen Bäumen bepflanzte Inseln bilden den Übergang zur Vegetation des Binnenkanals.

Architektonische Qualität

Der parallel zur Schaanerstrasse gesetzte Baukörper zeigt sich zum vorgelagerten Platz mit einem markanten Vordach. Die einsehbare Fahrzeughalle und der Schlauchturm sollen die nötige Identifikation des Gebäudes im öffentlichen Raum vermitteln. Der schlichte Baukörper ist höhenmässig an die Umgebungsbauten angepasst. Er soll sich durch seine Klarheit formal zurücknehmen, aber dennoch die notwendige Präsenz im Strassenraum zeigen. Durch die verwendeten Materialien wird der Baukörper später zu einer Art Gebäudesockel für eine Aufstockung in Holzbauweise.

Das Konstruktions- und Materialkonzept folgt der Idee, das Bauen als Teil eines zirkulären Systems zu sehen. Um die Wiederverwendbarkeit der Materialien und Bauteile zu gewährleisten, sind diese zugänglich, demontierbar und voneinander trennbar ausgeführt.

Die Nutzungsdauer der reinen Tragstruktur soll durch eine Art «Wiederverwendung vor Ort» also beispielsweise die Möglichkeit der Aufstockung oder der Nachnutzung durch Funktionsänderungen erhöht werden. Dadurch wird die Energiebilanz wesentlich verbessert.

Aus diesen Überlegungen heraus soll die Tragstruktur als Stahlbetonkonstruktion konzipiert werden. DieseBauweise ermöglicht grosse Spannweiten und gewährleistet eine sehr offene, flexible Grundstruktur und somit eine langfristige und variable Nutzungsflexibilität.

Für die Ortbetonbauteile soll Recyclingmaterial als Zuschlag verwendet werde.

Die Aussenwände werden durch die Beigabe von Farbpigmenten und entsprechenden lokalen Zuschlägen leicht nuanciert und erhalten durch eine zurückhaltende Nachbearbeitung mit einem Wasserstrahl eine feine Körnung. Die Intensität der Nachbearbeitung variiert von Bauteil zu Bauteil.

Die Bekleidung der Innenflächen ist den Nutzungenangepasst. Die Aufenthalts- und Schulungsräume sind mit Holzvertäfelung aus Weisstanne, die Böden mit gesägten Brettern belegt. Zusammen mit den Verglasungen entsteht eine helle und nutzungsfreundlich Stimmung im Haus.

Das Tragwerk

besteht aus tragenden Wänden in Stahlbeton.

Die Geschossdecken sind als Flachdecken in Stahlbeton vorgesehen.Ergänzend dazu wird die Einstellhalle als Betonrahmen konstruiert, bestehend aus Stützen und Trägern. Die darauf liegende Decke wird auf Grund der Spannweitenzur Gewichtsreduktion als Hohlkörperdecke ausgeführt und wird zur Stabilisierung

der Rahmen genutzt.

Die Erdbebensicherheit

wird mittels durchlaufenden Betonscheiben, die mit der jeweiligen Geschossdecke vwebunden werden, erreicht.

Organisation und Funktionalität:

Die Dynamik im Einsatzfall erfordert einen möglichst kreuzungsfreien Ablauf der Verkehrsströme. Die übersichtliche Anbindung an das öffentliche Straßennetzist über die gesamte Länge der Fahrzeughalle gewährleistet. Die Hauptzufahrt für die Einsatzkräfte im Alarmfall erfolgt im südwestlichen Bereich des Areals. Die Ausfahrt der Einsatzfahrzeuge ist ungehindert möglich. Die Parkplätze im unmittelbaren Bereich des Alarmeinganges gewährleisten einen direkten schnellen und kreuzungsfreien Zutritt im Alarmfall.

Die Bereiche Feuerwehrdepot, Samariterdepot und auch die extern genutzten Räume sind unabhängig voneinanderzugänglich: im Erdgeschoss direkt und in den Obergeschossen über das zentral gelegene und von aussen zugängliche Treppenhaus.

Die Erschliessung im Schlauchturm dient gleichzeitig als zweite Fluchtmöglichkeit aus den Aufenthaltsräumen im Obergeschoss.

Bei einer Aufstockung kann im Nordwesten ein zweites Treppenhaus in den Bestand integriert werden.

Zu Wartungszwecken der Photovoltaikanlagen und derDchbegrünung können diese Dachflächen direkt vom OG2 bzw. vom Turm aus erschlossen werden.

Im Obergeschoss gibt es Sichtverbindungen in die Fahrzeughallen, diese bieten spannende Überblicke und eine leichte Orientierung im Gebäude.

Durch die grosszügigen Verglasungen der Aufenthaltsund Schulungsräume entsteht eine räumliche Beziehung in den grünen Landschaftraum.

Wirtschaftlichkeit:

Die Verwendung von robusten und langlebigen Materialien sowie die Berücksichtigung eines zirkularen Systems bei den verwendeten Baustoffen in Kombination mit einer optimierten aber einfachen Gebäudetechnik lassen ein langlebiges wirtschaftliches Projekt mit günstigen Betriebs- und Unterhaltskosten erwarten.

Nachhaltigkeit und Energie

Grundvoraussetzung für ein optimiertes Energiekonzept ist die kompakte Bauweise und die klare Trennung von beheizten und niedrig temperierten Räumen. Die geplante Anordnung der Raumgruppen erfüllt alle funktionalen Anforderungen und erlaubt durch geschickte Stapelung der unterschiedlichen Räumhöhen eine Minimierung desumbauten Raumes. Flächen mit ähnlicher Raumtemperatur werden lagemässig gruppiert.

Die optimierte Ausnutzung des Tageslichtes, sowie ein funktionelles Konzept zur Beschattung (Vordächer, variable Flächenverschattung) und Querdurchlüftungergibt auch im Betrieb ein nutzerfreundliches angenehmes Raumklima.

Eine Wärmepumpe in Kombination mit einer Betonkernaktivierung (Speicherung) versorgt das Gebäude mit der erforderlichen Heizenergie. Die nötige elektrische Energie wird mit einer PV auf einem Teilbereich des Gebäudedach erzeugt. Die überschüssige elektrische Energie wird ins Netz eingespeisst.

Freiraumgestaltung:

Die Freiraumgestaltung des Neubaus orientiert sich anden Gegebenheiten des Ortes und bindet sie in das Konzept mit ein. Um die Biodiversität zu erhöhen und als ökologische Ausgleichmassnahme wird die Dachfläche des Neubaus mit regionalem Saatgut begrünt. Die verschiedenen Substrat-Aufbauhöhen fördern unterschiedlichen Aufwuchs, der mit Steinschüttungen und Totholz Unterschlupf für Kleinlebewesen bietet. Das Areal ist mit einem Zaun umfriedet. Dieser kann punktuell mit Rankpflanzen begrünt werden.

Die erforderlichen Parkplätze für die Einsatzkräfte und Besucher sind im unmittelbaren Eingangsbereich des Gebäudes positioniert. Die Oberfläche der Parkplätze sollmit wasserdurchlässigen Rasensteinen belegt und punktuell von Bäumen beschattet werden. Die überdachten Veloständer befinden sich in unmittelbarer Nähe der Parkplätze. Die gewählten Pflanzen und Materialien sind pflegeleicht und robust. Mit der Gestaltung des Freiraumes soll der Neubau trotz der dichten Nutzung und seines Volumens in das Quartier eingebettet werden. Mit der vielfältigen Bepflanzung und den ökologischen Ausgleichsflächen steuert das Konzept zur Nachhaltigkeit bei, unterstützt das natürliche Regenwassermanagement und verbessert das Lokalklima.

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