Projektnummer 05
JUPITER

Verfasser: Flur Architekten AG, CH-9000 St. Gallen
Projektmitarbeiter: David Gasser, Anton Thaler

Projektmitarbeit Bauingenieur: Borgogno Eggenberger Bauingenieure, CH-9000 St. Gallen

GRUNDIDEE

Die Herausforderung bei dieser Aufgabenstellung für den Neubau der Feuerwehr in Vaduz besteht darin, neben der komplexen betrieblichen Struktur der Feuerwehr unter Berücksichtigung der räumlichen Bedürfnisse mit unterschiedlichen technischenAnlagen und Fahrzeugen zusammen mit Samariterbereich und öffentlichen Saalnutzungen eine angemessene Architektur zu

entwickeln.

Bei der Umsetzung des Raumprogramms wurde darauf geachtet, dass im Ereignisfall möglichst effiziente Abläufe der Feuerwehrgarantiert sind. Die Abfolge Parkplatz, Eingang, Garderobe, Fahrzeughalle und Ausfahrt wird mit der kürzest möglichen Abfolge gewährleistet.

Der Samariterbereich wurde von der Feuerwehr räumlich abgetrennt. Warenlift und Terrasse könnentrotzdem gemeinsam genutzt werden.

Die beiden Mehrzweckräume wurden ebenerdig mit direktem eigenem Aussenzugang platziert. Dies garantiert eine autonome Nutzung ohne Beeinträchtigung des Notfallbetriebes und stellt auch eine wirtschaftliche Lösung dar. Die Notausgänge können ebenfalls ebenerdig angeordnet werden, was eine maximale Personenbelegung gewährleistet.

Die Ausführung in Skelettbauweise bestimmt das Erscheinungsbild sowohl aussen als auch innen in den Werkstätten- und Garagenbereichen in robustem und dauerhaftem Stahl. Dank dieser einfachen Tragstruktur kann das Gebäude wechselnden Bedürfnissen der Nutzer einfach und flexibel angepasst werden.

SITUATION / STÄDTEBAU

Der Neubau des Feuerwehrgebäudes übernimmt die Themen des Ortes und reagiert auf die bestehende Situation mit einem ruhigen Baukörper, welcher gleichzeitig selbstbewusst und grosszügig als Feuerwehr erkennbar in Erscheiung tritt. Die transparentgehaltenen Fassaden unterstützen diese grosszügige Haltung. Das klar definierte Volumen wird kompakt als zweigeschossiges Gebäude parallel entlang der Schaanerstrasse entwickelt und beinhaltet sämtliche Funktionen für Feuerwehr und Samariter.

Der Neubau reagiert angemessen auf das angrenzende Gebäude der technischen Betriebe, und bildet mit diesem Gebäude zusammen ein Ensemble. Grosse Vordächer garantieren guten Schutz für reibunungslose Abläufe für Fahrzeughalle, Eingänge und An- und Ablieferungen bei den Schwarz-Weiss-Bereichen und bei Ereignisfallübungen.

GESTALTUNG UMGEBUNG / AUSSENRAUM

Die Verkehrsfläche rund um das Gebäude wird in Asphalt ausgeführt. Ziel ist es, möglichst die ganze versiegelte Fläche über eine Retention zu entwässern. Als Kompensation zur asphaltierten Fläche entsteht auf dem Dach eine extensive Begrünung.

Die Aussenparkplätze für die Feuerwehr werden in einem Rasenliner-Belag ausgeführt. Die Räume zwischen den Parkplätzen werden mit einheimischen Bäumen bepflanzt.

VERKEHRSKONZEPT

Damit im Einsatzfall sowohl Einsatzfahrzeuge als auch Personenwagen der eintreffenden Feuerwehrleute sich nicht gegenseitigbehindern werden die Ein- und Ausfahrten so gelegt, dass es zu keinen gegenseitigen verkehrstechnischen Störungen kommt. Die übersichtliche Anbindung erstreckt sich die über gesamte Länge der Fahrzeughalle entlang der Schaanerstrasse.

Die Zufahrten für Wagen liegen links und rechts der Fahrzeughalle. Dadurch ist gewährleistet, dass kommende Fahrzeuge sichkeinesfalls mit den ausfahrenden Einsatzfahrzeugen kreuzen.

Entsprechend den erforderlichen Kurvenradien kann das gesamte Bauwerk auch mit Feuerwehrfahrzeugen umrundet werden, und dass auch nach dem Einsatz die Fahrzeuge westseitig den „Schwarzbereich“ direkt anfahren können.

TRAGWERK / FUNDATION

Die Stahlhalle wird als gestapeltes Dachträgersystem ausgebildet. Dabei werden die Nebenträger über die Hauptträger gestapelt.

Die Verbindungen werden dadurch sehr einfach. Die Hauptträger liegen auf Stützen, welche Standardspannweiten aufweisen.

Sämtliche Träger und Stützen können mit Standard-Walzprofilen erstellt werden. Das Dach wird mittels Dachverbänden als Scheibe ausgebildet.

Die Einbauten werden in Massivbauweise aus Wänden und Decken erstellt. Die Wände können gleichzeitig zur Stabilisierung des Stahltragwerkes eingesetzt werden. Dadurch sind keine Wandverbände in Stahl notwendig.

Der über das Dach ragende Turm wird als Stahlrahmen ausgebildet. Dieser ist in das Dach Haupttragsystem in Stahl eingebunden und stabilisiert.

Das gedrungene Gebäude verteilt die Lasten sehr gut und die Bodenpressungen sind sehr gering. Je nach Baugrund kann flach fundiert werden.

MÖGLICHE ERWEITERUNG

Eine Aufstockung auf die Halle ist problemlos machbar. Die Statik des Gebäudes ist so angedacht, dass diese mit einfachenMitteln einer Erweiterung auf dem Dach angepasst werden kann. Das Grösse der Erweiterung kann entsprechend dem künftigen Platzbedarf angepasst werden. Wir empfehlen eine Aufstockung im Südwesten des Gebäudes, da dort die Spannweiten kleiner sind und das grosse Oberlicht über der Fahrzeughalle nicht tangiert wird.

KONSTRUKTION / MATERIALISIERUNG AUSSEN

Unser Ziel ist es, einen funktionalen und kompromisslosen Zweckbau mit zeitloser Eleganz und minimalen Unterhaltskosten zu erstellen. Dieser Anspruch definiert auch die Materialisierung. Die vertikalen Lastenwerden über feuerverzinkte Stahlstützen in die Bodenplatte geleitet. Die Dachkonstruktion wird ebenfalls mit feuerverzinkten Stahlträgern umgesetzt.

Die Fassade wird in einer feuerverzinkten Metallkonstruktion ausgeführt, welche thermisch getrennt ist. Über den auskragenden Dachstahlträgern wird ein Trapezblech angebracht auf welches dann die Wärmedämmung und die extensive Begrünung aufgebaut werden. Darüber wird die Photovoltaikanlage installiert.

MATERISLISERUNG INNENRAUM

Die Konstruktion des Gebäudes ist auch im Innenraum sichtbar. Doppel T-Stützen werden auf dem Raster der Hauses platziert.

Die Ausfachungen zwischen den Stützen werden in Ortbeton oder Leichtbauweise ausgeführt.

Der Klinkerboden wird mit Rutschfestigkeitsklasse R10 ausgeführt. Die hohe Belastbarkeit erlaubt in der Fahrzeughalle die Montage der Schneeketten auf den Einsatzfahrzeugen ohne Einschränkungen. Ausserdem strahlen die Tonklinkerbeläge mit ihren warmen Farbtönen eine behagliche Atmosphäre aus für die Mehrzweck- und Büroräume..

Die Fenster sind dank der grossen Vordach sehr gut geschützt und erhalten Wärmeschutzglas. Sie lassen sich gegen Aussen öffnen und können im Innenraum Roll-Jalousien zusätzlich beschattet und abgedunkelt werden.

ÖKOLOGIE / NACHHALTIGKEIT

Ein wesentlicher Faktor für eine wirtschaftliche Lösung für die Erstellung und den Unterhalt ist ein optimiertes Aussenflächen- undVolumenverhältnis und damit ein kompakter Baukörper.

Eine hochwertige Dämmung der Bauteile sowie eine Minimierung der thermischen Gebäudehülle garantieren Energieeffizienz und daraus niedrige Betriebskosten. Der Einsatz von robusten und dauerhaften Baumaterialien garantiert eine lange Nutzungsdauer und schafft einen positiven Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Die Wahl von Stahl als Baumaterial erlaubt einen höchst effizienten und umweltfreundlichen Rückbau resp. Recyclierbarkeit des Gebäudes.

HAUSTECHNIK

Die Betriebskosten für Energie und Unterhalt eines Gebäudes werden durch mehrere Faktoren massgeblich beeinflusst. Durch bewusste Wahl der bauphysikalisch optimierten Gebäudehüllen-Elemente wird bereits ein wesentlicher Teil von Energiesparmöglichkeiten verwirklicht. Ist die Hülle einmal optimiert, wird die Gebäudetechnik optimiert. Dies erfolgt indem möglichst einfache Konzepte für die Energie- und Medienversorgung gesucht werden. Dabei reduziert die Platzierung der Technikräume an zentraler Lage den Transportenergieaufwand für die Verteilung von Wärme und Luft. Weiter hat dieSystemtemperatur für die Verteilung von Wärme einen entscheidenden Einfluss und soll möglichst nahe bei der Raumtemperatur liegen (d.h. Temperatur des Heiznetzes möglichst tief). Dadurch verringern sich nicht nur die Energiekosten für Produktion, Transport und Verluste, sondern auch der Instandhaltungsaufwand.

Der Beitrag der Gebäudetechnik zur Steigerung der Energieeffizienz ist neben einer grundsätzlich energieverantwortlichen Konzeption in folgenden Punkten berücksichtigt:

  • Nutzung Umweltwärme zur Raumheizung und Brauchwarmwasserbereitung
  • Nutzung der vorhandenen Abwärmepotenziale (Wärmerückgewinnung Lüftung, Druckluft)
  • Einsatz von energieeffizienten Antrieben
  • Hygienisch minimale Luftmengen anstelle grosser Luftwechselzahlen
  • Offene und zugängliche Montage der Installationen
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