Projektnummer 03
ignis et aqua

Verfasser: FRICK KRÜGER NUSSER PLAN2 Architekten/Generalplaner, DE-81541 München
Projektmitarbeiter: M. Frick, A. Krüger, M. Nusser, M. Westphal, K. Müller, A. Callet-Molin

Subunternehmer Landschaftsplaner: Beratung Holzbau/Tragwerksplanung IGB, Ingenieurgruppe Bauen, DE-76133 Karlsruhe

Erläuterungen

Heute und Morgen

Wenn wir uns heute nicht den aktuell relevanten Fragen von Architektur, Stadt und Klima stellen, werden wir auch morgen keine zukunftsfähige Architektur produzieren. So sollte der Neubau des Feuerwehrdepots ein Statement des modernen nachhaltigenBauens sein.

Auch mit diesem Neubau – einem Funktionsbau – könnte die Hauptstadt Liechtensteins innovatives Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen modellhaft darstellen und den Weg zu einem neuen klimagerechten Bauen weisen.

Städtebau

Die Lage des Grundstückes in unmittelbarer Nachbarschaft zum städtischen Wasserwerk wird zu Synergieeffekten mit optimalen Entwicklungs- und Erweiterungsmöglichkeiten führen.

Die Schaanerstraße trennt die nordöstliche Wohnbebauung vom streifenartigen Band der Gewerbe- und Dienstleistungszone im Südwesten.

Die südwestliche Gebäudeflucht des Wasserwerkes wird am Rheinkanal aufgenommen und mit dem Neubau nach Südosten weitergeführt.

Die Gebäudehöhe des Wasserwerkes wird aufgenommen. Das Feuerwehrdepot findet seinen Abschluss im südöstlichen 3- geschossigen Kopfbau.

Der mit seiner Höhe dominante Schlauchturm markiert als Signum den neuen Bau und macht ihn weithin sichtbar.

Der in der Straßenflucht an der Schaanerstraße eingerückte, großzügige Vor- und Manövrierplatz erlaubt eine perfekte Erschließung und garantiert eine funktionierende Alarmausfahrt. Die Fußgänger und der PKW- Verkehr werden über einen eigenen südöstlichen Zugang/Einfahrt auf das Gelände geführt.

Der Verkehrsraum am Übergang zum Wasserwerk ermöglicht die gemeinsame Nutzung der Verkehrsflächen.

Unser Planungsvorschlag respektiert in allen Bereichen die zukünftige Veränderung

des Straßenprofils an der Schaanerstraße.

Architektur

Wir sehen im Holzbau den Ausdruck innovativer, zukunftsorientierter und nachhaltiger Denkweise, der auch modellhaften Charakter haben sollte.

Die Atmosphäre des Gebäudes sollte freundlich, leicht und authentisch wirken.

Morphologie

Man kann bei der Gestalt des neuen Baukörpers 3 verschiedenen Elemente sehen: die flache Halle als wesentliches Element der Aufgabenstellung, der erhöhte Kopfbau als Verwaltungs- und Schulungsbereich und der Schlauchturm als markantes, weithin sichtbares Signum.

Dieser Dreiklang vermittelt zwischen den Großformen im Nordwesten (Wasserwerk, Tennishalle) und der kleinteiligen Kubatur im Südosten (Dienstleistungs- und Handwerkerhäuser). Die unterschiedlichen Formen unseres Entwurfsvorschlags versprechen eine spannungsvolle Kubatur.

Kopfbau als Trennung Vorplatz-Parkplatz

Der Kopfbau schiebt sich nach vorne zur Schaanerstraße als Trennung zwischen dem nordwestlichen Arbeits- und Manövrierplatz und dem Parken im Südosten. Hier befindet sich – deutlich erkennbar – der Eingang in das Gebäude.

Einstellhalle als klar formulierter Flachbau

Die Einstellhalle zeigt sich als klare und einfache Raum- und Konstruktionsstruktur, die in ihrer architektonischen Ausformung dem Bedarf der gestellten Aufgabe entgegenkommt.

Schlauchturm als markantes Zeichen

Der Schlauchturm mit seiner profilübergreifender Vertikalerschließung setzt ein deutliches Zeichen für dieses neue kommunale Bauwerk.

Das Thema „Auskragende Vordächer“ wird zum architektonischen Thema: Jedes baukörperliche Element wird mit einem Vordach versehen, das in unterschiedliche Himmelsrichtungen zeigt. Die rautenförmigen Träger des Vordaches werden zum gestaltprägenden Element. Die Einstellhalle öffnet sich mit dem Rautenvordach gestaltprägend zur Schaanerstraße.

Organisation

Wie in der Auslobung beschrieben, kommt es zu einer klaren Trennung der Funktionen Feuerwehr und Samariter.

Die Feuerwehr

Die Funktionsabfolge der Feuerwehr wird im vorgeschlagenen Entwurf logisch umgesetzt:

Der Mitarbeiter kommt vom Parkplatz zur Eingangshalle im südöstlichen Kopfbau. Hier kann er auf direktem Weg die im Erdgeschoss liegende Umkleide und danach die Einstellhalle erreichen.

Die Eingangshalle mit der Vertikalerschließung lässt eine gute Orientierung im Gebäude zu, ermöglicht beiläufige Kommunikation und bietet eine flexible Bespielbarkeit der Geschosse, wie Teeküche, Warten und Ausstellung an. In den Ebenen 01 und 02 befinden sich die Aufenthalts- und Schulungsräume der Feuerwehr.

Die Organisation in der Einstellhalle wird mit der Raumgliederung – Parken Einsatzfahrzeuge – Servicegang – Parken Anhänger – Servicegang – Sonderräume – übersichtlich gelöst. Die Schwarz- Weiß- Trennung dieser Sonderräume wird zusätzlich über einen Bypass geregelt.

Die Samariter

Der Bereich des Samariterdepots befindet sich ausschließlich im südwestlichen Bereich des Kopfbaues. Hier wird eine Vertikalerschließung für das Erreichen aller Nutzungen der Samariter vorgesehen. Das Einsatzfahrzeug mit Anhänger und die Lagerflächen sind erdgeschossig vorgesehen. Die Ebene 01 sieht Umkleiden und Aufenthalt vor. In der Ebene 02 werden die Schulungs- und Tagungsräume der beiden Nutzer mit der gewünschten Doppelnutzung zusammengeführt.

Alle Bereiche der Samariter können von der Nutzung FW räumlich getrennt werden.

Erweiterung / Aufstockung

Für die optionale Flächenerweiterung der Wasserwerk- und Feuerwehrverwaltung oder einer Fremdvermietung schlagen die Verfasser zwei verschiedene Möglichkeiten vor:

1. Option – Die höhenverträgliche Aufstockung des südöstlichen Kopfbaus

Der südwestliche 3- geschossige Kopfbau könnte je nach Flächenbedarf entsprechend über mehrere Geschosse aufgestockt werden. Dieser Baukörper mit hauptsächlicher Verwaltungsnutzung könnte ohne Funktionsüberlagerung über die Treppenhäuser bedient werden.

2. Option – Die Überbauung des Parkplatzes

Der südöstlich liegende Parkplatz bietet sich geradezu an, als 2. Bauabschnitt eine höhenverträgliche Bebauung über den Stellplätzen vorzusehen. Je nach Flächenanforderung könnte ein kräftiges schwebendes, zweigeschossiges Rechteck das vorhandene Ensemble komplettieren.

Energie- und Gebäudetechnik

Einsatz erneuerbarer Energie

Materialsparende, effiziente, vorgefertigte und wiederverwendbare Bauteile werden als Voraussetzung für eine CO2-arme und zukunftsorientierte Architektur vorgeschlagen. Bei der Einstellhalle wird das Dach als aufgeständertes PV-Dach gestaltet und erhält – wo möglich – eine extensive Begrünung zur Regenwasserrückhaltung und Verdunstung.

Durch diesen Einsatz und eines Batteriespeichers im Technikraum wird so viel eigenerzeugter Strom wie möglich im Gebäude genutzt. Die Anlage wird so ausgelegt, dass es – wenn möglich – zu einer Rückspeisung in das öffentliche Netz des Versorgers kommen könnte.

Haustechnik

Wir schlagen aus Kosten- und Rentabilitätsgründen ein Low-Tech- Gebäude vor, das mit angemessenen, nicht überfrachteten technischen Maßnahmen auf die Aufgabenstellung reagiert.

Wärme/Kälte

Der Neubau bildet einen Heizungsverbund mit dem nordwestlichen Wasserwerk. Die Beheizung der Büroräume erfolgt mittels Deckenheizung, so dass keine Heizkörper notwendig sind. Über die Deckenheizung ist es ebenfalls möglich, die notwendigen Säle im 2.Obergeschoss gleichmäßig zu heizen oder zu kühlen. Auf den Dachflächen werden Photovoltaikanlagen installiert. Diese liefern, speziell in den Sommermonaten, die notwendige Energie für die Adsorptionskälte.

Mit dieser Anordnung werden die Wandbereiche für eine variable Nutzung der Räume freigehalten.

Lüftung

Die Büros werden durch Fensteröffnungen natürlich be- und entlüftet. Die Belüftung der Einstellhalle erfolgt über Lüftungsgeräte mit integrierter Wärmepumpe. Hierdurch kann die Außenluft dem Zweck entsprechend vorkonditioniert werden.

Starkstromanlagen

Die Netzersatzanlage wird im südwestlichen Teil der Einstellhalle geplant.

Tragwerk / Konstruktion

Das gesamte Gebäude wird in CO2-sparendem Holzbau als Ausdruck nachhaltiger Planung vorgeschlagen.

Einstellhalle

Die Einstellhalle wird als reine Holzkonstruktion vorgeschlagen. Im regelmäßigenAbstand der Stellplätze von ca. 4,5 m wird ein Binder aus unverkleidetem Brettschichtholz die Einstellhalle im vorderen Bereich auf einer Länge von ca. 15m überspannen. Diese Tragkonstruktion für das Dach ruht auf massiven Holzstützen, die in der Achse der Tore sowie am Ende der Stellplätze die vertikalen Lasten abfangen und gleichzeitig für die Aussteifung sorgen. Die Holzoptik der ca. 1,5m hohen Binder bewirkt ein helles und luftiges Erscheinungsbild der Einstellhalle, welches durch die Oberlichter im vorderen und hinteren Bereich abgerundet wird.

Das gesamte Dach ist als Gründach ausgelegt und mit Photovoltaikmodulen ausgestattet, die zur nachhaltigen Gebäudegestaltung beitragen.

Das auf einer Länge von ca. 7m auskragende Vordach wird so ausgeführt, dass die Linienführung von jeweils zwei Bindern aufgenommen und an der Vorderkante vereinigt wird. Die gestaltprägende gefaltete Optik entsteht, das luftige Erscheinungsbild der Halle wird auf das Vordach übertragen.

Die Untersicht des Vordaches nimmt die Linienführung der Fassade wieder auf.

Die Bereiche Werkstatt / Lager der Einstellhalle sind in Anlehnung an den Kopfbau in Holztafelbauweise bzw. Brettsperrholzbauweise geplant, wobei die nichttragenden Wände in GK vorgesehen sind.

Südöstlicher Kopfbau

Die Hohlkastenelemente als Decken sorgen mit den dreischichtigen CLT-Platten und den geklebten Brettschichtholzrippen für hohe statische Tragfähigkeit bei geringem Materialeinsatz.

Starke Leimbinder-Stützen begleiten die Flure beidseitig. Massive Sperrholz-Unterzüge sind mit Hirnholzverbindern eingehangen. Die notwendige Kapselung mit GK wird nahtlos in die Flurtrennwand aus GK überführt. Diese Skelettkonstruktion bildet die innere Tragkonstruktion, während die äußere als tragende Fassade konzipiert ist. Im Raster stehen schlanke Holzstützen unter einem durchlaufenden Sturz, der die Decke über sich bis zur Fassade trägt. Die eingerückten Balkone des Kopfbaus schützen die Glasflächen vor Sonne.

Das Gebäude steht auf einem Gründungspolster aus Glasschaumschotter. Wegen der Nähe zum Rheinkanal wird bis auf wenige Flächen keine Unterkellerung geplant. Alle Technikbereiche werden oberirdisch vorgesehen. Der wenigen Kellerflächen werden in die thermische Gebäudehülle einbezogen, die entsprechend des Passivhausstandards ausgelegt ist.  Elemente in Stahlbeton (Treppenhaus Aufzugswände) sorgen für die notwendige Aussteifung.

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