Projektnummer 14
GRISU

Verfasser: Degelo Architekten BSA SIA AG, CH-4052 Basel
Projektmitarbeiter: Heinrich Degelo, Florian Walter, Isabelle Schmidt

Subunternehmer Landschaftsplaner: BAUINGENIEUR: wh-p Ingenieure AG, CH-4052 Basel

Gestalterisches Konzept

Der ruhige markante Baukörper lässt seine Funktion erkennen. Das grosse Bauvolumen passt sich bestens in die anderen grossmassstäblichen Bauten ein.

Ortbauliches Konzept

Das Grundstück liegt am Rand von Vaduz in verkehrlich effizienter Anbindung sowohl in Vaduz sowie in nördlicher und südlicher Richtung zum Rest des Landes. Die Umgebung ist nicht lärmempfindlich und lässt einen ungestörten Betrieb zu. Das grosse Bauvolumen passt sich bestens in die anderen grossmassstäblichen Bauten ein.

Architektonisches Konzept

Der ruhige, aber markante Baukörper lässt seine Funktion erkennen. Von der Strasse her sind die Feuerwehrfahrzuge durch die verglasten Tore präsent und der Schlauchturm setzt einen zusätzlichen Akzent. Unter dem riesigen Dach ordnen sich alle Funktionen in sinnfälliger Weise. Eindrücklich aufgereiht stehen alle Fahrzeuge in der Halle zur Strasse hin. Darüber ruht auf kräftigen Holzträgern die Rippendecke aus Holz. Auf dem Dach produzieren richtbare Sonnenkollektoren Strom über dem intensiv begrünten Dach. Auf der Rückseite des Gebäudes mit direktem Zugang von aussen und von der Halle, ordnen sich die Mannschafts- und Funktionsräume auf 2 Geschossen.

Die Konstruktion aus Holz ist sichtbar bei Decken, Wänden und wo vertretbar auch am Boden. Somit entsteht ein angenehmes Innenraumklima. Die Baustoffe werden wieder trennbar verbunden, damit spätere Veränderungen und ein allfälliger Rückbau in der Kreislaufwirtschaft erfolgen können.

Organisatorisches Konzept

Berufsfeuerwehr, freiwillige Feuerwehr und Samariterverein sind separat zugänglich, jedoch in enger Zusammengehörigkeit angeordnet. Alle Fahrzeuge stehen auf einer Reihe zur Strasse hin und gewährleiten die optimale Einsatzfähigkeit. Die Waschbox und Samariter sind zusätzlich noch abgetrennt. Das Gebäude ist allseitig umfahrbar und für Personen- und Materialtransport ideal zugänglich.

Erweiterung

Bei einem allfälligen später notwendigen Erweiterung kann das Gebäude in derselben Struktur nach beiden Seiten erweitert werden.

Aufstockung

Die Konstruktion und die Gebäudestruktur sind so aufgebaut, dass zu einem späteren Zeitpunkt mehrere Geschosse aufgestockt werden können.

Nachhaltigkeit / Ökologie

Im Sinne eines umfassenden Nachhaltigkeitsbegriffs haben wir ein Konzept entwickelt, das einen ab 2030 geforderten Gebäudestandard entspricht von netto 0. Dies hat neben den allgemeinen Bereichen von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt grosse Auswirkungen auf Erstellung, Betrieb und Nachnutzung/Rückbau

Erstellung

Die ganze Feuerwehr ist als Holzbau konzipiert. Dabei kann Holz aus regionaler Produktion verwendet werden. Die Hölzer werden dabei grundsätzlich nicht verleimt und Natur belassen. Damit werden kürzere Transportwege möglich und wenig graue Energie. Verbundwerkstoffe (Holz-Beton- Verbund, Bodenheizung im Unterlagsboden, Aussendämmung etc.) werden grundsätzlich vermieden. Alle Bauteile werden so gefügt, dass sie wieder getrennt werdenkönnen. Die Bodenplatte wird aus CO2 reduziertem Recyclingbeton auf eine wärmedämmenden Schaumglas- Schüttung (aus Altglas) hergestellt. Die kontrollierte Lüftung wird mit motorisch angetriebenen Fenstern ermöglicht, die über lokale

CO2 Messung, Temperatur oder den Nutzer (Rückfall nach 10`) gesteuert werden

Betrieb

Mit sehr guter Dämmung, gut positionierten Fenstern, der Vermeidung von Kunststoffen resultiert ein Gebäude das die Klasse A+ erreicht und sehr niedrige Betriebskosten hat. Durch die Minergie anerkannte gesteuerte Fensterlüftung werden Lüftungskanäle, Monoblocks und Filter mit ihren hohen Unterhaltskosten überflüssig. Die gesamte Dachfläche produziert mit Photovoltaik Elementen Elektrizität, die für die Feuerwehr und das allgemeine Netz verwendet werden kann. Im Rahmen der weiteren Planung wäre zu prüfen, ob ein Schwachstrom Netz für die direkten Anschlüsse für Elektronik und Computer sinnvoll wäre. Damit müsste der produzierte Strom für diesen Teil nicht in Wechselstrom und über verlustreiche Netzgeräte wieder in Gleichstrom zurück verwandelt werden. Die natürlich belassenen Materialien sind nicht anfällig auf Benutzungsspuren und erfordern weniger Unterhalt. Damit wird der erste Kratzer nicht zum Schaden, sondern zum Beginn einer edlen Patina.

Nachnutzung/ Rückbau

Mit der inneren Stützenstruktur können zuerst Anpassungen der Feuerwehr und spätere Umnutzungen auf einfache Weise vorgenommen werden. Wenn die Feuerwehr einmal nicht mehr genutzt wird, ist als erstes eine Nachnutzung anzustreben. So könnte aus der Feuerwehr auch Gewerbe entstehen. Beim Rückbau ist zu berücksichtigen, dass der Lebenszyklus möglichst lang ist. Dabei ist entscheidend, dass je besser die Architektur, je länger der Lebenszyklus. Diewertvollsten Gebäude werden unter Schutz gestellt und sehr lange erhalten. Wenn das Gebäude danndoch abgebaut werden muss, können die Bauteile alle getrennt werden. Die unverleimten Hölzer könnenwiederverwendet oder weiter verarbeitet werden oder als Brennmaterial dienen.

Haustechnik

Wir haben die Strategie gewählt, dass alle haustechnischen Einrichtungen so einfach wie möglich sein sollen, aber nicht einfacher. Dies wird sich positiv auf die Erstellungs- und Betriebskosten auswirken. Die Lüftung ist nach Minergie mit gesteuerten Fensterflügeln gelöst. Diese werden über lokale CO2 Messungen, Temperatur oder individuellem Bedarf ausgelöst. Für CO2 gehen die Flügel zum Beispiel bei 1500 ppm auf und schliessen wieder bei 1200 ppm. Bei der Temperatur gehen die Flügel auf bei mehr als 25° C Innentemperatur wenn die Aussentemperatur kleiner ist und schliessen wieder, wenn die Innentemperatur unter 22° C sinkt oder die Aussentemperatur höher wird als die Innentemperatur. Mit dieser Regelung können die Räume in der warmen Jahreszeit optimal gelüftet und gekühlt werden. Die Luftqualität ist damit immer optimal. Die Feuerwehr wird, falls möglich, an die Fernwärme angeschlossen. Die Wärmeabgabe ist mit Heizkörpern vorgesehen und damit können alle Komponenten auch wieder getrennt und recykliert werden. Die Heizkörper sind aus Rohren gebildet und entlang der Fassaden montiert. Somit müssen sie auch bei Umbauten nicht um platziert werden. Die Technikräume können mit dem gewählten Konzept stark reduziert werden, was sich positiv auf die Kosten auswirkt.

Dachflächen werden insgesamt mit Photovoltaik belegt. Dazu wird ein aufgeständertes System gewählt das dem Sonnenstand folgt. Die Produziert Elektrizität wird für die Feuerwehr und das Netz eingesetzt. Im

Rahmen der weiteren Planung wäre zu prüfen, ob ein Schwachstrom Netz für die direkten Anschlüsse für

Elektronik und Computer sinnvoll wäre. Damit müsste der produzierte Strom für diesen Teil nicht in

Wechselstrom und über verlustreiche Netzgeräte wieder in Gleichstrom zurück verwandelt werden. Im Bürobereich sind unter den Fenstern durchlaufende Kabelkanäle vorgesehen, über die einfach Anpassungen der Installationen gemacht werden können.

Materialisierung

Das Nachhaltigkeitskonzept mit den trennbaren Materialien wirkt sich auch in den Innenräumen aus. Die Holzbalkendecken mit den darüber liegenden Holzbohlen sind aus Vollholz. Mit der stakt strukturierten Decke wird eine gute Raumakustik erreicht. Zudem wirkt das Holz feuchtigkeitsregulierend und hat damit einen weiteren guten Einfluss auf das Wohlbefinden. Die Wandverkleidungen mit massiven Tannenbrettern helfen weiter mit zum guten Raumklima und bilden einen Tieftonabsorber. In den allgemeinen Räumen setzt sich die Materialisierung mit Holzböden und Holztreppen fort. Im Erdgeschoss wird ein Fliessestrich verlegt.

Erdgeschoss

Eindrücklich aufgereiht stehen alle Fahrzeuge in der Halle zur Strasse hin. Auf der Rückseite des Gebäudes mit direktem Zugang von aussen und von der Halle, ordnen sich die Mannschafts- und Funktionsräume auf 2 Geschossen. Berufsfeuerwehr, freiwillige Feuerwehr und Samariterverein sind separat zugänglich, jedoch in enger Zusammengehörigkeit angeordnet. Die Zugänge sind klar ablesbar und durch die Auskragung witterungsgeschützt. Der Eingang für externe Besucher ist durch die Dimension sofort auffindbar.

Die Einsatzzentrale als Mittelpunkt des Erdgeschoss hat Blick in die Einstellhalle sowie auf den Vorplatz. Die direkte Verbindung in die Räume der Feuerwehr im Erdgeschoss ermöglicht einen raschen Einsatz.

Obergeschoss

Im Obergeschoss sind die Schulungsräume zentral angeordnet. Die Nutzung der Schulungsbereiche Samariter und Feuerwehr funktioniert zeitgleich und ohne Überschneidungen. Der Schulungsraum der Feuerwehr ist zentral mit Blick in die Einstellhalle angeordnet und bildet auch für externe Besucher ein eindrückliches Bild. Der Verbindungssteg bietet eine Überblick über die gesamte Einstellhalle und verbindet auf schnelle Weise die einzelnen Funktionen.

Tragwerk

Die konsequente Anwendung von Holz für alle Tragelemente erlaubt einen Entwurf, welcher sich durch ein ressourcen- und umweltschonendes Gesamtkonzept auszeichnet, die Verwendung von regionalem Holz bewerkstelligt und die Möglichkeit bietet, sämtliche Bauteile voneinander zu trennen, zurückzubauen und wiederzuverwenden. Zudem kann ein hoher Anteil des Tragwerks vorfabriziert werden, was eine wirtschaftliche, schnelle und effektive Konstruktionsweise begünstigt. Einzig die Bodenplatte und die Fundamente werden in Massivbauweise vorgeschlagen, wobei der Einsatz der Betongüte C30/37 die Verwendung von Recyclingbeton ermöglicht.

In der Dachebene über der Einstellhalle werden im Abstand von 4,5m 2,2m hohe Brettschichtholzträger angeordnet, welche über die Spannweite von 25m einen effizienten Lastabtrag erlauben und neben den Fassadenstützen nur eine punktuelle Lagerung entlang der Holzständerwände erfordern. Zwischen den

Trägern im Bereich der Einstellhalle spannt zwischen den Trägern eine Holzbalkendecke. Damit ein sauberer Abschluss zwischen Aufbau auf der Einstellhalle und Vordach erzielt werden kann, wird die Holzbalkendecke beim Vordach über die Träger gelegt und auf diese Weise der erforderliche Höhenunterschied erreicht. Die auf der Holzbalkendecke liegende 18mm starke OSBPlatte stellt die notwendige Scheibenwirkung der Deckenfläche gegen Erdbeben- und Windeinwirkungen sicher.

Bei der Konzeption des Innenraums war es der Anspruch, eine mögliche Neustrukturierung des Gebäudes gewährleisten zu können und eine flexible Raumnutzung entsprechend den Anforderungen der gewünschten Nutzung zu garantieren. Daher kommen vorgefertigte 2,7m breite Holzsandwichelemente zum Einsatz, welche eine modulare Konstruktion und damit eine schnellen und wirtschaftliche Baufortschritt sicherstellt.

Der Baukörper wird durch die Holzständerwände in alle Richtungen ausgesteift. Die zentrische Anordnung des Schulungsraums in Kombination mit den im Grundriss regelmässig verteilten Holzständerwände halten die Torsionsbeanspruchung im Erdbebenfall gering und gewährleisten einen effektiven Abtrag der Horizontalkräfte.

Der Anprallschutz durch die Feuerwehrautos wird durch runde 1m hohe Vollstahlprofile umgesetzt, welche in der Bodenplatte eingespannt werden. Die in der Fassadenebene liegenden Holzstützen sind am Stützenfuss ausgefräst und können dadurch über die Stahlstütze gelegt werden.

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