Projektnummer 20
FUNKA

Verfasser: matt architekten gmbh, FL-9493 Mauren
Projektmitarbeiter: Patrick Matt, Jonas Hasler, Philipp Entner

STÄDTEBAU

Der Neubau Feuerwehrdepot Vaduz ist der zweite Solitär neben dem Wasserwerk auf dem Werkareal der Gemeinde Vaduz. Es wird ein einfacher, rechteckiger Baukörper mit einer Abmessung von 41.5×72.5m vorgeschlagen. Das Volumen orientiert sich an der Gebäudetiefe des Wasserwerks und nimmt die Fluchten der markanten Dachauskragungen auf. Die Setzung nahe am Wasserwerk spielt südlich Platz für die oberirdische Parkierung frei und lässt grosszügig Raum für Erweiterungen. Städtebaulich ist das neue Feuerwehrdepot ein weiterer Baustein in der Reihe der Bauten zwischen Schaanerstrasse und Binnenkanal. Durch die kompakte und flächensparende Bauweise beschränkt sich die gesamte Baumassnahme auf den Bereich der ehemaligen Parzelle 1708. Der Bereich der ehemaligen Parzelle 1715 bleibt für Erweiterungen oder andere Nutzungen komplett frei.

ERSCHLIESSUNG UND AUSSENRAUM

Das Gebäude kann allseitig mit Einsatzfahrzeugen umfahren werden. Die Verkehrsfläche verbindet sich mit derjenigen des Wasserwerks was beim Rangieren auf dem Betriebsgelände vielfältige und flexible Nutzungsmöglichkeiten bietet.

Der Parkplatz mit den 70 oberirdischen Stellplätzen ist kompakt im Süden des Feuerwehrdepots angeordnet. Die Oberflächen sind versickerungsfähig gestaltet. Durch die Bepflanzung mit hochstämmigen Bäumen im Karree bildet sich ein grosszügiger, naturnah gestalteter und parkähnlicher Aussenraum an der Schaanerstrasse.

Die Lage der Umzäunung ist so gewählt, dass mit geringem Aufwand das ganze Gelände einfach geschlossen werden kann. Das bestehende Tor des Wasserwerks wird auf die Flucht der mittleren Zufahrt verschoben. Drei neue Tore ermöglichen bei geöffnetem Zustand die volle Bewegungsfreiheit auf dem Gelände. Zwei Tore verschieben sich parallel der Stirnseiten des Gebäudes und öffnen so das ganze Gelände für die interne Benutzung. Das südliche Tor regelt den PKW-Verkehr bzw. die Parkierung

ALARMFALL

Im Alarmfall erreicht die Mannschaft in Privatfahrzeugen das Feuerwehrdepot durch das südliche Tor. Die Stellplätze für PKW, Motorräder und Roller sind hier kompakt beim Haupteingang angeordnet. Die Garderoben befinden sich im Erdgeschoss in gerader Lauflinie vom Eingang zentral hinter den Fahrzeugen. Durch die kompakte Bauweise der Halle für Fahrzeuge und Anhänger sind kurze Einsatzzeiten und ein reibungsloses Ausrücken gewährleistet. Die Einsatzfahrzeuge verlassen das Feuerwehrdepot über den Vorplatz direkt auf die Schaanerstrasse in südlicher bzw. nördlicher Richtung.

RÜCKKEHR

Die Rückkehr der Einsatzfahrzeuge erfolgt über das nördliche Tor beim Wasserwerk. Die Fahrzeuge reihen sich nördlich und westlich vor der Waschbox auf. Beim gedeckten Aussenraum vor der Waschbox können die Fahrzeuge entladen werden. Hier kann auch die erste Reinigung von Atemschutz, persönlicher Schutzausrüstung sowie Schlauchmaterial erfolgen und die Ausrüstung der weiteren Reinigung und Aufbereitung in den dafür vorgesehen Werkstätten -geführt werden. Die Waschbox kann durch die Fahrzeughalle durchfahren werden, was eine rationelle Abwicklung auch einer grösseren Anzahl an Fahrzeugen ermöglicht.

GEBÄUDEKONZEPT

Das Projekt schlägt eine grosse, rechteckige Halle vor, in welche zwei Volumen eingeschoben sind. Im Südwesten ein dreigeschossiger Baukörper mit den Vereinsräumen in den Obergeschossen, den Serviceräumen der Feuerwehr im Erdgeschoss und dem Schlauchturm im Nordwesten.

Im Erdgeschoss sind alle Nutzungen angeordnet, welche mit den primären Aufgaben für den Feuerwehreinsatz in Verbindung stehen. Im 1. Obergeschoss sie die Räumlichkeiten für die Weiterbildung von Feuerwehr und Samariter sowie Räume für Technik und Hausmeister angeordnet. Die Räume für die Ausbildung können dabei zu einer zusammenhängenden Fläche verbunden werden. Im 2. Obergeschoss sind die Vereinsräumlichkeiten von Feuerwehr im Südwesten und Samariter im Osten angeordnet.

Erschlossen wird das Gebäude über den Haupteingang mit Treppenhaus an der Südfassade. Die Abmessungen sowie die im Raumprogramm geforderte Personenbelegung der Obergeschosse erlauben die Erschliessung des Gebäudes mit einem Treppenhaus. Dies stellt eine sehr ökonomische Lösung dar und spart Kosten in der Erstellung und im Unterhalt. Die Aufzüge sind zentral angeordnet. Der Warenlift kann auch direkt aus der Manövrierfläche der Fahrzeughalle bedient werden.

Das Gebäude ist konsequent auf den masslichen Vorgaben aus dem Raumprogramm aufgebaut. Auf der Längsseite 17 Achsen mit einem Rastermass von 4.50 – 16 Achsen für die Fahrzeuge und eine Achse mit der Werkstatt und dem Büro Materialwart im Erdgeschoss sowie die Einsatzzentrale mit Führungsraum und Kommandobüro im Obergeschoss. In der Tiefe gliedert sich das Gebäude wie folgt: 6.00 für das Vordach, 12.50m für die Fahrzeughalle, 3.00m Manövrier-fläche sowie zwei Mal 9.00m für die Abstellplätze der Anhänger. Die Räume im Gebäudeteil mit den Nebenräumen sind ebenfalls auf diesem Raster aufgebaut. Eine lichte Raumhöhe im Erdgeschoss ermöglicht die Integrierung der Einstellhalle für das Samariterfahrzeug in diesen Gebäudeteil und kann mit einer zweit en Ebene für die Serviceräume der Feuerwehr für die Medienführung sowie für Lager und Geräte genutzt werden. Werkstatt und Büro Materialwart sowie die Einsatzzentrale sind die Fahrzeughalle integriert und haben so einen direkten Bezug zum Geschehen im Einsatzfall.

KONSTRUKTION

Die Konstruktion des Gebäudes wird als ingenieursmässiger Holzbau auf einer Stahlbetonbodenplatte vorgeschlagen. Einzelne Bauteile wie Treppenhaus und Waschbox werden aus konstruktiven, brandschutztechnischen bzw. funktionalen Gründen in Stahlbeton erstellt und werden für die Gebäudeaussteifung herangezogen. Der Holzbau für die Bauteile Halle, Servicegebäude und Schlauchturm sind alle auf dem Grundraster des Gebäudes aufgebaut, die einzelnen Konstruktionsarten und verwendeten Werkstoffe sind an die unterschiedlichen Anforderungen und Abmessungen angepasst und optimiert. Bei der Konstruktion wird auf langlebige Details geachtet, welche den Besonderheiten des Werkstoff Holz Rechnung tragen. Das günstige Verhalten im Erdbebenfall, die guten wärmetechnischen Eigenschaften und der geringe Verbrauch an grauer Energie bei der Erstellung sind ebenso vorteilhaft. Mit der Holzbauweise kann ein nachhaltiges, energiesparendes Gebäude aus einem nachwachsenden, heimischen Baustoff von lokalen Unternehmern erstellt werden, welches darüber hinaus eine beachtliche Menge CO2 aus der Atmosphäre speichert.

HALLE

Die Längsrichtung der Halle für Fahrzeuge und Anhänger mit den grössten Spannweiten werden mit Brettschichtholz Leimbindern überbrückt. Die Auskragung des Vordachs mit 6.00 m entspricht einem Drittel der maximalen Spannweite von 18.00m im Bereich der Einstellhalle für Anhänger. In Querrichtung sind gedämmte Rippenplatten auf einer Balkenlage aufgesattelt. In der Balkenlage können die Medien der Fahrzeughalle in Querrichtung verzogen werden, ohne dass die Binder durch Aussparungen geschwächt werden müssen. Die Scheibenwirkung der Rippenplatten steift die Halle aus. Oberlichter im Manövrierbereich belichten den zentralen Bereich, welcher nicht ausreichend über die verglasten Tore mit Tageslicht versorgt wird.

SCHLAUCHTURM

Der Schlauchturm mit einer Höhe von 22.00m wird mit einer Konstruktion aus aussenliegenden, sichtbaren Brettschichtholzbalken und einer innenliegenden aussteifenden Schalung erstellt. In seiner Erscheinung erinnert er so an die landauf – landab erstellten traditionellen Funken in allen Liechtensteiner Gemeinden.

GEBÄUDETEIL BETRIEBSGEBÄUDE

Stützen und Deckengleiche Träger aus Baubuche bzw. Brettschichtholz bilden ein gitterförmiges Traggerüst, welches sich am Konstruktionsraster der Halle orientiert. Acht Joche in Längsrichtung mit einer Spannweite von 4.50m und zwei Joche in Querrichtung mit einer Spannweite von 9.00m. Decken und Wandelemente sind als Rippenplatten in diese primäre Tragstruktur eingefügt. Der Schallschutz wird mit dem Zementestrich des Bodenaufbaus sowie mit einer Splittschüttung im Deckenaufbau sichergestellt.

FASSADE

Analog dem konstruktiven Holzcharakters in den Innenräumen und der der Fahrzeughalle wird das Gebäude grösstenteils mit einer vertikalen Holzlattung verkleidet. Einzelne präzis gesetzte Holzbalken und Lisenen binden die unterschiedlichen Gebäudeteile zu einem in einander greifenden Ganzen zusammen und spiegeln dabei die innere Konstruktionslogik an der Gebäudehülle. Alle Holzelemente an der Fassade sind aus Fichtenholz, welches vorgängig natürlich gesäuert wurde, um das Material langlebiger, formstabiler und alterungsresistenter zu machen.

Ost- und Westfassade sind von den strukturellen Öffnungen mit den grossformatigen Torbändern geprägt. Die versorgen die Einstellhalle und die Werkstätten mit Tageslicht. An der Süd- und Westfassade werden die geschlossenen Wandflächen im Erdgeschoss und im Bereich des Schlauchturmes mit transluzenten, hinterlüfteten Polycarbonat-Stegplatten verkleidet. Neben einigen direkt in der äusseren Fassadenebene liegenden Lüftungsflügeln, sind Bereich der Werkstatt und der Wartungsräume grossflächigere Fenster hinter den Polycarbonat-Steg platten angeordnet und sorgen für helle, angenehme Arbeitsatmosphäre. In den mit Holz verkleideten Fassadenflächen versorgen die grosszügig gestalteten Fensterbänder Aufenthaltsräume, Schulungszimmer sowie die Erschliessung, die Einsatzzentrale und die Werkstatt mit ausreichend Tageslicht.

MATERIALISIERUNG

Fahrzeughalle, Service- und Werkstatträume im Erdgeschoss erhalten einen leistungsfähigen, robusten Hartbetonbelag mit OSB-Beschichtung. Wände und teilweise Decke im Erdgeschoss werden in Ortbeton oder mit einem eingefärbten Glattputz mit Pastellfarbton ausgeführt. Stark mit Wasser und Reinigungsmitteln beanspruchte Oberflächen sind entsprechend den Anforderungen beschichtet oder gefliest.

Die öffentlichen Bereiche und Vereinsräume des Feuerwehrdepots sind mit einer frischen Kombination aus einem hellem Terrazzoboden mit Weisszement, verputzen Wänden mit punktuellen Holzvertäfelungen und strukturell sichtbarer Holzdecken geplant.

Die Schulungsräume der Feuerwehr und Samariter verfügen über einen gemein samen Ankunftsbereich mit Garderobe und Buffet. Das breite Fensterband öffnet den Blick in die Weite auf das Panorama von Vaduz und das Schloss. Im Bereich der Aufenthalts- und Veranstaltungsräume sind zwischen den Jochträgern Akustikdecken integriert. Je nach Bedarf kann der gesamte Schulungsbereich zu einer Fläche zusammengefasst oder mit mobilen Trennwänden in einzelne Räume unterteilt werden.

ERWEITERUNGSMÖGLICHKEIT

Durch die kompakte Setzung des Feuerwehrdepots wird eine grosszügige Fläche im Süden der Parzelle freigespielt. Die frühere Parzelle 1715 wird gänzlich nicht bebaut. Die Setzung bietet das Potential für Erweiterungen unterschiedlicher Grösse. Ein allfälliger Zukauf von Parzelle 1713 und 1714 kann ebenfalls in der Erweiterung berücksichtigt werden. Die zusätzlichen Volumen können sich entweder eigenständig zur Schaanerstrasse hin stehen oder als Anbau zum neuen Feuerwehrdepot orientieren.

Je nach Szenario kann ein Teil des ebenerdigen Parkfeldes mitverwendet werden, indem im Neubau eine Tiefgarage mit direktem Anschluss an die Schaanerstrasse erstellt wird.

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