Projektnummer 18
FLORIANUS

Ortsbau

Das Areal befindet sich neben dem Wasserwerk am Siedlungsrand im Übergang zur Landwirtschaftszone und erweitert die öffentliche Zone mit Infrastrukturbauten.

Die Setzung der Baukörper nimmt Bezug zum Verlauf der “Stromlinien“ des Wasserkanals, der Schaanerstrasse und des länglich organisierten Gewerbequartiers.

Die Projektidee: Eine Höhenstaffelung beginnend mit einem niedrigen, vorgelagerten Baukörper zur Schaanerstrasse und einem höheren Baukörper im Hintergrund, dahinter die bestehende Baumreihe, welche dem Wasserkanal folgt, bis zu den emporragenden Schweizer Bergen.

Eine niedrigere Fahrzeughalle mit einem weit ausladenden Vordach zur Strasse und ein höherer Verwaltungstrakt als artikulierte Bebauungskante zum Naturraum bilden zusammen mit einem Schlauchturm ein Ensemble.

Durch diese Differenzierung und Verschiebung entsteht südseitig eine von der Schaanerstrasse klar lesbare Platzbildung mit Hauptadressen für den Verwaltungs- und Seminarbereich von Feuerwehr und Samariter sowie externe Besucher.

Nordseitig bildet sich um den Schlauchturm der Anlieferungsplatz der Feuerwehrwerkstätten nach Übungen und Einsätzen.

Konzept

Das vorgeschlagene Ensemble besteht aus einem Trio von Zweckbauten.

Der beiden linear organisierten Längsbauten sind rasterbasiert und ermöglichen eine flexible, nachhaltige Nutzung durch weitgehende Unabhängigkeit von Raum- und Tragstruktur.

Sie erscheinen in der Gestalt von zwei aneinandergefügte Bügeln in stumpf silbern schimmerndem Metallgewand. Durch den Höhenversatz dringt Tageslicht in die Gebäudetiefe.

Der Punktbau des Schlauchturm ist als Landmarke im Bezug zum Wasserwerk und Wasserkanal gesetzt und in sichtbar belassenem Beton gegossen.

Die drei Baukörper harmonieren über die Farbgebung und das abgestimmte Fugenbild, das sich bei den Längsbauten als Stossfugen des feuerverzinkten Stahlblechs und beim Turm als Schalungsbild des Sichtbetons abzeichnet und wie ein feines Gewebe alles umgarnt.

Das feuerverzinkte Material wird als Referenz zum angrenzenden Gewerbegebiet eingesetzt und setzt das Element Feuer für das neue Feuerwehrdepot dezent in Szene.

Zudem passen die durch die Verzinkung zufällig entstehenden, blumigen und kristallinen Strukturen auf den Fassadenblechen zum nahegelegenen Naturraum.

Rot und silber sind die Farben des Vaduzer Gemeindewappens. Rot ist zudem die verbindende Farbe der beiden Nutzungseinheiten Feuerwehr und Samariter. Gemeindewappen, Logos und die Gebäudebeschriftung werden in roter Signalfarbe auf den Fassaden appliziert.

Erschliessung und Umgebung

Die Entflechtung der Verkehrsströme von Privatautos und Einsatzfahrzeugen auf dem Gelände ist elementar wichtig für Blaulichteinsätze. Um die ausrückenden Feuerwehr- und Sanitätsfahrzeuge nicht zu behindern, werden die Zu-und Abfahrten der PKWs seitlich des Perimeters in Form einer Einbahnregelung organisiert.

Die geforderte Arealsicherung umschliesst das gesamte öffentliche Areal inklusive Wasserwerk einheitlich. Grosse Schiebetore zur Schaanerstrasse wirken als Filter und ermöglichen die Anbindung und Erschliessung des Geländes zum Strassenraum. Sämtliche Arealflächen werden asphaltiert, was betrieblich am zweckmässigsten und optimalsten ist.

Vor der Fahrzeughalle befindet sich der grosszügig bemessene Abstell- und Vorplatz, der im Bereich der Hallentore gedeckt ist. Hinter dem Gebäude sind Schrägparkplätze für Übungen und Einsätze angeordnet des 1. Abmarsches angeordnet.

Die südliche Parkierungsfläche ergänzt diese für den 2. Abmarsch sowie für Besucher und kann auch im Bedarfsfall als Festplatz zum Stellen eines Festzelts oder Festtischgarnituren genutzt werden.

Beim Haupteingang zwischen den versetzten Baukörpern bildet sich der Eingangsvorplatz, und letztlich beim Schlauchturm ist der Ort für Anlieferung und Abseilübungen.

Nutzungsverteilung

Grundsätzlich sind die vorgeschlagenen Raumstrukturen veränderbar und grösstenteils unabhängig von der Tragstruktur, sodass auf einen sich ändernden Flächenbedarf der unterschiedlichen Nutzungseinheiten reagiert werden kann ohne grosse Kostenfolge.

Die gewählten Erschliessungs- und Versorgungsstrukturen unterstützen dies ebenfalls nachhaltig.

Funktionsbereiche

Diese sind auf zwei Stockwerken so organisiert, dass optimale Synergien zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen entstehen und zudem Begegnungszonen geschaffen werden.

Die Fahrzeughallen mit den Ausfahrten sind verkehrstechnisch optimal direkt zur Schaanerstrasse orientiert.

Hingegen befinden sich die Aufenthalts- und Schulungsräume im oberen Stockwerk hin zum ruhigen Naturraum gerichtet.

Tragwerk

Decken

Die Decke spannen einachsig über das Grundraster von 4.50 m. Es kommen vorgespannte Elementdecken mit 9 cm Stärke zum Einsatz, die als verlorene Schalung eingebaut werden und im Regelfall einen Aufbeton von 11 cm vor Ort erhalten. Die Randfelder erhalten aufgrund der doppelten Spannweite einen Aufbeton von 21 cm.

Die Vorteile dieses Systems gegenüber konventionellen Ortbetondecken: Geringes Eigengewicht bei hoher Tragfähigkeit, Entfall einer Deckenschalung, Wirtschaftlichkeit durch hohen Wiederholungsfaktor und schnelle Bauzeit, Einsatz von Recyclingbeton möglich.

Vertikale Lastabtragung

Die einachsig gespannten Deckenplatten liegen auf vorgefertigten Trägern mit 25 cm Stärke auf. Durch die Ortbetonergänzung werden die Bauteile kraftschlüssig miteinander verbunden. Das Vordach wird von vorgespannten Trägern getragen, sodass eine schlanke Ausbildung möglich ist. Die Trägerhöhen im höheren Verwaltungstrakt berücksichtigen die Aufstockbarkeit. Die Stützen sind ebenfalls Fertigteile und werden über standardisierte Anschlusskonstruktionen mit den Trägern und Platten verbunden.

Aussteifung

Das Gebäude muss die höchste Bauwerksklasse (III) für Erdbebeneinwirkungen erfüllen. Eine regelmässige Anordnung der lastabtragenden Elemente in Grund- u. Aufriss wirkt dabei statisch günstig. Alle vorfabrizierten Elemente werden konstruktiv mit den anderen Bauteilen verbunden.

Die systemrelevanten Wände werden in Ortbetonbauweise mit 30cm Stärke erstellt und steifen das Gebäude optimal aus. Durch die Scheibenwirkung wird eine hohe Steifigkeit erzielt, die für die Erfüllung der Gebrauchstauglichkeit im Bemessungsfall Erdbeben benötigt wird.

Die leichte Bauweise der Decken mit vorgespannten Elementen reduziert die Trägheitskräfte im Erdbebenfall auf ein Minimum und erhöht so die Sicherheit des Gebäudes.

Gründung

Das Gebäude wird flach gegründet, für den Schlauchturm sind Zug- u. Druckpfähle erforderlich. Bereits in geringer Tiefe steht ausreichend tragfähiger Baugrund an.

Erweiterbarkeit

In vertikaler Richtung wird vorgeschlagen, dass der höhere Verwaltungstrakt aufgestockt werden kann und somit die Siedlungskante verstärkt akzentuiert wird.

Die Fahrzeughalle hingegen, die sich an der Nahtstelle zum angrenzenden Wohnquartier befindet, soll auch in Zukunft niedrig bleiben und somit in der Massstäblichkeit vermitteln. Die ursprüngliche Projektidee der Höhenstaffelung kann dadurch beibehalten werden.

In horizontaler Richtung lässt sich das Areal langfristig betrachtet in Richtung Süden weiter entwickeln. Mit einem infrastrukturellen Zubau liesse sich dann die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen an der Schaanerstrasse komplettieren, was den Synergiegedanken nochmals verstärken würde.

Energiekonzept und Haustechnik

Kompakte Baukörper, ein lückenloser Wärmedämmperimeter sowie der Einsatz erneuerbarer Energien für die Aufbereitung von Raumwärme und Brauchwarmwasser mittels Luft-Wasser Wärmepumpe ermöglichen einen zeitgemässen hohen Energie-Standard entsprechend den Vorgaben als Energiestadt.

Die Dachflächen der beiden Längsbaukörper werden vollflächig mit rund 3800 m2 Photovoltaikmodulen in Dünnschichttechnologie bestückt und wirken wie ein kleines Kraftwerk, das den eigenen betrieblichen Strombedarf bei weitem abdeckt und zudem die Nachbarsbauten im Quartier mitversorgt.

Einsatzszenario

Beim Ernstfall zählt jede Sekunde. Das Einrücken erfolgt grundsätzlich von hinten nach vorne.

Die Zufahrt der Einsatzkräfte erfolgt über das Einbahnregime nordseitig und führt zu den Parkplätzen entlang des Kanals. Über einen geschützten Laubengang gelangen sie zu den Garderoben und folglich zur Fahrzeughalle.

Die Ausfahrtswege sind möglichst kurz und direkt zur Schaanerstrasse orientiert und übersichtlich gestaltet ohne Kreuzungen.

Die Durchwegung der Anlage erfolgt somit ihn Querrichtung zum Gebäude. Diese Durchlässigkeit der Raumschichten ist wichtig zur Wegverkürzung bei diesen Gebäudelängen.

Die Weiss- und Schwarzbereiche sind konsequent voneinander getrennt, was nach getätigtem Einsatz oder erfolgter Übung die reibungslose Ablegen und Aufbereiten der Ausrüstung für den nächsten Einsatz ermöglicht.

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