Projektnummer 18
FLORIANUS (2. Rang)

Verfasser: Schreiber Architekten AG, FL-9490 Vaduz
Projektmitarbeiter: Hanspeter Schreiber, Oliver Bumbacher, Barbara Laukas



Ortsbau

Das Areal befindet sich neben dem Wasserwerk am Siedlungsrand im Übergang zur Landwirtschaftszone und erweitert die öffentliche Zone mit Infrastrukturbauten.

Die Setzung der Baukörper nimmt Bezug zum Verlauf der “Stromlinien“ des Wasserkanals,der Schaanerstrasse und des länglich organisierten Gewerbequartiers.

Die Projektidee: Eine Höhenstaffelung beginnend mit einem niedrigen, vorgelagerten Baukörper zur Schaanerstrasse und einem höheren Baukörper im Hintergrund, dahinter die bestehende Baumreihe, welche dem Wasserkanal folgt, bis zu den emporragenden Schweizer Bergen.

Eine niedrigere Fahrzeughalle mit einem weit ausladenden Vordach zur Strasse und ein höherer Verwaltungstrakt als artikulierte Bebauungskante zum Naturraum bilden zusammen mit einem Schlauchturm ein Ensemble.

Durch diese Differenzierung und Verschiebung entsteht südseitig eine von der Schaanerstrasse klar lesbare Platzbildung mit Hauptadressen für den Verwaltungs- und Seminarbereich von Feuerwehr und Samariter sowie externe Besucher.

Nordseitig bildet sich um den Schlauchturm der Anlieferungsplatz der Feuerwehrwerkstätten nach Übungen und Einsätzen.

Konzept

Das vorgeschlagene Ensemble besteht aus einem Trio von Zweckbauten.

Der beiden linear organisierten Längsbauten sind rasterbasiert und ermöglichen eine flexible, nachhaltige Nutzung durch weitgehende Unabhängigkeit von Raum- und Tragstruktur.

Sie erscheinen in der Gestalt von zwei aneinandergefügten Bügeln in stumpf silbern schimmerndem Metallgewand.

Durch den Höhenversatz dringt Tageslicht in die Gebäudetiefe.

Der Punktbau des Schlauchturm ist als Landmarke im Bezug zum Wasserwerk und Wasserkanal gesetzt und in sichtbar belassenem Beton gegossen.

Die drei Baukörper harmonieren über die Farbgebung und das abgestimmte Fugenbild, das sich bei den Längsbauten als Stossfugen des feuerverzinkten Stahlblechs und beim Turm als Schalungsbild des Sichtbetons abzeichnet und wie ein feines Gewebe alles umgarnt.

Das feuerverzinkte Material wird als Referenz zum angrenzenden Gewerbegebiet eingesetzt und setzt das Element Feuer für das neue Feuerwehrdepot dezent in Szene.

Zudem passen die durch die Verzinkung zufällig entstehenden, blumigen und kristallinen Strukturen auf den Fassadenblechen zum nahegelegenen Naturraum.

Rot und silber sind die Farben des Vaduzer Gemeindewappens. Rot ist zudem die verbindende Farbe der beiden Nutzungseinheiten Feuerwehr und Samariter. Gemeindewappen, Logos und die Gebäudebeschriftung werden in roter Signalfarbe auf den Fassaden appliziert.

Erschliessung und Umgebung

Die Entflechtung der Verkehrsströme von Privatautos und Einsatzfahrzeugen auf dem Gelände ist elementar wichtig für Blaulichteinsätze. Um die ausrückenden Feuerwehr- und Sanitätsfahrzeuge nicht zu behindern, werden die Zu- und Abfahrten der PKWs seitlich des Perimeters in Form einer Einbahnregelung organisiert.

Die geforderte Arealsicherung umschliesst das Wasserwerk sowie die Parkplätze, um ein Fremdparkieren für Unbefugte zu verhindern. Der Vorplatz der Fahrzeughalle wird zur Schaanerstrasse offen gestaltet, um ein schnelles und sicheres Ausrücken der Einsatzfahrzeuge zu gewährleisten. Der Mobilitätsraum wird durch eine strassenbegleitende Reihe aus hochstämmigen, heimischen Kiefern abgegrenzt, die als Filter wirkt.

Sämtliche Arealflächen werden asphaltiert, was betrieblich am zweckmässigsten und optimalsten ist.

Vor der Fahrzeughalle befindet sich der grosszügig bemessene Abstell- und Vorplatz, der im Bereich der Hallentore gedeckt ist. Hinter dem Gebäude sind Schrägparkplätze für Übungen und Einsätze des 1. Abmarsches angeordnet.

Die südliche Parkierungsfläche ergänzt diese für den 2. Abmarsch sowie für Besucher und kann auch im Bedarfsfall als Festplatz zum Stellen eines Festzelts oder Festtischgarnituren genutzt werden. Zugunsten der maximalen Nutzungsflexibilität wird auf eine Bepflanzung verzichtet.

Beim Haupteingang zwischen den versetzten Baukörpern bildet sich der Eingangsvorplatz, und letztlich beim Schlauchturm ist der Ort für Anlieferung und Abseilübungen.

Nutzungsverteilung

Grundsätzlich sind die vorgeschlagenen Raumstrukturen veränderbar und grösstenteils unabhängig von der Tragstruktur, sodass auf einen sich ändernden Flächenbedarf der unterschiedlichen Nutzungseinheiten rasch reagiert werden kann ohne grosse Kostenfolge.

Die gewählten Erschliessungs- und Versorgungsstrukturen unterstützen dies ebenfalls nachhaltig.

Funktionsbereiche

Diese sind auf zwei Stockwerken so organisiert, dass optimale Synergien zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen entstehen und zudem Begegnungszonen geschaffen werden.

Die Fahrzeughallen mit den Ausfahrten sind verkehrstechnisch optimal direkt zur Schaanerstrasse orientiert. Hingegen befinden sich die Aufenthalts- und Schulungsräume im oberen Stockwerk konsequent hin zum ruhigen Naturraum gerichtet.

Tragwerk

Die Umsetzung erfolgt vorwiegend in Holzbauweise mit heimischer Kiefer / Föhre. Die Tragelemente sind auf die erhältlichen Holzlängen abgestimmt.

Die Decken spannen einachsig über das Grundraster von 4.50 m. Es kommen Brettstapeldecken mit 140 mm Stärke zum Einsatz, die auf unverleimten, mit Eichen-Schubbolzen versehenen Holzträgern mit Querschnitt 200/1000 mm lagern. Die Randfelder erhalten aufgrund der doppelten Spannweite eine Brettstapeldecke von 240 mm.

Die Vorteile gegenüber Massivbauweise sind geringes Eigengewicht bei hoher Tragfähigkeit, Entfall einer Deckenschalung, Wirtschaftlichkeit durch hohen Wiederholungsfaktor und schnelle Bauzeit.

Die Deckenträger ruhen auf in der Bodenplatte eingespannten Fertigbetonstützen 250/500 mm (Anprallschutz) und kragen beim Hallenvordach den statischen Anforderungen und der Logik des geschichteten Trägers entsprechend verjüngt aus.

Die Trägerhöhen im höheren Verwaltungstrakt berücksichtigen die Aufstockbarkeit und sind dadurch trotz kürzerer Spannweite gegenüber der Fahrzeughalle gleich dimensioniert.

An der Nahstelle von Fahrzeughalle und Verwaltungsbau überbrückt ein paralleler Fachwerkträger aus Holz mit Zugstangen in Stahl die Spannweite der Fahrzeughalle in Längsrichtung mit nur wenigen Abstützungspunkten für mehr Komfort und Flexibilität. Ober- und Untergurte sind vom Querschnitt 200/280 mm, die Stützen 200/240 mm und die Zugstangen d = 45 mm.

Das Gebäude muss die höchste Bauwerksklasse (III) für Erdbebeneinwirkungen erfüllen. Eine regelmässige Anordnung der lastabtragenden Elemente in Grund- u. Aufriss wirkt dabei statisch günstig.

Die systemrelevanten Wände und Erschliessungskerne werden in Ortbetonbauweise mit 30 cm Stärke erstellt und steifen das Gebäude optimal aus. Durch die Scheibenwirkung wird eine hohe Steifigkeit erzielt, die für die Erfüllung der Gebrauchstauglichkeit im Bemessungsfall Erdbeben benötigt wird.

Die leichte Bauweise der Decken reduziert die Trägheitskräfte im Erdbebenfall auf ein Minimum und erhöht so die Sicherheit des Gebäudes.

Das Gebäude wird flach in Stahlbeton d = 500 mm gegründet, für den Schlauchturm sind Zug- u. Druckpfähle erforderlich.

Bereits in geringer Tiefe steht ausreichend tragfähiger Baugrund an.

Nachhaltigkeit und Grauenergie

Durch den vorwiegenden Einsatz von Vaduzer Holz für die Gebäudekonstruktion können gewaltige Mengen graue Energie gespart werden. Der Grundstoff wächst vollkommen ohne graue Energie nach und bindet zusätzlich CO2 aus der Luft.

Der vollständige Lebenszyklus vom Baustoff Holz kann im Umkreis von wenigen Kilometern stattfinden. Rohstoffabbau, Herstellung, Transport, Verarbeitung und Entsorgung liegen nur etwa 7 km auseinander.

Die Mehrfachnutzung von Holz ist optimal. Der Baum filtert CO2 aus der Luft und reinigt diese. Das Holz wird für langlebige und hochwertige Massivholzprodukte eingesetzt. Nach dem Rückbau wird es zu Holzwerkstoffen verarbeitet und kann erneut als Baustoff eingesetzt werden, bevor es zuletzt als Energiequelle genutzt wird.

Energiekonzept und Haustechnik

Kompakte Baukörper, ein lückenloser Wärmedämmperimeter sowie der Einsatz erneuerbarer Energien für die Aufbereitung von Raumwärme und Brauchwarmwasser mittels Luft-Wasser Wärmepumpe ermöglichen einen zeitgemässen hohen Energie-Standard entsprechend den Vorgaben als Energiestadt. Die Anforderungen an Minergie-A ECO werden erfüllt, was eine besonders gesunde und ökologische Bauweise garantiert.

Die Dachflächen der beiden Längsbaukörper werden vollflächig mit kristallinen Photovoltaikmodulen bestückt und wirken wie ein kleines Kraftwerk, das den eigenen betrieblichen Strombedarf bei weitem abdeckt und zudem die Nachbarbauten im Quartier mitversorgt.

Erweiterbarkeit

In vertikaler Richtung wird vorgeschlagen, dass der höhere Verwaltungstrakt aufgestockt werden kann und somit die Siedlungskante verstärkt akzentuiert wird.

Die Fahrzeughalle hingegen, die sich an der Nahtstelle zum angrenzenden Wohnquartier befindet, soll auch in Zukunft niedrig bleiben und somit in der Massstäblichkeit vermitteln. Die ursprüngliche Projektidee der Höhenstaffelung kann dadurch beibehalten werden. Die grossen Spannweiten der Fahrzeughalle können zudem ohne spätere Erhöhung der Lasten durch eine Aufstockung ökonomisch überbrückt werden.

In horizontaler Richtung lässt sich das Areal langfristig betrachtet in Richtung Süden weiter entwickeln vorbehaltlich des dazu erforderlichen Landerwerbs. Mit einem infrastrukturellen Zubau liesse sich dann die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen an der Schaanerstrasse komplettieren, was den Synergiegedanken nochmals verstärken würde.

Einsatzszenario

Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Das Einrücken erfolgt grundsätzlich von hinten nach vorne.

Die Zufahrt der Einsatzkräfte erfolgt über das Einbahnregime nordseitig und führt zu den Parkplätzen entlang des Kanals.

Über mehrere Eingänge gelangen sie zu den Garderoben und folglich zur Fahrzeughalle.

Auf Korridore wird wo möglich verzichtet, um kurze Wege und wenig Kreuzungen zu generieren. Die Ausfahrtswege sind möglichst kurz und direkt zur Schaanerstrasse orientiert und übersichtlich gestaltet ohne Kreuzungen.

Die Durchwegung der Anlage erfolgt somit ihn Querrichtung zum Gebäude. Diese Durchlässigkeit der Raumschichten ist wichtig zur Wegverkürzung bei dieser Gebäudelänge.

Die Weiss- und Schwarzbereiche sind konsequent voneinander getrennt, was nach getätigtem Einsatz oder erfolgter Übung die reibungslose Ablegen und Aufbereiten der Ausrüstung für den nächsten Einsatz ermöglicht.

Bereinigungsstufe

Auf sämtliche Kritikpunkte wurde bei der Überarbeitung eingegangen. Nebst funktionalen Verbesserungen und verkehrstechnischen Optimierungen wurde der Schwerpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt.

Das diesbezüglich im Entwurf angelegte Potential durch einen klaren strukturellen Aufbau mit moderaten Spannweiten wird nun voll ausgeschöpft durch die Konstruktionswahl in Holzbauweise mit heimischem Kiefernholz aus dem Vaduzer Wald.

Fazit

Das neue Depot für Feuerwehr und Samariter ist ein flexibel nutzbarer, funktionaler Zweckbau mit Gesicht und Strahlkraft, der nachhaltig in Struktur, Konstruktion und Materialität die betrieblichen Anforderungen des Alltags meistert.

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