Projektnummer 16
FEUER & WASSER

Verfasser: Felgendreher Olfs Köchling Architekten GmbH, DE-10961 Berlin
Projektmitarbeiter: C. Felgendreher, J. Olfs, C. Köchling, E. Zgrzebski

Subunternehmer Baumanagement: Gauer Architektur GmbH, CH-9478 Azmoos
Subunternehmer Verkehrsplaner: Tratus AG Verkehrsingenieure, CH-6460 Altdorf

Ort und Städtebau

Der Ort für den Neubau des Feuerwehrdepots Vaduz befindet sich geologisch am Rande des ursprünglichen Flussbettes des Rheins. Hier geht die flächige Talsohle über in die urwüchsig aufragenden Liechtensteiner Berge. An dieser landschaftlichen Schnittstelle entsteht ein Projekt was sich präzise auf das horizontale, durch das Fliessen des Wassers und das sorgfältige Bearbeiten des Bodens entstandene Kulturland bezieht. Ein horizontales umlaufendes Dach lenkt alle Aufmerksamkeit auf die direkte Umgebung. Richtung Strasse, auf den wichtigen Vorplatz für die Feuerwehrausfahrten, Richtung Südwesten zur Agrarlandschaft, zum Binnenkanal und zur Landschaft. Hier befindet sich alles – ausser den Fahrzeugen – was für eine Feuerwehr existenziell ist. Hier arbeiten die Menschen, hier werden sie fortgebildet, hier ruhen sie aus, hier kommunizieren sie, hier wird das gesamte Material gewartet, gereinigt und repariert. Hier findet die eigentliche Arbeit statt. Kaum ein Ort scheint dafür besser geeignet, beschattet durch die Vegetation und mit freien Blicken in die Tiefe der Landschaft Richtung Rhein.

Entlang der Schaanerstrasse reiht sich der Neubau ganz selbstverständlich zwischen den Gewerbebauten ein. Durch den leichten Rücksprung des Volumens und des Daches von der Flucht des Wasserwerkes entsteht gemeinsam mit diesem ein langgezogener Vorplatz. Subtil wird damit auf die nach Norden abknickende Schaanerstrasse reagiert. Der grosse Vorplatz mit den Toren bildet zusammen mit dem abstrakten, weithin sichtbaren Volumen des Schlauchturms die Adresse und eine eindeutige Ins-Bild-Setzung eines Feuerwehrgebäudes. Das Projekt bietet die Chance ein Feuerwehrdepot zu erstellen das allen heutigen technischen, infrastrukturellen, betrieblichen und baulichen Anforderungen entspricht. Der Vorschlag sieht vor, alle Funktionen sowohl der Feuerwehr als auch der Samariter in einem kompakten zweigeschossigen Gebäude anzuordnen. Mit der einfachen Geste eines umlaufenden grossen Vordachs richtet sich das Haus zu seiner direkten Umgebung und schafft Arbeitsräume im Freien. Das Vordach schützt vor der Witterung und dient als Sonnenschutz für alle dahinter liegende Räume.

Organisation und Konstruktion

Die Organisation des Hauses ist bestimmt durch kurze Wege, gute Sichtbeziehungen und eine hohe Nutzungsflexibilität. Herzstück bildet die grosszügige und helle Einstellhalle. Eine dreiseitige raumhohe Verglasung versorgt die Halle mit maximal viel indirektem Tageslicht. Direktes Sonnenlicht wird vermieden. Im Rücken der Halle sind auf drei Geschossen alle Personal- und Materialräume angeordnet. Die Zweiseitigkeit der Werkstätten und Lager im EG vereinfacht die Betriebsabläufe. Im Obergeschoss erschliesst ein Korridor entlang der Fassade die Schulungs- und Aufenthaltsräume. Wie bei einem simplen Betriebsgebäude betritt man die Nutzräume wie von „Aussen“. Der Korridor bildet klimatisch eine Pufferschicht. Nur die Nutzräume dahinter müssen auf 21° geheizt werden. Ihre Lage im Innern hinter einer Schicht aus gering temperierten Räumen senkt den Heizbedarf. Geplant ist ausserdem im Obergeschoss ohne mechanische Lüftung auszukommen. Durch Öffnungsflügel kann überall quergelüftet werden und so auf die klimatischen Gegebenheiten im Rheintal eingegangen werden. Neben der natürlichen Verschattung durch das Vordach schützt ein aussenliegener Sonnenschutz vor zuviel Wärmeeintrag und Blendung. Die Räume können z.B. bei Veranstaltungen grosszügig geöffnet werden.

Drei Treppen ermöglichen kurze Wege und gute Schaltbarkeit der Funktionen. Die Anordnung derErschliessungskerne ermöglicht es, dass jede Person innerhalb von 35m ins Freie gelangt. Das erspart brandfallgesteuerte Türen und die kostspielige Ausbildung von Brandschutzverglasungen und -türen im Korridor. Die rohen und unterhaltsarmen Materialien Beton, Metall, Holz & Glas werden jeweils dort eingesetzt wo sie ihre Stärken am besten zeigen können. Die primäre Tragstruktur aus regionalem Nadelholz reduziert die vertikal tragende Elemente im Gebäudeinnern zu Gunsten des Betriebs. Untergeschoss, Treppenhaus und Liftwände werden in Recyclingbeton erstellt und gewährleisten die Erdbebensicherheit. Die Primärstruktur ist so ausgelegt, dass der südwestliche Teil als Holzbau bis auf 21m aufgestockt werden kann. Im Falle einer Aufstockung werden die drei Treppenhauskerne vertikal fortgeführt und mit einer Abschlusstür im Obergeschoss ausgerüstet. Die Fassade besteht umlaufend aus einer Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Aluminium, bzw. verzinktem Stahl in den stärker beanspruchten Bereichen. Die gesamte, elementierte Konstruktionsart bietet einen hohen Grad an Vorfertigung, eine hohe langfristige Flexibilität und sehr gute Rückbaubarkeit.

16