Projektnummer 04
FEUER UND EIS

Verfasser: CHRISTEN ARCHITEKTURBÜRO, FL-9496 Balzers
Projektmitarbeiter: Adrian Christen, Tobias Krieg, Christian Schoop (Statik/Holzbau), Gabor Gyenese (3D)

Konzept:

Das kupferrote Feuerwehr- und Samariterzentrum bildet zusammen mit dem eisblauen Wasserwerk ein markantes Ensemble an diesem gut erschlossenen Standort der Gemeindebetriebe Vaduz. Die beideneigenständigen, zueinander versetzten Bauten stehen auf einer gemeinsamen Platzfläche und sind überdie Erschliessung miteinander verbunden. Das kompakte, rechteckige Gebäude mit den Übereckausschnitten und dem markanten Schlauchturm wird mit einer Fassade aus perforierten Kupferwellplatten ummantelt. Mit den ebenfalls mit dieser lichtdurchlässigen Fassade überzogenen Toren, Nebentüren und Nebenfenstern entsteht ein ruhiger, «möbelartiger» und auch etwas geheimnisvoller Baukörper analog dem Wasserwerkgebäude.

Erschliessung/ Einsatzablauf:

Die Einsatzausfahrt erfolgt über den übersichtlichen Vorplatzbereich, der – gemäss der Fragenbeantwortung – zur Strasse hin offen gestaltet werden kann. Seitlich erfolgt der Abschluss zu den Parkplätzen, den Zugängen und zum Wasserwerk mit einer durchgehenden Zaunanlage, die mit den entsprechenden automatischen Toranlagen bei den Ein- und Ausfahrten ausgerüstet wird. Sämtliche Zugänge und Zufahrten sind kreuzungsfrei zur Feuerwehrausfahrt erschlossen.

Über den grosszügig dimensionierten Haupteingang ist die Garderobenzone schnell erreichbar, die direkt vor der mit Tageslicht belichteten (Oblicht, Sektionaltore) und stützenfreien Fahrzeughalle liegt. Im ersten Obergeschoss sind die Räume der Einsatzleitung angeordnet, aus denen auch die Halle, der Vorplatz und die Entladezone überwacht werden.

Nach dem Einsatz werden die Fahrzeuge auf der südöstlichen Entladezone direkt vor den Werkstatträumen AS/SP/PSA entladen. Das Personal betritt diese Räume separat über einen gedeckten Reinigungsbereich (Stiefel, Ausrüstung, usw.). Nach Rückgabe der Ausrüstung führt der Weg im Schwarz-Weiss-Prinzip über die Halle wieder in den Garderobenbereich. Die Fahrzeuge fahren nach dem Abladen im Kreisverkehr zur Waschbox mit angrenzendem Treibstofflager und werden danach über den Vorplatz wieder in der Halle abgestellt. In der Halle sind die erforderlichen Fahrzeuge, Anhänger, Module und das Hochregallager untergebracht. Die zusätzlichen Lagerräume im Obergeschoss sind sowohl mit dem zentralen Warenlift, als auch mit dem Hubstapler aus der Halle erreichbar.

Samariter:

Das ins Gebäude integrierte Samariterzentrum verfügt über einen eigenen Zugang auf der Gebäudewestseite. Fahrzeuge und Lager sind ebenerdig zugänglich und die Mannschafts- und Ausbildungsräume sind direkt darüber liegend angeordnet und über eine vom Feuerwehrbereich separierte Erschliessung zugänglich.

Ausbildung/ Aufenthalt:

Die auch gemeinsam nutzbaren Ausbildungs- und Nebenräume der Feuerwehr und der Samariter sind im zweiten Obergeschoss angeordnet und über die zwei separaten und erweiterbaren (Aufstockung) Erschliessungen auch zur Fremdnutzung gut zugänglich. Eine grosszügige Terrasse auf dem mit Oberlichtern und Solarflächen ausgerüsteten Dachgarten (Bioreservat) ist sowohl vom separaten Aufenthaltsraum der Feuerwehr als auch aus dem gemeinsamen Ausbildungsbereich zugänglich.

Statik Fahrzeughalle:

Die Fahrzeughalle wird mit etwa 30m langen Holzträgern überspannt, welche auf Holzstützen gelagert sind. Die Träger werden als Zwillingsbinder von 40cm Breite erstellt und erreichen mit einer Höhe von 170cm die geforderten Nutzungszustände. Als sekundäres Tragwerk sind vorgefertigte Holzelemente eingesetzt und bilden die erforderliche Deckenscheibe zur Gesamtstabilität. Fundiert wird die Halle auf Einzelfundamenten mit einer dazwischen gelagerten Bodenplatte.

Statik Betriebsräume:

Die Betriebsräume werden ebenfalls in einer Holzkonstruktion erstellt. Aufgrund der Stabilität und des Brandschutzes werden die vertikalen Fluchtwege und Erschliessungen in Ortbeton ausgeführt, eine Kombination, die sich bei vielen Bauten bewährt hat. Die Geschossdecken werden insbesondere auf die Gebrauchstauglichkeit infolge Schwingungen (Schallschutz) und Brandschutz dimensioniert. Vorgesehen sind vorgefertigte Holz-Beton Verbundelemente. Diese weisen eine hohe Effizienz aus und es besteht die Möglichkeit zu einer nahtlosen Aufstockung der Gebäude. Bei der Konstruktion ist darauf zu achten, dass kein liegendes Holz im primären Tragwerk eingebaut wird. Somit und mit dem Einsatz von hochfesten Holzarten (Laubholz) kann im modernen Holzbau problemlos sechsgeschossig gebautwerden. Die Stabilisierung erfolgt über die Betonkerne und Wandelemente in Holz. Ob eine Flachfundation möglich ist, müssen geologische Aufschlüsse zeigen. Die vorgeschlagene Konstruktion entspricht den Anforderungen an Statik, Gebrauchstauglichkeit und Brandschutz.

Energie/ Gebäudetechnik:

Aus der zentral angeordneten Haustechnikzentrale im Obergeschoss werden alle Medien mit kurzen Wegen erschlossen. Die horizontale Verteilung erfolgt offen (Halle) oder über abgehängte Decken, zum Beispiel in den Gangzonen, und mit vertikalen Schächten in den Nebenräumen. Das beheizte Volumen ist im Gebäudeteil der Betriebsräume kompakt zusammengefasst mit möglichst geringem Aussenflächenanteil und einem optimierten Fensteranteil. Der ebenfalls gedämmte Gebäudeteil der Fahrzeughalle schmiegt sich zweigeschossig an die Betriebsräume und benötigt dadurch keinen oder nur einen kleinen Wärmebedarf.

Gebäudeaufstockung:

Der L-förmige Gebäudeteil mit den Betriebsräumen und den zwei vertikalen Erschliessungszonen kann linear oder abgestuft als Riegelbau oder auch als Winkelbau bis zum Schlauchturm erweitert bzw. aufgestockt werden.

Konstruktion/ Materialisierung Betriebsräume:

Dach: extensiv begrünt, Wassersperre, Holzkonstruktion mit Wärmedämmung, Installationsraum, Akustikdecke Holz perforiert

Aussenwand: unterschiedlich stark perforierte Kupferplatten mit Wellenprofil (Option Streckmetall), z.B. Tecu Classic coated, damit der Kupferton bleibt, Unterkonstruktion, diffusionsoffene Wetterschutzfolie «feuerwehrrot», Holzkonstruktion mit Wärmedämmung, Installationsraum, Holzschalung

Dachabschluss, umlaufende Fenstereinfassungen und Untersichten der Vordächer sind ebenfalls in Kupfer ausgeführt.

Fenster/ Sonnenschutz: Holz-Metall Fenster mit aussenliegendem Sonnenschutzrollo und sturmsicherer Führungsschiene (Option Rafflamellen).

Zwischenboden/Decke: Hartzementboden geschliffen, Trittschall, Holzzement-Verbunddecke, Installationsraum, Akustikdecke Holz perforiert

Boden Erdgeschoss: Hartzementboden geschliffen, Trittschall, Hartdämmung mit Feuchtesperre, Betonplatte, Perimeterdämmung mit Schaumglas

Konstruktion/ Materialisierung Fahrzeughalle:

Dach (begehbar): intensiv begrünt (Bioreservat), Wassersperre, Wärmedämmung, Holzträgerkonstruktion mit zwischengespannten

Holzdeckenelementen

Dachaufbauten mit Fenster (Nordlicht) und Solarflächen auf Dachschrägen als gedämmte Holz/Metallkonstruktion

Aussenwand: dito Betriebsräume

Tore: Sektionaltore mit Glaseinsatz gedämmt, Aussenseite mit perforierten Kupferwellplatten belegt dito Fassade

Boden: Zementüberzug PU-beschichtet, Bodenplatte, Perimeterdämmung mit Schaumglas

04