Projektnummer 17
feuer & flamme

Verfasser: Büchel Architektur AG, FL-9492 Eschen
Projektmitarbeiter: Alwin Büchel, Nadine Gerner, Sascha Oh

Ortsplanerischer Ansatz

Die Funktionalität des Gebäudes steht bei unserem Entwurf im Mittelpunkt. Auf Grund des vorgegebenen Bauperimeters und des betrieblichen Ablaufs: Einfinden im Depot, Ausrücken im Ernstfall und Rückkehrvom Einsatz ergibt sich die ortsplanerische Lösung mit den beiden Ein- und Ausfahrten und der Alarmausfahrt. Die Einsatzfahrzeuge müssen in einem Ereignisfall rasch ausrücken, während weitere Einsatzkräfte sich erst noch im Depot einfinden und dafür das Gebäude über eine separate Zufahrt erreichen und auf der Süd- und Westseite des Gebäudes parken können.

Die Fahrzeughalle mit 16 Fahrzeugboxen für die Feuerwehr, einer Fahrzeugbox für das Samariterfahrzeug sowie die Waschbox und die Einsatzzentrale orientieren sich ostseitig zur Schaanerstrasse hin.

Der Fahrzeughalle vorgelagert ist ein grosszügiger, eingezäunter Vorplatz. Für den Alarmfall steht direkt vor der Einsatzzentrale und vor den Hauptrettungsfahrzeugen wie TLF, RW und HBR sowie Samariterbus die gesicherte Alarmausfahrt zur Verfügung. Eine weitere Ein- und Ausfahrt beim Wasserwerk dient sowohl dem Wasserwerk wie auch rückkehrenden Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr und des Samaritervereins. Kontaminierte Einsatzfahrzeuge und Gerätschaften kommen über diese retour und können im rückwertigen Bereich des neuen Gebäudes die Schwarzweisstrennung vornehmen, während nicht kontaminierte Fahrzeuge direkt über den Vorplatz die Fahrzeughalle erreichen. Die Waschbox ist eine autonome Raumzelle, welche zweiseitig zugänglich und somit durchfahrbar ist. Sie kann somit neben der Feuerwehr auch den Samaritern und dem Wasserwerk zur Verfügung gestellt werden, ohne dass dabei der Feuerwehrbereich tangiert wird.

Die Lage des Schlauch- und Übungsturms ergibt sich auf Grund einer konsequenten Schwarzweisstrennung und der optimierten Arbeitsabläufe der Feuerwehr. Der Schlauchturm ist sowohl vom Schlauchpflegebereich wie auch direkt vom Aussenbereich zugänglich.

Alarm!

Einsatzkräfte treffen über die südliche Einfahrt im Depot ein. Die ersteintreffenden parken unmittelbar beim Eingang an der Südwestseite des Gebäudes, während weiter eintreffende Einsatzkräften südlich des Gebäudes genügend zusätzliche Parkplätze zur Verfügung stehen. Die Feuerwehr hat vom Parkplatz einen direkten Zugang ins Depot. Die Feuerwehrleute erreichen von hier aus unmittelbar die Einsatzzentrale und den Führungsraum sowie die Garderoben und die Fahrzeughalle, um im Alarmfall rasch ausrücken zu können.

Ereignisse in jeder Grösse!

Unmittelbar bei der Einsatzzentrale befindet sich auch der Führungsraum, mit direktem Zugang zurEinsatzzentrale und zum Kommandobüro, sowie das Materialwartbüro. Von hier aus können Einsätze jeder Grössenordnung optimal koordiniert werden. Sämtliche Einsatzakten, Funk, Telefon, Computer usw. stehen hier zur Verfügung und ein naher Bezug zu Fahrzeughalle und Vorplatz ermöglicht es die Einsatzkräfte von hier aus geordnet, mit den richtigen Gerätschaften ausgerüstet, zum Schadenplatz hin zu koordinieren sowie die Einsatzleitung vor Ort mit allen möglichen Informationen zu versorgen und zu unterstützen.

Rückzug!

Über die gemeinsame Ein- und Ausfahrt beim Wasserwerk kommen die Einsatzkräfte zurück ins Depot. Bei der Waschbox und Anlieferung/Grobreinigung beginnt die Schwarz-Weiss-Trennung und das Retablieren der Gerätschaften. Über einen stehts frei zugänglichen 3.0 Meter breiten Manövrierbereich werden sämtliche Bereiche funktional mit der Fahrzeughalle und dem Modullager erschlossen. Über diesen Manövrierbereich können sowohl Einsatzkräfte wie auch für den Einsatz erforderliches Material ungehindert zu den entsprechenden Fahrzeugen und Anhägern gebracht und zugeladen werden.

Kameradschaft und Schulung!

Im Obergeschoss befinden sich die Aufenthalts- und Sozialräume von Feuerwehr und Samariter sowie die Schulungsräume, welche im Bedarfsfall eine Mehrfachnutzung erfahren können. Die Bereiche sind dabei klar getrennt und über zwei Treppenhäuser mit Personen- und Warenlift erschlossen. Zwischen den beiden Vertikalerschliessungen befindet sich ein grosser Schulungs- und Mehrzweckraum, welcher von der Feuerwehr wie auch von den Samaritern genutzt werden kann.

Dieser Raum lässt sich auf verschiedene Arten in kleinere und grössere Räume unterteilen und ermöglicht es hier Kurse mit mehreren, unterschiedlich grossen Arbeitsplätzen abzuhalten. Den Schulungsräumen vorgelagert befindet sich ein Vorraum mit den entsprechenden WC Anlagen, sowie eine gedeckte Terrasse welche bei Pausen verwendet werden kann.

Vertikalerschliessung und Erweiterungsmöglichkeiten

Die im südlichen Gebäudeteil angeordnete Vertikalerschliessung dient als Haupterschliessung, welche neben den zwei Hauptebenen, dem Erdgeschoss und dem 1. Obergeschoss, auch die Technikräume im Untergeschoss, sowie das Flachdach im 2. Obergeschoss erschliesst. Hier wurde der Eingangsbereich und das Treppenhaus grosszügig dimensioniert, um einer allfälligen Aufstockung nachhaltig gerecht zu werden. Es ist ausreichend Platz vorhanden, um im Bedarfsfall einen weiteren Personenlift einbauen zu können. Auf Grund der Länge des Gebäudes haben wir uns für eine zweite Vertikalerschliessung entschieden. So können verschiedene Gebäudeteile auch künftig unabhängig voneinander erschlossen werden und die Maximallänge der Fluchtwege wird nicht überschritten.

Auf ein 2. Obergeschoss haben wir in unserem Entwurf praktisch gänzlich verzichtet. Wir haben in unserem Projekt lediglich die Vertikalerschliessung bis ins 2. Obergeschoss geführt um so für Wartungszwecke bequem aufs Flachdach zu gelangen und für eine allfällige Aufstockung hier schon parat zu sein. Spätere bauliche Eingriffe in die Erschliessung bleiben dadurch erspart.

Um insbesondere bei der Feuerwehr optimierte Abläufe zu bekommen, ergibt sich die Raumeinteilung des Erdgeschosses mit den entsprechenden Raumhöhen. Die Summe der Geschosshöhen von Erdgeschoss und Obergeschoss ergibt die Höhe der Fahrzeughalle, welche mit 6.40 m um 40 cm höher ist als es das Raumprogramm verlangt. Dadurch ergibt sich eine einheitliche Deckenoberkante, welche eine spätere Aufstockung problemlos ermöglicht. Das Flachdach wird mit einer Gefällsdämmung und extensiver Dachbegrünung ausgeführt. Alternativ kann auch ein Gefällsüberzug und ein Umkehrdach ausgeführt werden. Der Dachaufbau kann im Falle einer Aufstockung entfernt werden, um auf ebenem Untergrund, ohne Niveauunterschiede über das komplette Geschoss ein weiteres Geschoss zu errichten.

Materialisierung Aussenhülle

Eine hinterlüftete, bronzefarbige Metallfassade mit senkrechter Metallprofilstruktur lassen das 100 Meter lange Gebäude kürzer und weniger flach erscheinen.

Die in Bänder zusammengefassten Fenster unterscheiden sich in Struktur und Farbgebung zur Hauptfassade und unterstützen diesen Effekt zusätzlich. Der Bereich der Einsatzzentrale und des Führungsraums ist bewusst in den Vorplatz vorgeschoben und ebenso wie die Fensterbänder in einer anderen Farbgebung und Struktur zur Hauptfassade gehalten. Dieser Gebäudeteil wird dadurch bewusst herausgehoben und dessen Wichtigkeit kommt an der Fassade zum Ausdruck. Durch die grosse Rundumverglasung der Einsatzzentrale und des Führungsraumes wird eine gute Übersicht geschaffen, welche aber auch externe Einblicke in diese Bereiche ermöglichen. Um diese allenfalls störenden Einblicke zu verhindern kann mittels Aussenrollo (Screen) Abhilfe geschaffen werden. So hat man trotzdem von innen nach aussen freies Sichtfeld, externe Einblicke in die Einsatzzentrale und in den Führungsraum können aber vermieden werden.

Materialisierung Innen

Die Materialisierung und Farbgebung ist im Wesentlichen auf vier Materialien und Farbtöne reduziert. In der Fahrzeughalle und den Lager- und Werkstatträumen sind Wände und Decken ausschliesslich in Sichtbeton gehalten. Nasszellen werden gefliest. Glatte Eichenrahmentüren, die Eichenrahmen der Fenster und der gelbe PU-beschichtete Boden werden mit dem grau des Betonskombiniert. Die Farben und Materialien sind hell und robust. Sie erzeugen zusammen mit den vorwiegend roten Gerätschaften der Feuerwehr eine leichte und freundliche Atmosphäre.

In den Sozial- und Schulungsräumen kommen zu dieser Farbgebung einzelne weiss verputzte Wände und unifarbige Möbel und Einrichtungsgegenstände hinzu.

Statisches Konzept

Um das Gebäude wirtschaftlich in der Bauwerksklasse III errichten zu können und eine allfällige

spätere Aufstockungsmöglichkeit zuzulassen, haben wir uns für eine durchgängige

Stahlbetonkonstruktion entschieden. Sämtliche Wände und Decken werden in Stahlbeton

ausgeführt und können Vertikalkräfte wie auch Horizontalkräfte mit relativ schlanken Querschnitten

aufnehmen und ableiten. Bei der Fahrzeughalle, mit einer maximalen Spannweite von 20.60 m,

werden vorgespannte Betonträger eingesetzt und darüber eine Betondecke als horizontal

aussteifende Scheibe errichtet. Am südöstlichen und nordwestlichen Teil des Gebäudes, sowie über

die gesamte Südwestseite des Gebäudes sind ausreichende Wandscheiben vorhanden, um das 100

Meter lange Gebäude horizontal normkonform aussteifen zu können.

Die Betonträger sind im Entwurfskonzept mit einer Höhe von 1.10 m konzipiert was für das Flachdach (Eigengewicht und Schneelast) ausreichend ist. Im Falle einer Aufstockung muss konkret definiert werden, mit welchen zusätzlichen Lasten zu rechnen ist. Der Entwurf lässt es zu, die Träger um 80 cm auf 1.90 m zu erhöhen, bis die minimal geforderte Durchfahrtshöhe von 4.50 m bei den Trägern erreicht ist. Sollte dies nicht reichen, um die zusätzlichen Lasten aufnehmen zu können, müssten zusätzliche Stützen zwischen Fahrzeughalle und Einstellplatz-Anhänger eingebaut werden. Die Fundation könnte allenfalls schon entsprechend vorbereitet und die Stützen zu einem späteren Zeitpunkt nachgerüstet werden.

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