Projektnummer 19
Elliot

Verfasser: Ospelt Strehlau Architekten AG, FL-9494 Schaan
Projektmitarbeiter: Denise Ospelt Strehlau, Ekaterina Minaeva, Julia Beck

Situation und Erschliessung

Das neue Feuerwehrdepot liegt in einer industriellen, lärmunempfindlichen Umgebung. Erreichbarkeit, Zu- und Wegfahrt der Einsatzfahrzeuge erfolgen unter Berücksichtigung des Mobilitätsraumes direkt und einfach über die Schaanerstrasse. Die arealinterne Erschliessung verläuft über eine separate Ein- und Ausfahrt im Einbahnverkehr und ermöglicht einwandfreie funktionale Abläufe. Die Parkplätze befinden sich im südlichen und westlichen Teil des Gebäudes und sind für das Feuerwehrdepot und das Samariterdepot ideal gelegen. Die arealinterne Erschliessung und Parkierung erfolgt unabhängig und tangiert die ausrückenden Fahrzeuge im Ernstfall nicht. Die Parkplätze für das Wasserwerk befinden sich an der Nordfassade des Feuerwehrgebäudes.

Organisation und Raumprogramm

Die Bereiche Feuerwehrdepot und Samariterdepot sind zwei voneinander getrennte Nutzungen mit jeweils eigenen Eingängen und Parkierungsmöglichkeiten. So befindet sich der Zugang zum Feuerwehrdepot im Süden und der Zugang zum Samariterdepot im Westen. Die beiden Nutzungen funktionieren unabhängig und eigenständig voneinander. Die Aufenthalts- und Schulungsräume von Feuerwehrdepot und Samariterdepot sind jeweils separat erschliessbar und so auch für ausserschulische Zwecke nutzbar. Das neue Feuerwehrdepot zeichnet sich aus durch eine funktionale Raumanordnung, kurze Wege und eine konsequente Schwarz-Weiss- Trennung. Verkehrsführung und Betriebsabläufe generieren optimale Bedingungen für den Einsatz im Ernstfall. Die Einstellhalle bietet Platz für Fahrzeuge, die im Ernstfall ohne Behinderung direkt ausrücken.

Material und Gestaltung

Das Gebäude der neuen Feuerwehr basiert auf einer klaren Gebäudestruktur. Das Farb- und Materialkonzept ist hell, warm und robust. Die tragenden Wände im Inneren bestehen aus Beton. Die Fenster sind aus Holz-Aluminium, aussen farblos eloxiert und innen aus Holz. Die Aussenhülle wird mit vorpatiniertem, imprägniertem Holz verkleidet und garantiert eine unterhaltsarme und robuste Oberfläche. Die Gestaltung der Fassade sorgt für eine lange Lebensdauer und begünstigt eine flexible Raumeinteilung im Inneren. Das ganze Gebäude ist behindertengerecht konzipiert und strahlt eine ruhige und wohnliche Atmosphäre aus.

Energie und Gebäudetechnik

Das kompakte Grundrisslayout wird als Massivbau im Minergie-Eco Standard vorgeschlagen. Alle relevanten Materialien sind ökologisch und gewährleisten eine lange Lebensdauer. Die Tragstruktur wird in Recyclingbeton erstellt und reduziert den Anteil an grauer Energie. Die Erstellung als Massivbau gewährleistet zudem einen guten Schallschutz und die Nutzung von passiven solaren Gewinnen. Für die Optimierung der Wärmeverluste werden grossflächige Bereiche im Gebäude nur teilbeheizt beziehungsweise temperiert. Die Trennbauteile zwischen Zonen unterschiedlicher Temperatur werden gedämmt. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine Fussbodenheizung resp. über thermisch aktivierte Bauteilsysteme. Damit sind sehr tiefe Vorlauftemperaturen möglich, was die Effizienz der Heizungserzeugung mit einer Wärmepumpe stark erhöht. Zur Gewährleistung einer guten Raumluftqualität werden sämtliche Räume über eine flexible mechanische Lüftungsanlage beund entlüftet.

Da der Warmwasserbedarf eher gering ist und unregelmässig anfällt, wird auf Solarthermie verzichtet. Stattdessen soll eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach zur Anwendung kommen, die die gewonnene Energie durch Netzeinspeisung auch in der Ferienzeit optimal nutzen kann.

Tragkonstruktion

Deckenspannweiten

Dem Wunsch nach moderaten Deckenstärken kann bei den peripher angeordneten Nutzräumen (Samariter, Schulung, Feuerwehr) entsprochen werden, da sich hier die Deckenspannweiten mit l=5 bis 8m auf das Wandraster abstimmen lassen. Für den Bereich Einstellhalle und Lager Samariter wird bei Bedarf eine flächenhafte Vorspannung eingesetzt. Die maximale Decken- spannweite von ca.16m in der Fahrzeughalle erfordert die Verstärkung mit vorgespannten Unterzügen, die beim nordseitig auskragenden Vordach verjüngt werden können. Falls diese Dachdecke als Umkehrdach mit Gefälle im Beton ausgebildet wird, ist eine spätere Verstärkung mit z.B. nachträglich appliziertem Aufbeton möglich; damit kann deren Tragfähigkeit hinsichtlich einer geplanten Aufstockung erhöht werden.

Aufstockung

Eine spätere Aufstockung soll Bestandteil des Vorprojektes sein und hinsichtlich des Tragsystems sowie der anzusetzenden Nutzlasten in den Obergeschossen verbindlich definiert werden. Diese Erweiterung ist bevorzugt im südöstlichen Gebäudeteil zu konzipieren, damit auf die Decke der Fahrzeughalle keine, oder  allenfalls nur moderate Zusatzlasten aufgebracht werden. Auf die Auskragung der Fahrzeughalle sollten keine Aufstockungslasten aufgebracht werden, um das statische Konzept effizienthalten zu können.

Erdbebensicherheit

Die Einteilung in die Bauwerksklasse III erfordert zusätzlich zum Nachweis der Tragsicherheit eine Begrenzung der horizontalen Verformungen des Tragwerks. Dies wird durch entsprechend angeordnete, durchgehende Tragwände aus Ortbeton sichergestellt, um ein steifes Verhalten zu erzielen. Bevorzugt sind diese an der Peripherie anzuordnen, so dass eine stetige Weiterführung bei einer allfälligen Aufstockung sichergestellt werden kann. Obwohl laut geologischemBefund eine Flachfundation möglich ist, sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen, um die Horizontalkräfte (inkl. Aufstockung) sowie die daraus resultierende Biegebeanspruchung der Tragwände verformungsarm in den Baugrund einleiten zu können. Die zusätzlich geforderte Sicherung von nichttragenden Einbauten und Anlagen ist Bestandteil einer integralen Planung in Zusammenarbeit mit den weiteren Fachplanern. Für entsprechend gefährdete Bauteile wie z.B. freigeführte Leitungen sowie überhohe Regale müssen zwingend Nachweise zur erdbebensicheren Befestigung erbracht werden.

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