Projektnummer 22
Birds

Verfasser: Kuithan Architekten GmbH, Dipl. Architekten ETH SIA, CH-8045 Zürich
Projektmitarbeiter: Helene Kuithan, Hendrik Thielemann

Projektidee

Das Projekt «Birds» schlägt ein kombiniertes Feuerwehr- und Samariterdepot vor, das die beiden Nutzungen mit ihren spezifischen Anforderungen in einem einfachen und trotzdem voneinander unabhängigen Betrieb unter einem Dach vereint.

Architektur und Städtebau

Der kompakte, zur Schaanerstrasse leicht zurückversetzte Baukörper nutzt die gesamte Länge der Parzelle aus. Das neue Feuerwehrdepot schliesst die Reihe der bestehenden Bauten mit einem flachen, langgezogenen Volumen ab. Der Baukörper differenziert sich durch Versprünge an den Stirnseiten sowie den markanten Schlauchturm. Ein weiteres Element sind die prägnanten Vordächer, die sich auf unterschiedlichen Höhen jeweils um die Gebäudeecke ziehen.

Das Gebäude liegt mitten in der befahrbaren Fläche und ist von allen Seiten zugänglich. Im Sinn einer klaren Nutzungstrennung sind die verschiedenen Funktionen auf die Gebäudeseiten verteilt. Vordächer auf unterschiedlichen Höhen akzentuieren die unterschiedlichen Teilbereiche.

Die Fahrzeughalle, wird zur Schaanerstrasse organisiert. Die Feuerwehrautos können direkt ohne Kreuzung mit anderen Fahrzeugen ausrücken. An der Stirnseite im Südosten markiert der Schlauchturm den Eingang zur Feuerwehr. Der Neubau wird als öffentliches Gebäude im Strassenraum wahrgenommen. An der Stirnseite im Nordwesten liegt der Eingang zum Samariterdepot An der Längsseite zum Kanal befindet sich der öffentliche Eingang mit direktem Zugang zum Warenlift. Alle Eingänge sind von Vordächern geschützt.

Mit der Definition funktional eindeutiger Zugänge wird die Verkehrsführung der einzelnen Nutzergruppen entflochten. Der Betrieb der einzelnen Nutzungen kann unabhängig voneinander ohne Beeinträchtigungen stattfinden. Das Areal wird in Teilbereichen mit einem Zaun eingefasst.

Das Verkehrskonzept vermeidet Kreuzungspunkte. Bis auf den Vorplatz zur Fahrzeughalle wird das gesamte Areal gemäss den Vorgaben eingezäunt. Alle Parkplätze liegen im eingezäunten Bereich. Die Erschliessung mit PW legt sich ringförmig um das Gebäude (Einbahnverkehr).

Innere Organisation

Das kompakte Volumen hat eine einfache Gebäudestruktur und ermöglicht eine effiziente Flächennutzung. Die Fahrzeughalle bildet als Verteilraum das Herz der Anlage. Alle wesentlichen Räume im Erdgeschoss werden direkt von der Halle erschlossen. Alle weiteren Nutzungen sind ringförmig um die Halle angeordnet. Unter dem rückwärtigen Vordach zum Kanal befindet sich der Schwarzbereich. Von hier können die Garderoben und alle Werkstätten direkt erreicht werden.

Im Obergeschoss sind alle Schulungs- und Seminarräume sowie die Aufenthaltsräume organisiert. Die Schulungsräume können einfach in Einzelräume unterteilt werden. Alle Arbeitsräume sind natürlich belichtet und belüftet.

Konstruktion und Materialisierung

Für die Konstruktion wird ein Holzbau vorgeschlagen. Diese wirtschaftliche, dauerhafte und nachhaltige Bauweise garantiert einen schnellen und einfachen Bauprozess.

Die stützenfreie Halle wird von grossen Brettschichtholzträgern überspannt, auf denen vorfabrizierte Elemente liegen. Wand- und Deckenelemente werden ebenfalls vorfabriziert. Die Vordächer bestehen aus verkleideten Stahlkonstruktionen und werden thermisch entkoppelt an die Brettschichtholzträger montiert.

Der Projektvorschlag geht davon aus, dass eine zukünftige Aufstockung des Gebäudes auf 22 m sich auf den nordwestlichen Teil bezieht (Raumschicht über den Seminarräumen). Hier sind die Spannweiten nicht gross und die Erschliessung funktioniert über die bestehenden drei Treppenhäuser. Daher wird die Fahrzeughalle stützenfrei vorgeschlagen. Um eine zusätzliche Raumschicht gegen Südosten zu realisieren, müsste eine weitere Ebene Stützen zwischen Fahrzeugstellplätzen und Anhängerstellplätzen eingeführt werden, die die vertikalen Lasten abträgt. Die Option einer Aufstockung wäre im weiteren Projektverlauf zu präzisieren. In diesem Zusammenhang ist auch eine hybride Konstruktion zu prüfen.

Für die äussere Fassadenverkleidung sind grossformatige, lasierte Holzwerkstoffplatten vorgesehen. Der Sockel wird in Sichtbeton ausgeführt, der Dachrand und alle Abschlussbleche in Aluminium. Holz-Netallfenster und Falttore sid auch in Aluminium projektiert. Für den äusseren Sonnenschutz werden farbige Stoffstoren vorgeschlagen.

Der Innenausbau aus einfachen und dauerhaften Materialien richtet sich nch den Bedürfnissen der künftigen Nutzer. Für den gesamten Neubau sind Baumaterialien mit geringer Umweltbelastung bei der Herstellung und Verarbeitung vorgesehen, welche zugleich schadstofffreie Innenräume garantieren.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Der bewusste Materialeinsatz und der hohe Anteil an vorgefertigten Bauteilen im Holzelementbau beeinflussen die Ökologie und die Ökonomie positiv. Die geringen Massen der Tragwerkskonstruktionen als Folge des konsequenten Einsatzes von Holz für die Wände und die Dachkonstruktion führen zu stark reduzierten Schwerelasten. Dadurch können die vertikalen Tragelemente und die Fundation reduziert erstellt werden. Zudem verringern sich die massgebenden Erdbebenlasten. Der konsequente Einsatz von Holz und die einfache Strukturgeometrie führen zu einem nachhaltigen und effizienten Rohbau.

Die einfache Gebäudestruktur kann auf Nutzungsänderungen flexibel reagieren. Mit seinem kompakten Baukörper bietet das Projekt eine energetisch nachhaltige Lösung an. Die beheizten Bereiche sind zusammenhängend geplant, so dass ein klarer Wärmedämmperimeter mit hohen Isolationswerten, minimieren Wärmebrücken und einer hohen Luftdichtigkeit definiert werden kann. Durch die präzise Setzung der Fenster und Tore kann während des Tages in grossen Teilen des Gebäudes auf eine künstliche Beleuchtung verzichtet werden. Das begrünte Flachdach bietet neben der Regenwasserrückgewinnung eine grosse Fläche für eine oder mehrere Photovoltaik-Anlagen.

22