Projektnummer 13
235148

Verfasser: Deubzer König + Rimmel Architekten GmbH, DE-80333 München
Projektmitarbeiter: Prof. Dipl. Ing. Maximilian Rimmel, Prof. Hannelore Deubzer, Dipl. Ing. Senada Limani, M.Sc. Natalie Ade, Dipl. Ing. Jan Pietraszewski, M.Sc. Tony Stüber

Subunternehmer: Pfrommer + Roeder Freie Landschaftsarchitekten BDLA, IFLA, DE-70178 Stuttgart

STÄDTEBAU

Die baulichen Festsetzungen für eine Feuerwehr unterstehen klaren funktionalen Rahmenbedingungen. In der Situierung des Gebäudes an der Schaanerstrasse werden die südlich gelegenen größeren Kopfbauten in ihrer Kubatur weiterführend zitiert. In angemessener Proportion nimmt dieses bauliche

Volumen als Adresskörper die Nebennutzungen und Versammlungsräume der Feuerwehr auf – ergänzend um den Flächenanteil für die Samariter. Im Norden ist der Schlauch- und Übungsturm an das Ende einer schlanken Raumspange gesetzt. Der Turm bildet als ‚nördliches Landmark‘ den städtebaulichen Gegenpool zu den grossen nördlichen Solitären, dem Wasserwerk und der Tennishalle.

Dazwischen spannt sich die Halle für die Fahrzeuge auf.

ORGANISATORISCHES KONZEPT

Die Zu- und Abfahrt der Fahrzeuge, die reibungslose Einmündung in den öffentlichen Strassenraum, ist allererstes Gebot. Das Grundstück ermöglicht, die Garage für die Fahrzeuge linear anzuordnen, so dass zunächst die wichtigste Bedingung für den Ernstfall übersichtlich, störungsfrei gesichert werden kann. Der personelle Zugang, die Adresse des Neubaus markiert ein Vordach an der Schaaner Strasse. Dort sind auch die Parkplätze im Aussenraum angeordnet, so dass eine schnelle und direkte Bewegung von Einsatzpersonen zu der Fahrzeughalle über die Umkleiden möglich werden kann.

Im Erdgeschoss befinden sich die Garderoben, rechts der Trakt der Männer, links die Räume der Frauen.

Getrennt davon liegen die Jugendbereiche, ausgerichtet nach Westen zum Kanal, mit einem freien Bereich am Kanal. Ein geschützter Bereich zum Feiern, mit Ausblick in den anschliessenden Landschaftsraum.

Im Alarmfall ist auch ein direkter Zugang in die Halle möglich, die erste Zone der Halle ist der Einsatzbesprechung vorbehalten. Ein Raumpuffer der vieles leisten kann, der flexibel ist und praktisch im Alltag.

Die Umkleiden sind im Erdgeschoss direkt über die Eingänge (Alarmzugänge) zu erreichen – auf der Decke über dieser Funktionseinheit, in einem offenen Zwischengeschoss sind die Aufenthaltsbereiche ausgewiesen, quasi ein Deck, eine offene Galerieebene, die einen grossen Nutzungsspielraum offen hält. Über die breite Loggia Richtung Süden, verbindet sich der eingestellte Baukörper mit dem Aussenraum. In der Ebene über dem Eingangsbereich liegen die Schulungsräume und die Kommandozentrale.

In den Ebenen Erdgeschoss, Zwischengeschoss – zwei Ebenen, die ein Luftraum umschliesst, und das Obergeschoss ist selbstverständlich der Einblick in die Fahrzeughalle ein wichtiges räumliches Element.

Denn das Kernstück des Neubaus bildet die ‚gläserne Fahrzeughalle‘. In ihr sind im westlichen Teil die Werkstätten eingestellt. Die Halle ist eine offene Raumstruktur, die sich aus dem Tragwerk generiert. Die Fahrzeuge sind frontal zum Alarmhof ausgerichtet, dort können die notwendigen Bewegungsflächen und die entstehenden Schleppkurven die ausreichende Tiefe nachgewiesen werden. Rückseitig zu den Fahrzeugen ist eine drei Meter breite mittige Raumschicht für Erschliessung und das Modul- und Palettenlager. Die bauliche Struktur ermöglicht partiell, die im westlichen Hallenteil befindlichen Hänger über die mittige Erschliessungsfuge mit den Hauptfahrzeugen zu koppeln. Über der rückwärtigen Erschliessung verbindet ein Steg die beiden massiven Volumen im Süden und Norden und erschliesst die weiteren Lagerflächen im Obergeschoss.

TRAGWERK

Die Feuerwehrhalle ist an zwei Kopfbauten eingebunden. Das Grundprinzip der nachfolgend beschriebenen Holzkonstruktion beruht auf der Idee, einheimisches Lärchenholz, leimfrei zu einem Targwerk zu fügen.

Die Fahrzeughalle wird in einer Holz-Skeletbauweise geplant. Die Dachkonstruktion ist als Holz-Beton-Verbunddecke (HBV) konzipiert, welche aus KVH Nebenträgerpaaren mit einem Abstand von ca. 2,0 m besteht und eine Verbindung mit einer darauf liegenden dünnen Stahlbetonplatte bildet. Die HBV

Decke ist eine leichte und wirtschaftliche Lösung, um grossen Flächen materialschonend zu überdecken, dies impliziert gleichzeitig vorteilhafte Eigenschaften bezüglich Schall- und Brandschutz. Somit wird auch der möglichen späteren Aufstockung Rechnung getragen.

Die Dachkonstruktion der Halle liegt auf Hauptträgern auf, die aus Zweifeldträgern mit einem Kragarm bestehen und in einem Abstand von 4,5 m angeordnet wird. Der Querschnitt des Trägers sowie alle Bauelemente werden konsequent aus KVH Träger zusammengesetzt. Um grössere Querschnitte zu erreichen werden die KVH über Gewindeschrauben zusammengepresst, dazwischen werden seitlich eingelassene Schwalbenschwänze angeordnet, um die auftretenden Schubkräfte innerhalb des Trägers zu übertragen. Die damit entstandene Konstruktion ist komplett leim frei.Das liegende Tragwerk ist in Lärchenholz ausgeführt, zweigliedrig als Zangenkonstruktion, auch um innseitig die Technik und das Kunstlicht zu führen.

Die Stützen sind in Stahlbeton gewählt, um den Anprallschutz der Fahrzeuge zu gewährleisten und hinsichtlich einer schlanken Dimensionierung eine eventuelle Aufstockung zu vereinfachen. Die regional vorhandenen Baufirmen, lassen einen hohen Bieterkreis für die Konstruktionslösung erwarten.

ERSCHEINUNG

Die Fassaden nehmen die Idee des Tragwerks der Halle mit auf. Die primär tragenden Betonstützen des Hallenskeletts, wechseln in den dienenden Schichten im Süden und im Norden zu einem massivem zweischaligen Sockelgeschoss aus hellem Recyclingbeton.

Der einschalige ‚einfache Skelettbau‘ der Fahrzeughalle mit einer einschaligen hölzernen Bohlenausfachung, wird an den warmen aufgestockten Bereichen im Süden mit Dämmung und einer dünneren inneren Wandausfachung ausgestattet.

Es zeichnen sich grossformatige Wandkassetten ab, liegend ausgefacht mit einer gängigen Feldbreite von 4,5m. Umfassende Falzleisten bilden einen konstruktiven Wetterschutz und fassen als schlanke Lisenen die Felder. Das auskragende hölzerne Hängedach an der Halle gewährleistet eine Fahrzeughalle als einsehbare ‚gläserne Manufaktur’, die sich dezent im Aussenraum abzeichnet. Die leuchtend schimmernde Halle zeigt gerade bei Dunkelheit Präsenz und Wachheit der Feuerwehr.

AUSSENANLAGEN

Für den Bodenbelag ist ein Sickerfugenpflaster für Schwerlastverkehr mit Arretierungssystem gegen Verschiebungen denkbar. Hiermit kann ein Teil des Regenwassers abgeführt werden. Die Stellplätze ist mit Rasenfugenbegrünung angedacht.

Am Bestandskanal ist eine leichte Gehölzreihe zur Schattierung und Kaschierung der Parkreihen wünschenswert, ergänzend eine Baumreihe zwischen der Doppelreihe im Südosten des Geländes.

Im Südwesten gibt es noch ein Sitzareal zum Feiern – draussen am Kanal.

Der Alarmhof orientiert sich offen zur Strasse, um die Abläufe zu vereinfachen. Aufgrund der Einsehbarkeit ist hier mit einer unbefugten Parkierung nicht zu rechnen.

AUFSTOCKUNGSMÖGLICHKEITEN

Die Aufstockung ist, wie vorher beschrieben, konstruktiv im Tragwerk primär angelegt.

Die Erschliessung der Erweiterung muss unabhängig von der Feuerwache erfolgen. Falls diese Idee weiterverfolgt werden sollte, ist das Dach über der Fahrzeughalle als Garten auszubilden, als halböffentlicher Raum vor der ergänzenden Nutzung (Wohnen, Büros etc.) und über eine Freitreppe erfolgt die Erschliessung über diesen Garten auf dem Dach.

Alles in Allem muss die Erweiterung angemessen bleiben, zum Primärbau und zur städtebaulichen Umgebung und dem östlichen Wohnareal.

GROBKONZEPT ENERGIE- UND GEBÄUDETECHNIK

Zur Beheizung werden zwei parallel laufende Luft-Wasserwärmepumpen vorgeschlagen. Die Stromversorgung soll über eine Photovoltaikanlage mit Stromspeichern erfolgen. Damit ist die Einhaltung des Betriebs hinsichtlich der energetischen Anforderungen sicherzustellen.

Für den Aufenthalt im südlichen Gebäude ist eine auf die Bedürfnisse angepasste, mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung ausgestattete mechanische Be- und Entlüftungsanlage angedacht, ergänzend mit der Koppelung einer natürlichen Belüftung.

Günstig nach Süden angeordnete Fensterflächen ermöglichen die passive Energienutzung im Winter. Der hohe Gebäudedämmstandart sorgt für angenehme sommerliche und winterliche Zustände des Raumklimas.

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